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Ausgewogenes veganes Essen fördert die Gesundheit, manche Nährstoffe fehlen jedoch bisweilen.
 
Allgemeinmedizin 25. Jänner 2016

Ernährung in Diskussion

Vegane Ernährung, das Mikrobiom des Darms und Allergien

Weniger ist manchmal mehr, kann aber auch bisweilen zu wenig sein. Entsprechende Ergänzung der Mikronährstoffe und der Darmbakterien helfen, die physiologischen Verhältnisse wieder herzustellen und die komplexen Mechanismen des Körpers in gesunde Bahnen zu führen.

Veganer haben einen günstigeren Body-Mass-Index als die Durchschnittsbevölkerung sowie ein geringeres Risiko für zahlreiche mit der Ernährung in Zusammenhang stehende Krankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, Bluthochdruck und Dyslipidämie, so der Oecotrophologe Dr. Markus Keller, Institut für alternative und nachhaltige Ernährung, Gießen. Sie sollten jedoch auf die ausreichende Zufuhr potenziell kritischer Nährstoffe wie Vitamin B12 und B2, Eisen und Zink sowie Omega-3-Fettsäuren achten. Tun Veganer dies, bietet eine vollwertige vegane Ernährung ein erhebliches präventives und therapeutisches Potenzial, so Kellers Fazit. Er weist aber auch auf einen bedenklichen Trend hin: Veganer greifen immer häufiger zu Convenienceprodukten. Dominieren Tofu-Burger und -Pizzen den veganen Speisezettel, schmelzen die Vorteile dieses Ernährungsstils jedoch dahin.

Intensiv beforscht wird derzeit das Mikrobiom des Darms (Darmflora). Bei gesunden Personen leben zwischen 500 und 1150 Bakterienarten in friedlicher Koexistenz mit ihrem menschlichen Wirt, stellt Prof. Julia-Stefanie Frick vom Universitätsklinikum Tübingen fest. Sie unterstützen unter anderem das Immunsystem und verhindern eine Überwucherung mit krankmachenden Darmbakterien.

Weniger Vielfalt der Darmflora bei CED

Anders bei Patienten mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED): Menschen mit Morbus Crohn und Colitis ulcerosa weisen eine weit weniger vielfältige Darmflora auf, die auf noch unbekannte Weise eine Überreaktion des Immunsystems fördern oder gar auslösen kann. Hier wird derzeit untersucht, ob der Wiederaufbau eines physiologischen Mikrobioms zur Prävention oder Therapie dieser Darmerkrankungen beitragen kann. Dazu wurden bereits verschiedene Probiotika in klinischen Studien getestet. Die Ergebnisse sind jedoch sehr unterschiedlich und lassen keine allgemeinen Empfehlungen zu. Ein weiterer Ansatz, ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmikrobiom wieder zu normalisieren, ist die Stuhltransplantation. Dabei wird ein gesamtes intestinales Mikrobiom eines gesunden Spenders in den Darm des Empfängers übertragen.

Die Erfolge bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen sind mit einer Remission von etwa 40 Prozent recht gut, so Frick. Auch Patienten, die an einer gefährlichen Diarrhoe durch das Bakterium Clostridium difficile leiden, profitieren mit einer Heilungsrate von 90 Prozent. Diese Erkenntnis führte dazu, dass die Stuhltransplantation als optionale Drittlinientherapie für rekurrente C.-difficile-Infektionen in die amerikanische Leitlinie aufgenommen wurde.

Überschießende Abwehrreaktion

Erkenntnisse zu Auslösern und Pathogenese allergischer Reaktionen auf Lebensmittel haben in den vergangenen Jahren zugenommen, berichtet Claudia Kugler, Oecotrophologin am Klinikum rechts der Isar, München. Mittels der komponentenbasierten Diagnostik lassen sich Ausprägungen besser charakterisieren und Kreuzreaktionen besser identifizieren. Diese nun breit verfügbare Technik vereinfacht und präzisiert die Dia-gnostik zum Beispiel bei pollenassoziierten Lebensmittelallergien, ergänzte PDDr. Christina Schnopp, ebenfalls vom Klinikum rechts der Isar.

Kennt man das auslösende Allergen genauer, so kann man die Ernährung auch individuell anpassen. Daneben trage die komponentenbasierte Diagnostik auch zu einer differenzierten Risikoabschätzung bei, insbesondere bei einer Erdnussallergie. Unverzichtbar sei die aufwändige Provokationsdiagnostik hingegen nach wie vor bei der Diagnose einer Lebensmittelallergie auf Kuhmilch oder Hühnerei im Säuglings- und Kleinkindalter.

Hinsichtlich der Therapie setzt sich anstelle einer kompletten Allergenvermeidung inzwischen zunehmend das Prinzip der Gewöhnung durch, berichtet Schnopp. Das gilt auch für Babys: Die aktuelle Leitlinie zur Allergenprävention empfiehlt ab dem fünften Monat eine normale Beikost auch für Risikokinder

Mangel im Alter

Sowohl die Mangelernährung als solche als auch niedrige Serumspiegel einzelner Mikronährstoffe korrelieren bei älteren Menschen mit kognitiver und funktioneller Einschränkung, Demenz und Depression, stellen Polivka et al. fest. Am häufigsten findet sich demnach eine Unterversorgung mit Vitamin B1, B12 und D. In Bezug auf die prophylaktische Gabe von Vitaminen haben prospektive Studien keine eindeutigen Effekte gezeigt. Eindeutig positive Wirkungen belegen dagegen Beobachtungsstudien für die Einhaltung einer Mittelmeerdiät mit kombinierter Zufuhr von Vitaminen, Antioxidanzien und ungesättigten Fettsäuren. Ältere Menschen sollten routinemäßig auf Mangelernährung sowie auf einen Vitamin-B1-, -B12- und -D-Mangel untersucht werden.

Springer-gup

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