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15.05.2019 | originalarbeit | Ausgabe 1-2/2019 Open Access

Psychotherapie Forum 1-2/2019

Zur Kritik der Heteronormativität – Queere Perspektiven in der Psychotherapie

Zeitschrift:
Psychotherapie Forum > Ausgabe 1-2/2019
Autor:
Esther Hutfless
Wichtige Hinweise

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Zusammenfassung

Psychiatrische Diskurse über Perversionen und „sexuelle Abirrungen“ sowie die Entwicklung und Wirkmacht von Diagnose-Manualen, die Homo- und Transsexualität als psychische Störungen charakterisierten und dies im Fall von Trans* aber z. B. auch Transvestitismus noch immer tun, ebenso die heteronormativen Vorstellungen unserer Kultur, sind mit psychotherapeutischen Diskursen eng verschränkt.
In der therapeutischen Praxis bedeutet dies unter anderem noch immer, dass Menschen, die psychotherapeutische Hilfe suchen und nicht der „Norm“ entsprechen, mit Vorurteilen, stereotypen Geschlechter‑, Beziehungs- und Sexualitätsvorstellungen konfrontiert sind oder sowohl ihre Lebensentwürfe als auch ihr Begehren als Ausdruck psychischer Unreife beurteilt werden.
Darüber hinaus reproduzieren psychotherapeutische Diskurse nicht nur diskriminierende Strukturen, sondern sind mit Michel Foucault vielmehr selbst Teil jenes Macht-Wissenskomplexes, der Subjekte auf spezifische Weise hervorbringt und damit zugleich reguliert.
Anti-Diskriminierungspolitiken, die Forderungen nach Gleichstellung ausgehend von einer unterdrückten sozialen Gruppe formulieren, haben zwar gesellschaftspolitisch viel erreicht, doch werden sie von diskurstheoretischen Ansätzen dafür kritisiert, dass sie die Identitätskategorien „unterdrückter“ oder „ausgeschlossener“ Subjekte und damit die Entgegensetzung und Hierarchisierung zwischen Norm und Abweichung weiter fortschreiben und Identitäten essentialisieren oder aber „ausgeschlossene“ Subjekte in die heteronormative Ordnung assimilieren, um für sie ebenfalls „Normalität“ zu proklamieren, was zu einer erneuten Unterwerfung führt.
Im vorliegenden Artikel möchte ich daher über gleichstellungspolitische Ansätze hinausgehen, da diese Ansätze Identitätskategorien re-produzieren und fortschreiben. Stattdessen werde ich – ausgehend von queeren Konzepten – dafür plädierenden, den Bereich der Norm selbst in Frage zu stellen und zu dekonstruieren. Darüberhinaus werde ich zeigen, inwiefern insbesondere queere Ansätze als produktive und kritische Interventionen in psychotherapeutischen Diskursen und Praxen wirken können.
Literatur
Über diesen Artikel

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