zur Navigation zum Inhalt
 
Allgemeinmedizin 8. Jänner 2015

Kunst und Wissenschaft

Eine wichtige Partnerschaft

Gerade die Medizin hat schon aus ihrer Geschichte heraus einen ziemlich engen Bezug zur Kunst, ob es darum geht, dass eine nicht unbeträchtliche Anzahl an künstlerisch-kreativen Menschen vielleicht aufgrund einer höheren Sensibilität und Wahrnehmungsfähigkeit von psychischen Störungen betroffen sind, oder ob Kunst bei manchen Erkrankungen als Therapie eingesetzt wird. Schließlich nimmt die Medizin ja auch als ärztliche HeilKUNST einen besonderen Platz unter den Wissenschaften ein und nicht zuletzt finden sich unter Medizinern auch wiederum zahlreiche künstlerisch tätige Menschen, ob in der Musik, der Schriftstellerei, wie etwa Arthur Schnitzler, oder auch als bildende Künstler. Die enge Beziehung zwischen Medizin und Kunst wurde in früheren Zeiten sogar während des Studiums durch den verpflichtenden Besuch philosophischer und kulturhistorischer Vorlesungen für Medizinstudenten unterstrichen.

Aber auch in anderen wissenschaftlichen Fächern gibt es durchaus spannende Berührungs- und Bezugspunkte. Die documenta XIII, bedeutendste – und umfangreichste – Präsentation zeitgenössischer Kunst im Fünfjahresrhythmus in Kassel, widmete sich bei ihrer jüngsten Ausgabe 2012 dem Thema Wissenschaft und Kunst in vielfältiger Weise und lud da beispielsweise auch den österreichischen Quantenphysiker Anton Zeilinger zum Aufbau einer Teletransportationsanordnung. Insgesamt wurde hier der Ästhetik von wissenschaftlichen und technischen Themen, Geräten und Erkenntnissen breiter Raum gewidmet.

Innovationen brauchen freien, kreativen Geist

Die Universität für angewandte Kunst in Wien hat im vergangenen Herbst nun ein Projekt ins Leben gerufen, das die vielfältigen Inspirationsmöglichkeiten von Kunst und Wissenschaft in den Mittelpunkt stellt und eine Plattform für den Austausch bieten möchte: „AIL – das Angewandte Innovation Laboratory“. Wissenschaft und Kunst sollen sich ergänzen und beflügeln.

„Eine Gesellschaft, die Innovation vorantreiben möchte, muss neue, unkonventionelle Wege gehen“, sagt Dr. Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst Wien und Initiator der neugegründeten Plattform. In unserer westlichen Gesellschaft, die Erfolg meist mit der finanziellen Wertschöpfung misst, hat sich der freie kreative Geist aus dem Begriff der Innovationen zunehmend verabschiedet. Innovationen werden meist nach ihrer wirtschaftlichen Verwertbarkeit beurteilt und bemerkenswerterweise sind die per se kreativen Bereiche der Kunst dabei meist nicht inkludiert.

Aber der Anspruch an die Ausbildung an den Universitäten hat sich in den vergangenen zehn bis 20 Jahren ja auch verschoben hin zu möglichst rasch „verwertbarem“ Wissen. Die lange gepflegte Vermittlung der kritischen Reflexion des eigenen Denkens und Tuns an diesem Ort scheint zurückgedrängt worden zu sein – das hat auch Folgen für die Gesamtgesellschaft.

Dieser zweifelhaften Entwicklung möchte die Angewandte nun mit AIL etwas entgegensetzen und den Austausch und die Möglichkeit Fragen zu stellen, ohne darauf gleich Antworten oder Patentrezepte zu erhalten, fördern. „Die Angewandte“, so Bast, „versteht sich als eine Stätte der freien künstlerischen und wissenschaftlichen Artikulation und offenen Disputs sowie als Entwicklungslabor künstlerischer Visionen, die in der Gesellschaft der Zukunft ihre Wirkung entfalten.“ Das AIL soll also den Freiraum bieten, diese Entfaltung zu ermöglichen.

Mancherorts ist das Potential bereits erkannt worden. Das zeigt sich auch an den ersten Projektpartnern des AIL: Das Institute of Molcecular Biotechnology (IMBA), das Research Center for Molecular Medicine (CeMM), die Ars Electronica sowie auch die Wirtschaftskammer Wien.

SpringerMedizin als führender Wissenschaftsverlag seit mehr als 100 Jahren hat mit vielen seiner Publikationen immer wieder solche Zusammenhänge publizistisch dargestellt. Eine Medienkooperation mit dem AIL soll im kommenden Jahr etabliert werden, was einen spannenden Ausblick gibt, den wir gerne mit unseren Lesern teilen,

verspricht Ihnen Ihre

Verena Kienast

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben