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© Tomasz Trojanowski / fotolia.com
Wissenschaftler vermuten, dass der hohe Anteil ADAM-positiver Männer depressive Beschwerden widerspiegelt.
 
Allgemeinmedizin 25. Mai 2014

Hormone sind nicht schuld

Erektile Dysfunktion bei jungen Männern kann viele Ursachen haben.

Unfruchtbare junge Männer leiden zwar häufig an erektiler Dysfunktion und verminderter Libido. Das hat aber nichts mit dem Testosteron-Spiegel zu tun, wie eine kanadische Studie zeigt.

Das Testosterondefizienzsyndrom (TDS) und die erektile Dysfunktion (ED) haben bei infertilen Männern in der Regel keine hormonellen Ursachen. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern um Dr. Raj Satkunasivam vom Mount Sinai Hospital und der University of Toronto. Sie haben Daten von 1.750 unfruchtbaren jungen Männern (mittleres Alter 36 Jahre) retrospektiv analysiert. „Abnorme Konzentrationen von Serumtestosteron und anderen Hormonen sind bei infertilen Männern häufig, aber keine dieser Hormonveränderungen ist mit ED und TDS-Beschwerden korreliert“, schreiben die Wissenschaftler in ihrer Arbeit.

31 Prozent der Patienten hatten eine ED, bei 45 Prozent ergaben sich im Fragebogen „Androgen Deficiency in the Aging Male“(ADAM) Hinweise auf mutmaßlich geringe Testosteronspiegel. Tatsächlich wiesen 29 Prozent der Studienteilnehmer eine niedrige Testosteronkonzentration im Serum auf (unter 288 ng/dl). Doch in der multivariaten Regressionsanalyse war kein signifikanter Zusammenhang mit ED und TDS-Beschwerden festzustellen, und zwar weder für Gesamt-Testosteron noch für bioverfügbares Testosteron. Das galt selbst für schwere ED-Formen. Lediglich der Spiegel des luteinisierenden Hormons korrelierte schwach mit ED.

Sind häufig Depressionen die Ursache?

Dies könnte darauf hindeuten, dass die primäre Ätiologie von ED und TDS bei jüngeren infertilen Männern nicht auf einen Testosteronmangel zurückzuführen ist, schreiben die Forscher. Sie verweisen auf andere Ursachen, die womöglich mit einer verminderten Sexualfunktion und schwacher Libido einhergehen: Depressionen, Stress, Ängste und auch Schuldgefühle – lauter Symptome, mit denen sich infertile Männer häufig konfrontiert sehen.

Die Wissenschaftler halten es daher für denkbar, dass der hohe Anteil ADAM-positiver Männer in Wirklichkeit depressive Beschwerden widerspiegle. In der Infertilitätstherapie spielten diese Faktoren, die gewiss nicht zu erhöhter Fruchtbarkeit beitrügen, indes eine untergeordnete Rolle.

Originalpublikation: Raj Satkunasivam et al. Hormone abnormalities are not related to the erectile dysfunction and decreased libido found in many men with infertility . Fertil Steril 2014, online 31. März (http://bit.ly/1hNILZ0)

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