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Ärzte Woche

03.02.2022 | Tekal

Wenn das Spital ein Auto wäre …

verfasst von: Medizin-Kabarettist Dr. Ronny Tekal

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Über den Wert seltsamer Umfragen.

Umfragen sind toll. Nicht nur, weil man dabei dem Volk aufs Maul schauen, sondern auch als Journalist bei jedwedem Artikel den ersten Satz mit „Laut einer Umfrage …“ beginnen und „… haben 43,2485 Prozent aller Menschen ab und zu vielleicht mit schlechter Laune zu kämpfen“ beenden kann. Die Präzision der Aussagen ist tatsächlich verblüffend. Da Umfragen anonymisiert sind, erfährt man von den Befragten überaus intime Dinge. Demzufolge haben 40 Prozent schon einmal sonntags eine Zeitung gestohlen und 60 Prozent bei dieser Frage zumindest einmal gelogen. 20 Prozent geben an, beim Toilettengang auch zu rauchen, zu trinken oder gar zu essen, allerdings würden nur 0,2 Prozent der Befragten am Esstisch auch kacken. 100 Prozent verspüren keine Lust, Steuern zu zahlen und 5 Prozent der Befragten würden niemals im Leben an einer Umfrage teilnehmen.

Zwar sind die Umfragen anonymisiert, die Umfragenden selbst jedoch nicht. So kann es passieren, dass sie auch selbst befragt werden, wenn mal was schiefläuft. Kürzlich wurden Einzelheiten einer 2016 erstellten Meinungsumfrage publik, bei der leitende Angestellte und Freiberufler aus Österreich befragt wurden, welche Tiere Politiker darstellen. Die fast 100 Seiten fassende Untersuchung wurde nun im Top Journal „heute“ Peer-reviewed abgedruckt. Dabei wurde etwa der damalige designierte Ex-Ex-Kanzler Sebastian Kurz sowohl dem süßen Eichhörnchen als auch dem hinterlistigen Pfau zugeordnet, den nunmehrigen burgenländischen Fürsten Doskozil sah man als wilden Eber. Dass die Studienkosten von kalkulierten 30.000 auf rund 150.000 Euro explodierten, ist nachvollziehbar. Denn wenn man die Sache ernst nimmt, komplettiert man diese randomisierte doppelblinde Studie mit einem Follow-up, bei dem man nachfragt, ob sich nicht doch mittlerweile der Pfau zum Eber oder der Bock zum Gärtner gemausert hat. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ist hier anderer Meinung, aber was verstehen Behörden schon von wissenschaftlicher Forschung.

Schließlich wurden auch andere Parameter erhoben, wo man die Parteien mit Automarken vergleichen ließ. So wissen wir, dass die ÖVP als VW-Käfer gesehen wird, die FPÖ als getunter Golf GTI und die Sozialdemokraten als VW-Bus. Auch den Grünen teilte man den Kastenwagen zu, wenngleich mit Marihuana-Rauchschwaden im Inneren und Rastafaris am Beifahrersitz. Im Follow-up wandelte sich der grüne Bus in einen Bobo-Tesla.

Bevor man jedoch über die Sinnhaftigkeit solcher Umfragen lästert, sollte man sich überlegen, wie wertvoll diese Daten sein können. Auch im Gesundheitsbereich ist es wichtig, die Befindlichkeiten der Endkunden in Erfahrung zu bringen: „Wenn Ihr Krankenhaus eine Fernsehserie wäre, so wäre es … „Klinik unter Palmen“, „Haus des Geldes“ oder „The Walking Dead“. Liebe Regierung, ich höre mich gerne mal bei meinen Patienten um. Erlagschein liegt bei.

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Metadaten
Titel
Wenn das Spital ein Auto wäre …
Schlagwort
Tekal
Publikationsdatum
03.02.2022
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 5/2022

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