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Ärzte Woche

22.04.2019 | Tekal | Ausgabe 17/2019

NebenWirkungen

Schwarze Löcher und weiße Kittel

Autoren:
Dr. Ronny Tekal, Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Das erste Foto eines Schwarzen Loches wirft auch irdische Fragen auf.

Vor kurzem gelang es zum ersten Mal, ein schwarzes Loch abzulichten. Bislang waren die Abbildungen lediglich eine Kombination aus astronomischen Daten und der Vorstellungskraft eines Marvel-Comic-Illustrators. Nun können wir das, was Herr Einstein am Reißbrett postuliert hat, auch sehen. Zwar nicht mit eigenen Augen, aber zumindest mit eigenem Smartphone. Denn das Bild hat die sozialen Medien überschwemmt und der Hashtag #RealBlackHole weist nicht zufällig eine Ähnlichkeit mit dem Twitteraccount des US-Präsidenten #RealDonaldTrump auf. Ein Schelm, wer hier Parallelen zieht.

Der Nachteil: Die Wirklichkeit hinkt, bezüglich Überzeugungs- und Strahlkraft, den Fantasiezeichnungen hinterher und die Science-Fiction-Grafiken haben die schwarzen Löcher einst in deutlich besserem Licht erscheinen lassen. Das erste „echte“ Bild zeigt einen etwas unscharfen, gelb-orange strahlenden Ring um einen schwarzen Fleck und sieht ein wenig so aus, wie das Auge von Sauron aus Herr der Ringe, nur ohne Hobbits drum rum. Ein solches Bild hätte man wahrscheinlich auch hinbekommen, wenn man in einen Toaster fotografiert hätte, aber wir wollen den Verschwörungstheorien keinen Auftrieb geben und den Forschern glauben, dass sie tatsächlich ein Schwarzes Loch im All und nicht in der Kantine abgebildet haben.

Beeindruckend, dass zur Erstellung der Aufnahme mehrere Teleskope zusammengeschlossen wurden, um mit der virtuellen Schüsselgröße des Erddurchmessers das Bild zu knipsen. Angeblich könnte man damit theoretisch von Europa aus einen Zeitungsartikel in New York lesen - wenn kein Nebel ist.

Auch wenn man sich die Frage stellt, warum man sich für ein 55 Millionen Lichtjahre entferntes Ding mehr interessiert, als für ein mit Menschen überbesetztes Boot, dass nur wenige Hunderte Kilometer entfernt im Mittelmeer treibt.

Zumindest ist es ein Projekt, das viele Nationen gemeinsam gestemmt haben. Außerdem hat noch jede neue Erkenntnis zu neuen Geschäftsideen geführt. Mich würde es nicht wundern, wenn der Milliardär Richard Branson bereits den ersten 18-Schwarze-Loch-Golfplatz für betuchte Weltraumtouristen plant.

Die medizinische Relevanz dieses eigenartigen Gebildes ist enden wollend. Zwar kann es für Unfallchirurgen interessant sein zu erfahren, was passiert, wenn man unabsichtlich als Mensch in ein Schwarzes Loch hineinfällt. Doch spätestens, wenn sie erfahren, dass die Patienten dabei keine Fractura radii loco typico erleiden, sondern in einer Realität ins Unendliche lang gezogen werden, während sie gleichzeitig in einer anderen Realität am Ereignishorizont verbrennen, wenden sie sich enttäuscht vom Gammaquadranten ab und wieder ihren Gammanägeln zu. Einzig die Gastroenterologen, denen die Neugier in die Wiege gelegt ist, freuen sich darauf, das schwarze Loch mit einem Endoskop zu erforschen.

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