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Ärzte Woche

13.11.2019 | Tekal | Ausgabe 46/2019

Wir sind hoch zufrieden

Autor:
Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Österreich ist auch in puncto Zufriedenheit Weltspitze.

Wieder ist die Welt um eine Statistik reicher, die nun zum Abschuss freigegeben ist, um all das hineinzuinterpretieren, was man schon immer mal sagen wollte. Vor Kurzem hat die Europäische Kommission mittels Eurostat untersucht, wie es um die Zufriedenheit der Bürger bestellt ist. Abgefragt wurden die finanzielle Situation und die persönlichen Beziehungen.

Österreich hat es diesmal geschafft, die klassisch nordische Dominanz in derartigen Untersuchungen (vier skandinavische Länder unter den ersten drei) zu durchbrechen und sich, nach Finnland, auf Platz zwei einzufinden. Wir sind also die europäisch Zweitzufriedensten. Und da soll einer noch einmal sagen, Österreicher wären Weltmeister im Raunzen. Nein, wir wissen zu schätzen, was wir haben und zeigen stolz die gepflegten Vorgärten her. Dennoch glaube ich: Tief im Inneren sind wir alle noch Raunzer geblieben. Aber das Wissen darüber, dass es den meisten anderen noch ein wenig schlechter geht, macht es erträglich, vor allem der Umstand, dass die Deutschen in diesem Ranking deutlich hinter uns liegen.

Bulgarien rangiert am anderen Ende der Skala, auch die Griechen sind ganz hinten. Das ist bemerkenswert, denn wenngleich die wirtschaftliche Situation natürlich eine Rolle spielt, sind die scheinbar so unverschämt tiefenentspannten und tiefgebräunten Hellenen auch mit ihren persönlichen Beziehungen nicht glücklich. Möglich, dass es Frau Sorbas nicht ganz so gut gefällt, wenn ihr Alexis nur am Strand Sirtaki tanzt.

Aber lassen sich diese Daten nur durch plumpe stereotype Zuschreibungen erklären? Sind wir glücklicher und dankbarer für all das, was uns gegeben ist, weil wir in Österreich durch die hohen Berge, das saubere Quellwasser und die volltrunkene Hüttengaudi so viel Demut empfinden, dass man einfach zufrieden sein muss? Oder ist es das bloße Bemühen um ein zufriedenes Äußeres?

Dazu gehört das Bild eines rundum zufriedenen und glücklichen Menschen. Das kann zu skurrilen Begebenheiten führen, wenn man nach einer Lobeshymne über das beste aller Krankenhäuser im Gespräch zu hören bekommt, wo es hakt, dass das Geld zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben ist und wie viele unsagbare Volltrottel es im Umfeld gibt. Es ist erstaunlich, wie zufrieden Kunden mit dem Service heimischer Firmen sind (rund 130 Prozent), wie hoch das Glück der Mitarbeiter in einem Betrieb ist (zwischen 150 und 180 Prozent) und welcher Hoch-Zufriedenheits-Score die Feedback-Bögen der Patienten eines Spitals aufweisen (18 von 10 möglichen Punkten).

Man möchte sich zu Hause und im Freundeskreis echauffieren, oder als Troll in den sozialen Medien auf den Bewertungsplattformen „alles Orschlöcher!“ posten.

Ich bin hochzufrieden, finde, dass wir, mit ein paar Abstrichen, in einem der lebenswertesten und tollsten Nationen der Welt leben. Den Rest lesen Sie im Internet.

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