zur Navigation zum Inhalt
© Alex / fotolia.com
 
Allgemeinmedizin 25. Jänner 2016

Mikrobiom im Extremfall

Der Darm des Intensivpatienten im therapeutischen Fokus

Die Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm weist eine hohe Komplexität und Vielfältigkeit auf. Störungen wirken sich auf den Körper und, neuesten Erkenntnissen zufolge, auch auf die Psyche aus.

Krankheiten, bestimmte Medikamente, Stress und andere Lebensstilfaktoren können dazu führen, dass das sensible Gleichgewicht gestört ist. Patienten mit schweren Erkrankungen sind davon besonders stark betroffen – mit weitreichenden Konsequenzen, die auch mögliche Ansatzpunkte für eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufs bieten.

Die Forschung über die Zusammensetzung und die Einflussfaktoren auf das Mikrobiom laufen derzeit sehr intensiv. Dabei zeigt sich, so Salzberger et al., dass Mikrobiome bei individuellen Patienten ohne dramatische äußere Einflüsse relativ konstant sind. Dies weist, so die Autoren, darauf hin, dass hier nicht nur eine zufällige Besiedlung, sondern echte Symbiose besteht. „Die Symbiose betrifft sowohl metabolische wie auch immunologische Prozesse.“ Am besten sind diese Zusammenhänge für das größte und diverseste Mikrobiom, das des Darms, speziell des Dickdarms, untersucht. Die Zahl der verschiedenen Mikroorganismen, die Dauer des menschlichen Lebens und die komplexen heutigen Lebensumstände mit Wechseln der Geographie und vieler anderer Umwelteinflüsse machen klar, dass Veränderungen in der Zusammensetzung eines persönlichen Mikrobioms allerdings nicht leicht analysiert werden können.

Interesse an spezifischer therapeutischer Beeinflussung

Das Mikrobiom des Intensivpatienten ist durch eine Reihe von spezifischen externen Faktoren beeinflusst, z. B. direkt durch Antibiotikatherapie, aber v. a. durch die Milieuänderungen durch Stress, andere Ernährung und weitere Pharmakotherapie. Ein offensichtliches Beispiel für mögliche Konsequenzen ist die Clostridium difficile-Colitis. Veränderungen des Mikrobioms bei kritisch kranken Patienten sind in jüngerer Zeit zunehmend untersucht worden. „Mit dem Wissen um diese Veränderungen und Einflüsse ist das Interesse an einer spezifischen therapeutischen Beeinflussung des Mikrobioms erwacht“, stellen Salzberger et al. fest: „Hier gibt es erfolgversprechende neue Ansätze.“ Zu diesen zählt der Einsatz von Probiotika auch in dieser schwer kranken Personengruppe: „Mit dem wachsenden Wissen über das intestinale Mikrobiom sollte es möglich sein“, so die Autoren, „sehr viel spezifischere Kombinationen von probiotischen Mikroorganismen herzustellen und einzusetzen.“

Quelle: B. Salzberger et al.: Das Mikrobiom des Darms beim kritisch kranken Patienten, Med Klin Intensivmed Notfmed 2015, 110:521–525

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben