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Ärzte Woche

13.02.2020 | Tekal | Ausgabe 7/2020

Speck-Ersatz-Pflaster

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Eine innovative Idee aus Oxford für eine neue Ersatztherapie.

Ersatztherapien gehören zum medizinischen Standard-Repertoire. Man ersetzt fehlende Hormone, fehlende Vitamine oder fehlende Drogen. Man ersetzt sogar Zähne, nennt es aber nicht Zahnersatztherapie, sondern nur Zahnersatz, damit das Wort Therapie wegfällt und man es selber bezahlen muss.

Bekanntlich lässt sich auch fehlendes Nikotin ersetzen. Auch wenn manche den Nutzen bezweifeln, gehört es zum Ritual der Raucherentwöhnung, sich ein Pflaster mit dem Wirkstoff auf die Haut zu kleben. Der Vorteil: Das Teil brennt nicht so gut wie eine Zigarette, sodass die Raucher im akuten Entzug nicht auf blöde Gedanken kommen.

Nun gib es eine neue Ersatztherapie, um fleischliche Gelüste für Neo-Vegetarier einzudämmen: Das Speck-Pflaster. Charles Spence, Professor für experimentelle Psychologie an der Universität Oxford, hat die Schnapsidee vom Stammtisch in sein Forschungslabor getragen und ein klebendes Device entwickelt, das man sich auf den Oberarm klebt. Reibt man am Pflaster, so verströmt es einen Geruch, der an gebratenen Speck erinnert. Damit soll dem Benutzer vorgegaukelt werden, beim Kauen einer Stangensellerie, in knackig gebratenen Speck zu beißen. Alleine der Duft soll das Verlangen nach ersehnter fleischlicher Nahrung vermindern.

Erstaunlich, dass unser Gehirn auf diesen plumpen Trick reinfällt, zumal wir in der Natur nicht gerade zu den Riech-Spezialisten zählen. Geruchsforscher des Howard Hughes Medical Institutes glauben dennoch, dass der Mensch mehr als eine Billion Düfte differenzieren kann. Eine gewagte These, wenn man davon ausgeht, dass ein durchschnittlicher Mitteleuropäer gerade einmal die drei Geruchsqualitäten auseinanderzuhalten vermag, „da stinkt’s“, „Essen scheint fertig“ und „riecht angebrannt“.

Aber wir riechen nun mal nicht nur mit der Nase, sondern vor allem mit dem Gehirn. Es gibt etwa kein Duftmolekül „Frühling im smogverseuchten Paris“. Vielmehr handelt es sich um eine Edelmischung aus Feinstaub, Peugeot-Lack, Zigarettenasche, streikender Gelbwesten, dem Kot stylisher Chihuahuas und gefälschtem Chanel No 5 Eau de Toilette. Dieses Gemisch nehmen wir in seiner Gesamtheit als „Parfum de Paris“ wahr und werden in einen romantischen Gefühlszustand versetzt.

Da für manche die Romantik im Speck liegt, ist die Idee mit dem Pflaster also gar nicht so übel. Künftig werden Restaurants statt Salz, Pfeffer, Maggie und Zahnstocher Aromafläschchen auf den Tisch stellen. Aus der Küche kommt lediglich Basensuppe und ungewürzter Grünkern. Je nach Vorliebe erschnuppert man Burger, Bratwurst und Kaiserschmarrn. Für die Puristen gibt es auch Aromafläschchen mit den Düften „Basensuppe“ und „Grünkern“.

Wenn man mit dem Pflaster aus Großbritannien also künftig statt „Bacon and Eggs“ nur mehr „Band Aid and Eggs“ bekommt, könnte sich wieder mal der zweifelhafte Ruf der englischen Küche bewahrheiten.

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