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© Matt Harris / iStock
 
Allgemeinmedizin 2. Mai 2014

Diarrhoe hat Saison

Gut vorbereitet lässt sich die Dauer verkürzen

Die Reisezeit naht und damit auch Hochzeit für Reisediarrhoe: Bis zu 50 Prozent der Touristen, die sich in tropischen oder subtropischen Reiseländern wie Mexiko, Thailand oder auch Kenia aufhalten, leiden typischerweise zwischen dem dritten und siebten Tag unter einer Reisediarrhoe. Schnell wirksame Medikamente für die Reiseapotheke können eine längere Beeinträchtigung des Urlaubsvergnügens vermeiden. Die entsprechende Beratung kann den Kunden für solche Notfälle gut vorbereiten.

Meistens handelt es sich um unkomplizierte Formen, die nach zwei bis fünf Tagen von selbst abheilen. Eine Diarrhoe besteht, wenn mehr als drei Entleerungen eines breiigen bis flüssigen Stuhls pro Tag mit einem erhöhten Stuhlgewicht über 200 Gramm stattfinden. Sie gilt nicht als eigenständige Krankheit, sondern als Symptom.

90 Prozent der Reisedurchfälle sind sekretorisch bedingt: Elektrolyte und Wasser werden vermehrt in den Darm ausgeschüttet. Auslöser hierfür sind Erreger wie Noro- oder Rotaviren, selten auch Parasiten wie Amöben oder Lamblien, hauptsächlich aber enterotoxinbildende Stämme des Bakteriums Escherichia coli.

Schwerer Verlauf: Übelkeit, Blähungen, Bauchschmerzen und ein allgemeines Krankheitsgefühl können den Durchfall begleiten. Der Kunde sollte jedenfalls dahingehend aufmerksam gemacht werden, dass Vorsicht geboten ist bei schwereren Nebenerscheinungen wie Blutbeimengungen im Stuhl, krampfartigen Bauchschmerzen, Fieber, Kreislaufschwäche, Herzbeschwerden, Problemen beim Wasserlassen, Schwindel oder Erbrechen. Hier sollte die Möglichkeit einer Infektion mit Erregern wie Typhus, Cholera oder Salmonellen durch eine Stuhluntersuchung ärztlich abgeklärt werden.

Beratungsfall

Ein einfacher Reisedurchfall kann in der Regel gut in der Selbstmedikation behandelt werden. Dazu ist es aber wichtig, zuvor einige Informationen einzuholen. Das beginnt mit der bereits bestehenden Dauer der Beschwerden. Essenziell ist außerdem die Frage nach der Symptomatik: „Wie häufig haben Sie Stuhlgang?“ (drei- bis acht Mal pro Tag ist im Rahmen), „Und wie sieht der Stuhl aus?“ (extrem wässrig, ex-trem übelriechend, mit Schleim oder Blut versetzt - hier ist ein Arztbesuch nötig), „Gibt es noch weitere Beschwerden?“ (Fieber, kolikartige Schmerzen, Erbrechen - dies kann auf eine höhere Erregerbelastung hinweisen und erfordert ebenfalls die ärztliche Abklärung).

Als Abrundung ist es sinnvoll nach bestehenden Grunderkrankungen wie Hyperthyreose oder Diabetes mellitus sowie nach einer Dauermedikation zu fragen. Denn Arzneimittel wie Antibiotika, magnesiumhaltige Antazida und Diuretika können eine Diarrhö auslösen, ebenso ein erhöhter Kaffee- oder Teekonsum.

Therapieempfehlungen

Die wichtigsten Maßnahmen zur Behandlung von Reisedurchfällen sind die orale Rehydratation mit Elektrolytlösungen, die Regeneration der Darmflora und eventuell die Herabsetzung der Darmperistaltik. Zum Aufbau der Darmflora wie auch zur Prävention bieten sich Präparate mit Mikroorganismen an, die die natürliche Darmbesiedlung bei unspezifischen Durchfällen unterstützen. Dadurch können krankheitserregende Keime in ihrem Wachstum gehemmt und rasch aus dem Darm verdrängt werden. Weitere Therapiemöglichkeiten sind enterotoxinbindende Adsorbenzien, schleimhautabdichtende Adstringenzien oder homöopathische Mittel.

Die Trinkmenge pro Tag sollte auf das Anderthalbfache erhöht werden (zwei bis drei Liter pro Tag). Statt Cola eignen sich besser mit Traubenzucker und einer Messerspitze Salz versehener Fenchel-, Kamillen- oder Pfefferminztee oder eine verdünnte Hühnerbrühe. Darmschonende Lebensmittel haben einen geringen Fett- und Ballaststoffanteil: Geeignet sind neben den beliebten Salzstangen auch Bananen, geriebener Apfel sowie Haferschleim, Karottensuppe oder Kartoffelbrei.

Springer-gup.de, Ärzte Woche 18/2014

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