Skip to main content
main-content

Tipp

Weitere Artikel dieser Ausgabe durch Wischen aufrufen

Ärzte Woche

11.04.2018 | Tekal | Ausgabe 15/2018

Tod durch Männerschnupfen

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Wenn scheinbar harmlose Krankheiten die Kerle vom Pferd werfen.

Es ist die alte Geschichte: Junge trifft Schnupfen. Junge fällt ins Koma. Weniger fulminante Verläufe scheint es kaum zu geben. Oftmals belächelt ist der Umgang des starken Geschlechtes mit schwachen Viren. Doch es steckt bedeutend mehr dahinter als eine rinnende Nase und einen stockenden Atem. Die Existenz scheint bedroht, wenn das Alphatierchen des Stammes durch einen gemeinen Infekt seine Position nicht mehr verteidigen kann. Und das gehört nun mal lautstark in die Welt posaunt, damit sich der Stamm die kommenden Wochen auf chaotische Führerlosigkeit einstellen kann. In Zeiten, in denen wenig Wert auf Stammesführer gelegt wird, scheint die einst durchaus berechtigte Panik heute ein wenig anachronistisch und fast schon lächerlich.

Zu Unrecht, wie nun bekannt wurde. Die berühmt-berüchtigte Weihnachtsausgabe des ehrenwerten British Medical Journal widmete sich dieses Jahr dem Männerschnupfen. Der Mediziner Kyle Sue von der Memorial University in Neufundland kritisiert dabei, dass es kaum Metaanalysen zu diesem Krankheitsbild gebe, von dem immerhin rund 50 Prozent der Weltbevölkerung zumindest gelegentlich betroffen sind und höllisch darunter leiden. Dass die zitierte Kritik just aus einem Land stammt, in dem es traditionell nicht allzu warm ist und das mit rund 4 Einwohnern pro Quadratkilometer punkten kann, zeigt, welchen Stellenwert der Männerschnupfen in der internationalen Wissenschaft hat. Tatsächlich ist der „Männerschnupfen“, dessen perakute Form „Männergrippe“ und die männerübergreifende Pandemie „Männerschnupfen mit grauslichem Auswurf“ eine Erkrankung, die weder in der Fachwelt, noch in der Partnerschaft sonderlich ernst genommen wird.

Keine Frau wird jemals feststellen können, ob Männer zu Übertreibungen neigen oder eine männliche rinnende Nase nicht tatsächlich so schmerzhaft ist wie eine Geburt. So wird von vielen Frauen gemutmaßt, dass Männer, die bekanntlich eine Entbindung niemals aushalten würden, bereits beim Gedanken daran, einen Schleimpfropf aus dem Bronchus zu pressen, Panikattacken bekommen. Auf der anderen Seite gibt es eine Reihe von Männern, die recht unaufgeregt sind, sich weder um Schmerzen, geschweige denn um Vorsorge kümmern und durchaus mit dem abgesägten Arm unterm Arm geduldig in der Ambulanz warten, bis sie drankommen. Und Männer, die gleichzeitig Husten und Lamentieren können, sind zumindest multitaskingfähig.

Statistisch gesehen ist das männliche Menschengeschlecht tatsächlich anfälliger auf Infektionen. Dafür leiden sie seltener an Eierstockentzündungen. Ich möchte jedoch nicht spotten, sondern einen Toilettenspruch über den tödlichen Ernst der Lage zitieren: „Da dachte ich, den Mann fürs Leben gefunden zu haben – und dann erkältet der sich!“

Über diesen Artikel

Weitere Artikel der Ausgabe 15/2018

Bildnachweise