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Ärzte Woche

08.07.2020 | Tekal | Ausgabe 28/2020

Wenn einer keine Reise tut

Autoren:
Dr. Ronny Tekal, Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Reisemedizinischer Service für Inlands-Urlauber.

Nach einer unfreiwillig eingeschobenen Corona-bedingten Schulpause in der Länge der Sommerferien, kommen nun endlich die Sommerferien in der Länge der Sommerferien. Man darf gespannt sein, wie sich die kommenden Wochen entwickeln, denn aufgrund der überaus unsicheren Lage haben viele ihre Urlaube im Ausland storniert und stecken sich lieber zuhause an. Es liegt also nahe, statt in die Ferne nun in die Nähe zu schweifen. Das Gänsehäufel an der alten Donau ist schließlich mindestens so traumhaft wie die Malediven und mit dem Auto dauert die Anreise freitagnachmittags auch ähnlich lange.

Damit sehen sich jedoch Reisemediziner genötigt, ihr Portfolio ein wenig zu modifizieren, denn es lässt sich kaum die Notwendigkeit einer Gelbfieberimpfung für einen Aufenthalt am Neusiedlersee überzeugend argumentieren. Dennoch kann man auch hierzulande ein paar klassische Reisekrankheiten lukrieren: Für eine Beinvenenthrombose braucht es nicht einmal eine Flugreise, die Fahrt mit der Straßenbahnlinie 71 von der Inneren Stadt auf den Zentralfriedhof sollte man ohne Blutverdünnung und Venen-Kompressionsstrümpfe nicht riskieren. Daher ein paar reisemedizinische Ratschläge:

  • Vor allem bei Urlauben in fremden Bundesländern sollte ein beglaubigter und in alle neun österreichischen Sprachen übersetzter Bescheid mitgeführt werden, der den Versicherungsschutz auch in Dritt-Bundes-Ländern bestätigt.
  • Was nicht allen Wienern bewusst ist: Es gibt auch außerhalb der Bundeshauptstadt eine medizinische Versorgung, die aber nicht mit den gewohnt hohen Standards (rasche Beschimpfung binnen 30 Sekunden nach Ankunft im Spital) mithalten kann.
  • Auch wenn behauptet wird, dass Leitungswasser überall bedenkenlos getrunken werden kann, nehmen Sie zur Sicherheit Ihren gewohnten Soft-Drink mit, um am Urlaubsziel keine unerwünschte Hypoglykämie zu erleiden.
  • Machen Sie sich vor der Abreise mit den sprachlichen Ungenauigkeiten vertraut: Eine Verletzung am Bein ist nicht dasselbe wie eine Verletzung am Fuß oder gar am Hax’n!
  • Vorsicht vor wilden Tieren ist geboten, bei der gemeinen Weide-Kuh, der gemeinen Gelse und dem gemeinen Hausschwein, das auf dem Teller die gefährlichste Gattung für die Gesundheit darstellt. Zudem sollte man auch einem Baby-Elefanten nicht auf den Rüssel steigen.
  • Bei der Rückkehr aus einem feindlichen Bundesland muss man 14 Tage lang in Quarantäne, alternativ kann man einen Test machen oder vor der zuständigen Behörde die Landeshymne auswendig singen.
  • Generell gelten die Bundesländer als sicher, wenn man die üblichen Vorsichtsmaßnahmen einhält und man von Urlaubsreisen in Postverteilungszentren Abstand nimmt.

In diesem Sinne, liebe Kolleginnen und Kollegen: Kommen Sie gut über den Sommer und stecken Sie sich nicht stärker an, als unbedingt nötig. Schöne Ferienzeit!

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