Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

Ärzte Woche

15.01.2020 | Tekal | Ausgabe 1-3/2020

Was schluckst du …?

Autor:
Dr. Ronny Tekal

*** Breaking-News *** Neues Programm *** Breaking News

Gleich zu Beginn der neuen Dekade darf ich das Jahrespensum an Unverschämtheit aufbrauchen und auf mein aktuelles Bühnenprogramm hinweisen, das ab dieser Woche zu sehen ist. Gemeinsam mit dem Profi-Patienten Norbert Peter bringen wir das Machwerk mit dem Namen „Was schluckst du …?!“ auf die Bretter, die das Geld bedeuten, zumindest für Kabarettisten.

Der Plot, kurz gespoilert: Es geht darum, was wir so alles im Laufe der Zeit in uns reinstopfen. Schließlich haben die Österreicher viel zu schlucken, das ihnen danach im Hals stecken oder im Magen liegen bleibt: Pro Jahr 800 Tonnen Tabletten, zehn Millionen Hektoliter Bier, eine halbe Milliarde Stück Schnitzel. Das muss eine gesunde Schleimhaut erst mal verkraften. Ganz zu schweigen von jeder Menge Ärger über Arbeit, Nachbarn, Politiker, Staus, Wartezeiten, überteuerte Waren und das Leben an sich. Die wissenschaftlich-kabarettistische Aufarbeitung dieses ernsten Themas ist ab sofort zu bewundern. Soweit die Werbung in eigener Sache.

Tatsächlich hat der Treibstoff, den wir in uns einfüllen eine gehörige Wirkung auf unser Wohlbefinden. Die Weisheit „Der Mensch ist, was er isst“ kommt nicht von ungefähr. Obwohl ich eigentlich niemanden kenne, der trotz massenhaftem Verzehr von Tofu zur Sojabohne geworden ist. Die Erkenntnisse zur gesunden Ernährung ändern sich allerdings derart rasch, dass man sich auch als Mediziner schwertut, Empfehlungen zu geben. Das, was wir noch vor Kurzem als gesundheitliches Kraftfutter gegessen haben, läuft heute unter dem Begriff „Sondermüll“.

In der guten alten Zeit war Essen ungleich einfacher. Keine Rede von Spurenelementen, Ballaststoffen oder Antioxidanzien. Die einzige Ernährungsrichtlinie lautete: „Gegessen wird, was auf den Tisch kommt!“ Das mag undemokratisch klingen, aber es erspart eine Menge Diskussionen und bringt damit mehr Lebenszeit. Niemand musste damals nachzählen, wie viele Ketten die Kohlenhydrate der Einbrenn hatte. Galt doch die Mehlschwitze als einzige Möglichkeit, ein Klümpchen Fleisch auf einen halben Liter aufzuspritzen. Man wagte auch nicht zu fragen, ob in der Suppe wirklich keine gesättigten Fette drin sind. Schließlich wurde man schon für weniger Dreistigkeit exkommuniziert. Es war eine Zeit, in der Essen als sozialer Fixpunkt galt: Die Familie ist zusammengekommen und alle haben gezittert, dass es gut schmeckt, weil überlassen war nicht.

Wer heute auf die Idee kommt, für seine Lieben einen Eintopf auf den Tisch zu stellen, wird bei den Mitgliedern der Sippe auf gehörige Widerstände stoßen: Denn einem schmeckt’s nicht, der andere leidet an Glutenunverträglichkeit, eine ist Veganerin, die andere hat eine Familienunverträglichkeit. Man isst heute individuelle Dinge, zu individuellen Zeiten und in individuellen Räumen. Der Preis für die Freiheit, sich entscheiden zu können, was man zu sich nehmen möchte. In diesem Sinne wünsche ich für 2020 ein hoffnungsvolles „Schluck auf!“

Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 1-3/2020

Bildnachweise