Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist
 
Leben 6. Februar 2017

Medikamente am Steuer

NebenWirkungen

Welche Arzneien aus dem Garten von Mutter Pharmazie die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen.

In meiner Funktion als Radiodoktor kann ich zwar keine defekten Funkempfänger reparieren, darf jedoch mit klugen Menschen kluge Dinge besprechen, was mich letztlich auch als klug dastehen lässt.

Vor kurzem ging es um das Thema „Medikamente am Steuer“. Und auch wenn man sich von der Industrie steuerfreie Medikamente wünscht, so fährt der Durchschnittsbürger nicht nur blau sondern auch vollgedröhnt mit Substanzen aus dem Garten von Mutter Pharmazie durch die Gegend und in die Bäume.

Bei gewissen Mitteln sagt einem natürlich bereits der Hausverstand, dass sie sich als Beifahrer nicht sonderlich eignen: So sollte ein Fahrzeug, etwa im Rahmen einer Vollnarkose, keinesfalls im noch narkotisierten Zustand in Betrieb genommen werden. Halluzinogene oder betäubende Substanzen können dabei ebenso zum Problem für den Lenker werden, wie ein gut wirksames Abführmittel. Einige Draufgänger wollen selbst beim Nachhauseweg vom Augenarzt nach einer Operation am linken und ein wenig Atropin im rechten Auge den Komfort des eigenen PKWs nicht missen. Zumindest kann man die Schimpftriaden der anderen Verkehrsteilnehmer („Sind Sie blind?“) ruhigen Gewissens mit „Ja“ beantworten.

Bei anderen Medikamenten ist eine mögliche Fahruntauglichkeit für den Konsumenten nicht so einfach nachzuvollziehen. Ein Antiallergikum oder ein gemeines Grippemittel kann so müde machen, dass es eine gehörige Portion an Aufputschmitteln braucht, um aufrecht hinterm Lenkrad zu sitzen. Zwar sind für den Verkehr problematische Medikamente mittlerweile mit einem Warnaufdruck versehen. Doch im Prinzip kann die Verwendung jeder Arznei die Aufmerksamkeit reduzieren – wenn man etwa im Fließverkehr eine Packung mit Kindersicherung öffnet, Augentropfen appliziert, oder versucht, sich bei 130 km/h im Ortsgebiet ein Suppositorium einzuführen.

Ob es gefährlich ist, mit dem Auto längere Strecken unter dem Einfluss von Viagra zurückzulegen, hängt von der Entfernung des Fahrersitzes zum Lenkrad ab. Natürlich kann man in der Medikamenten-App der Apothekerkammer nachsehen, welche Substanzen die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Da die meisten die App gewohnheitsmäßig während dem Fahren bedienen, dürfte es egal sein, ob man nun aufgrund eines Opiats oder des Blickes auf das Smartphone im Laternenmast landet. Denn bei allem Medikamenten-Bashing sei darauf hingewiesen, dass neben zu schnellem Fahren vor allem die Ablenkung an der Spitze der Unfallursachenstatistik steht. Freuen wir uns also schon auf die Generation selbstfahrender Autos, deren künstliche Intelligenz stets konzentriert den Straßenverkehr im elektronischen Auge behält. Bis die Intelligenz so ausgereift ist, dass das Fahrzeug beginnt, während des Fahrens eine SMS zu tippen.

Dr. Ronny Tekal ist Allgemeinmediziner und Begründer des Medizinkabaretts www.medizinkabarett.at

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1