Skip to main content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

Ärzte Woche

08.04.2020

Willkommen zum Hörgang

verfasst von: Martin Krenek-Burger

share
TEILEN
print
DRUCKEN
insite
SUCHEN

Der Springer Medizin Verlag ist bekannt für wissenschaftlich fundierte Texte. Das Akustische kam stets zu kurz. Das ändert sich jetzt. In Zukunft können Sie unsere Inhalte auch hören. Im Hörgang, dem neuen Podcast von Springer Wien. Die Zeit der Vorbereitung aus der Sicht eines Hurrah-ich-darf-wieder-auf-Sendung-Gehers.

Hier geht's zu unserem Podcast-Blog mit allen Episoden

Als mein früheres Ich an einem Freitag vor 20 Jahren die Kopfhörer auf den nicht dafür vorgesehen Mikrofonständer hängte und aus dem Studio schlurfte, wusste es: Ab morgen wird alles anders. Ich würde Sprecherkammerl und Minidisc-Rekorder gegen ein halbwegs seriöses Outfit und eine Spiegelreflex-Kamera tauschen und bei einer überregionalen Tageszeitung anfangen. Bye, bye Radio. Das war eigentlich für immer gedacht, das war der Plan.

Dann kamen Podcasts auf und tauchten bald wieder ab, wurden totgesagt und wurden daraufhin wieder modern. Und jetzt darf ich meiner alten Passion wieder frönen und für Springer Medizin Podcasts produzieren. Wir haben uns auf den Namen Hörgang geeinigt, weil Ohrfeige zu sehr nach Jugendprogramm klingt.

Wissen Sie, wie sich das anfühlt? Leiwand. Ich kann wieder Sendungen „abwickeln“, wie man in der Radiosprache sagt, also eine Abfolge von Musik, Jingles und Gesprochenem über den Äther schicken, „die fahrt“ – noch so ein Ausdruck.

Aber Podcast machen ist anders als klassisches Radio, ist auch anders als Privatradio, das 1998 in einer Art Goldgräberstimmung hierzulande aus der Taufe gehoben wurde (auch wenn Kritiker schon damals anmerkten, dass Ö3 schon immer das größte Privatradio Österreichs war und bis heute ist). Podcasts sind Internet-Radiobeiträge – mit einigen Abers.

  • Aber man kann keine Hörer und Außenreporter live auf Sendung nehmen und daher gibt es keine andere Interaktion als die mit dem Studiogast, einem Experten oder einem Fachredakteur aus der großen Springer-Familie. Die Unterhaltung darf tiefgehend und ausgiebig sein, was im „richtigen“ Radio selten möglich ist.
  • Aber man kann sich am Mischpult nicht verdrücken, zum Beispiel vergessen das Mikrofon auszuschalten. Das ist ein angenehmer Effekt, die Koordination von Stimme und Händen plus permanentem Blick auf den Sekundenzeiger der Studiouhr, der „Clock“, verursacht beim Anfänger nämlich Stress pur.
  • Aber man hat keinen Tontechniker für die Postproduktion. Das ist blöd. Ein Radioreporter spricht seinen Text ein, schneidet die gewünschten O-Töne dazwischen, den Rest macht wer anderer. Beim Podcast machen ist alles, was auf Sendung geht vom Redakteur. Die Abmischung mag nicht immer perfekt sein, doch sie ist immer mit viel Herzblut gemacht.
  • Aber man hat kein Rotlicht vor der Studiotür, das leuchtet, wenn das Mikrofon „offen“ also eingeschaltet ist. Beim Podcastmachen am Arbeitsplatz können daher jederzeit Kollegen aus der Buchplanung, dem Verkauf oder der Assistenz in die Aufzeichnung platzen, weil sie sich erst an den Gedanken gewöhnen müssen, dass ein altehrwürdiger Buch- und Zeitschriftenverlag wie Springer ein Sprecherkammerl hat, wo Sendungen produziert werden. Wobei, Kammerl schon zu hoch gegriffen ist. In der Regel hat der Podcastmacher vom Dienst ein Eck, in dem er sich halbwegs schalldicht einrichtet.
  • Aber, aber, aber. Genug. Es geht auch ohne Rotlicht, ohne „On Air“-Warnschild. Wenn ich „Ruhe!“ oder „Aufnahme!“ ins Nebenzimmer schreie, dann wird zwar lustig dreingeschaut, aber für kurze Zeit bemühen sich die Kollegen mit Samtpfoten zu tippen und mit Flüsterstimme zu telefonieren, um die „Podcastler“ hinter dem Mikrofon nicht zu stören.


Selbermacher auf Sendung

Im Springer-Podcastteam mischt Online-Redakteurin Stefanie Sperlich mit. Sie hat Podcast-Erfahrung und weiß, dass „eine Dosis Information am Weg in die Arbeit und zurück nach Hause, während man Essen kocht oder die Wohnung aufräumt“ gern genossen wird. Und das nicht nur nebenbei. „Podcasts finden immer einen Platz im Alltag. Wobei es sich auch lohnt, es sich gemütlich zu machen und seine Aufmerksamkeit ganz dem Podcast zu schenken. Man kann das spontan entscheiden, je nachdem wie viel Zeit einem der Tag schenkt. Und was man gerne hört, macht man natürlich auch gerne selbst. Mit Fachärzten sprechen und sie zu bestimmten Aspekten eines Themas befragen, bedeutet Wissenszuwachs – gleich ob man zuhört oder einen Podcast selbst gestaltet. Beides macht Freude.“ Ebenfalls im Redaktionsteam ist Tanja Fabsits: „Im Vergleich zu Texten vermitteln Stimmen stärker das Gefühl, näher dran zu sein – näher dran am Gesprächspartner, näher dran am Inhalt.“

Einige „Hörgänge“ stehen zum Streamen bereit. Sie befassen sich mit dem Niedergang der heimischen Gerichtsmedizin, volldigitalen Gruppenpraxen und umfassend mit der COVID-19-Pandemie. Umfassend bedeutet für uns: aus ungewöhnlichen Blickwinkeln. So analysiert unser Ukraine-Korrespondent Stefan Schocher mit mir die Corona-Krise in einem Land, das ohnehin von Krisen durchgeschüttelt wird. Ärzte-Woche -Reporterin Nicole Thurn berichtet als mein Gast, wie sich Arzt-Ordinationen vor Phishingmails schützen können, die derzeit die Runde machen. Stefanie Sperlich packt ihr medizinisches Wissen in einen Podcast über den PSA-Test in der Urologie.

Das Schlusswort hat Tanja Fabsits. Sie meint: „In Podcasts kann gelacht werden. Das ist auf Papier noch nicht möglich.“ Dazu hätte der Ärzte Woche -Kolumnist und Medizinkabarettist Ronny Tekal wohl einiges zu sagen. Und das wird er auch, denn der Ö1 -Radiodoktor-Macher ist ebenfalls bei uns im Hörgang als Gast zu hören.

share
TEILEN
print
DRUCKEN
Metadaten
Titel
Willkommen zum Hörgang
Publikationsdatum
08.04.2020
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 15/2020

Weitere Artikel der Ausgabe 15/2020