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Allgemeinmedizin 1. April 2007

Einstellung von Allgemeinmedizinern zur wissenschaftlichen Forschung in einem Land im post-kommunist

HINTERGRUND: Obwohl das Paradigma der evidenz-basierten Praxis in der modernen Medizin vorherrscht, gibt es nur wenig wissenschaftliche Arbeiten bzw. wissenschaftliches Interesse im Bereich der Allgemeinmedizin. Wir untersuchten die Einstellung zur wissenschaftlichen Forschung bei Allgemeinmedizinern in einem Land, das sich im post-kommunistischen sozioökonomischen Übergang befindet. Diese Einstellung wurde ihrer Haltung zur Alternativmedizin und dem für ihre Praxis relevanten klinischen Wissenstand gegenübergestellt. METHODEN: Wir befragten 427 Allgemeinmediziner in Kroatien bezüglich ihrer Einstellung zur wissenschaftlichen Forschung (5 Punkte-Beurteilungs-Skala; Score-Bereich 20–100) und zur Alternativmedizin (5-Punkte-Beurteilungs-Skala; Score-Bereich: 14–70). Zusätzlich wurde das Wissen im Bezug auf das diagnostische und therapeutische Management von Hypertonie (10 Fragen) und Diabetes mellitus (12 Fragen) geprüft. ERGEBNISSE: Die Einstellung zur wissenschaftlichen Forschung war positiv (Score 79,0 ± 7,1 bei einem möglichen Maximum von 100). Diese Einstellung war signifikant positiver als die zur Alternativmedizin (Score 45,0 ± 9,9 von maximal 70; t425 = 19,06; p < 0,001). Die Befragten beantworteten etwa die Hälfte der Fragen über Hypertonie und Diabetes korrekt. Das Wissen über neue Leitlinien der Diagnose und Therapie ging über das Lehrbuchwissen hinaus. Die Ergebniswerte bezüglich der Einstellung zu den befragten Themen waren unabhängig vom Wissen, von der Forschungsaktivität und der medizinischen Erfahrung der Teilnehmer der Studie. SCHLUSSFOLGERUNGEN: In einem Land, das sich sozioökonomisch in einem Übergang befindet haben allgemeinmedizinisch tätige Ärzte eine positivere Einstellung zur Wissenschaft als zur Alternativmedizin, trotz der schwierigen Umstände, unter denen sie ihre Praxis betreiben. Um Allgemeinmediziner in die Forschung einzubinden, müssen Maßnahmen gesetzt werden, die eine Verhaltensänderung bewirken – Maßnahmen, die nur eine positivere Einstellung zum Ziel haben, sind nicht ausreichend.

Zdenka Mrdesa Rogulj, Elizabet Baloevic, Zoran Dogas, Goran Kardum, Darko Hren, Ana Marusic, Matko Marusic, Wiener klinische Wochenschrift

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