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Allgemeinmedizin 5. Juli 2016

Hände weg von Anabolika!

Schwere Folgen durch Missbrauch von Hormonpräparaten

Anabolika können dem Körper schwere Schäden zufügen. Den Anwendern drohen Thrombosen und Schlaganfälle, sowie Störungen der Organfunktionen von Herz, Leber und Nieren. Nach dem Absetzen können Anwender zudem Depressionen entwickeln, warnen Experten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE). Auch Apotheker sollten ihre sportlich ehrgeizigen Kunden in der Beratung darauf hinweisen, denn: Freizeitsportler sind besonders gefährdet.

Doping mit Anabolika, genauer mit anabolen androgenen Steroiden, die auch als „Performance and appearance enhancing drugs“ – PEAD – bezeichnet werden, ist weit verbreitet. Nicht nur Leistungssportler greifen zu den illegalen Substanzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen. Auch Freizeitsportler und Bodybuilder nutzen sie, um den Muskelaufbau im Fitness-Studio zu beschleunigen. Anabolika, die im Internet und zum Teil auch in Fitness-Studios illegal angeboten werden, können gespritzt oder geschluckt werden, es gibt sie als Creme oder Gel für die Haut oder auch als Pflaster.

„Die Einnahme wird häufig bagatellisiert“, sagt Prof. Eberhard Nie-schlag, Universitätsklinikum Münster. „Im Leistungssport wird Doping vor allem als Verstoß gegen die Fairness geahndet. Freizeitsportler haben also vermeintlich wenig zu befürchten.“ Todesfälle von Freizeitsportlern, die nach der langjährigen und hochdosierten Einnahme von Anabolika in jungen Jahren an Herzversagen gestorben sind, zeigen den fatalen Irrtum. Todesursache war meist eine Erkrankung des Herzmuskels, eine Herzrhythmusstörung oder ein Herzinfarkt. „Die Pathologen finden bei der Autopsie oft eine ausgedehnte Verkalkung der Blutgefäße“, berichtet Nieschlag. „In den Herzkranzgefäßen kann dies einen Herzinfarkt auslösen.“

Auswirkungen auf‘s Blut und die Psyche

Anabolika verschlechtern außerdem die Fließeigenschaften des Blutes. Sie steigern die Bildung von roten Blutzellen im Knochenmark. „Der gewünschte Effekt ist eine Verbesserung der Sauerstoffversorgung im Gewebe“, so Nieschlag. Es bestehe jedoch die Gefahr, dass der Blutfluss zum Stehen komme und sich Blutgerinnsel bilden: „Im Gehirn hat das einen Schlaganfall, in den Lungen eine Lungenembolie und in den Beinen eine Thrombose zur Folge.“ Die meisten Anabolika werden in der Leber abgebaut. Bei häufiger Einnahme begünstigen Anabolika eine Fettleber, bei einer Überdosis kann es zum Leberversagen kommen.

Die Psyche verändert sich ebenfalls. „Anabolika-Anwender sind häufig leicht erregbar und aggressiv. Sie neigen zur Selbstüberschätzung oder entwickeln sogar psychotische Symptome“, so Nieschlag. Die Kehrseite dieser manischen Hochgefühle sind starke Depressionen, unter denen Anabolika-Anwender nach dem Absetzen über viele Jahre leiden können.

„Die meisten Menschen, die PEAD einnehmen, sind sich der gesundheitlichen Risiken nicht bewusst, die häufig noch durch die Kombination verschiedener Präparate gesteigert werden“, stellt Prof. Matthias Weber, Johannes Gutenberg-Universität Mainz, fest. Die Nationale Anti Doping Agentur NADA sei hier gefordert. „Freizeitsportler sind hier stärker gefährdet, da sie“, so Weber, „keinen Kontrollen unterliegen und häufig sogar größere Mengen einnehmen als die Profis.“

Quelle: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie

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