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Ärzte Woche

07.02.2019 | Tekal | Ausgabe 6/2019

Nebenwirkungen

Sleep long and prosper

Autoren:
Dr. Ronny Tekal, Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Langschläfer sind in jüngster Zeit etwas in Verruf geraten

Es weht ein politisch rauer Wind durchs Land. Anfang des Jahres kritisierte ein Österreichischer Bundeskanzler (Name der Red. bekannt) die Unsitte der Wiener, morgens nicht aufstehen zu wollen und den halben Tag zu verschlafen. Die Wiener Stadtregierung reagierte empört, stellte sich vor die Stadtbevölkerung, der Bürgermeister zeigte sich solidarisch und schlief demonstrativ lange vor der Kamera.

Hintergrund ist die angedachte Kürzung der Mindestsicherung, die als therapeutische Maßnahme dazu dienen soll, jenen Menschen aus den Federn zu helfen, die sich auf Staatskosten betten. Quasi ein politisch verschriebenes Weckamin. Wahrscheinlich würde man morgens aber auch etwas lieber aufstehen, wenn man Kanzler wäre.

Für uns Mediziner hat diese Aussage Relevanz. Denn in einer Studie der Universität Chicago zeigte sich, dass Frühaufsteher länger leben, als Nachteulen. Und damit kann der Kanzler-Vorschlag nur für bösmeinende Schelme als schikanös erachtet werden. Tatsächlich haben wir es wieder einmal mit einem „Wissenschaftler haben festgestellt“-Phänomen zu tun. In regelmäßigen Abständen gelangen Korrelationsstudien zu medialer Beachtung, die einen Vergleich zwischen einer bestimmten Tätigkeit und der Lebensdauer ziehen.

„Raucher sterben früher“ klingt plausibel, denkt man an die Raucherlunge, das Raucherbein oder das Rauchergehörknöchelchen. Wobei das natürlich kein Freibrief für Nichtraucher ist, sich in Sicherheit zu wiegen und anderen Lastern zu frönen. Schließlich gibt es zum einen auch für die Passivkonsumenten das Nichtraucherbein, zum anderen eine Reihe von Dingen, die ein vorzeitiges Ableben wahrscheinlicher machen, wenn es nach den Studien geht:

So ergab eine finnische Untersuchung vor einigen Jahren: „Kleine Menschen sterben früher“, genauer: „Fünf Zentimeter mehr an Körperlänge reduziert die Gesamtmortalität um zehn Prozent“. Diese Studie hat der Kanzler nicht gelesen, sonst hätte er sein Anliegen vermutlich auf „kleine Langschläfer“ ausgeweitet. Ewige Singles sterben auch früher, aber auch – ich darf hier die relevantesten Studien der vergangenen Jahre zitieren – Diabetiker, Übergewichtige, Untergewichtige, Arme, Frühpensionisten, Alkoholiker, Abstinenzler, schokobraune Labradore und Männer, die putzen (kein Scherz!). Wen der Sensenmann nicht in die Finger bekommt, den erwischt die Statistik.

Man sollte sich aber auch nicht beginnen, den Wahrheitsgehalt derartige Studien zu recherchieren. Denn auch Neugierige sterben bekanntlich früher. Ist es also gesünder nicht so lange zu schlafen? Das hängt vermutlich davon ab, ob man in dieser Zeit stattdessen meditiert, Kniebeugen macht, oder sich mit dem Wingsuit von einer Klippe stürzt. Denn auch Wingsuit-Flieger sterben statistisch gesehen früher – so sie dabei rauchen.

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