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Ärzte Woche

29.11.2018 | Tekal | Ausgabe 48/2018

Österreich im Jahr 2080

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Statistisches Kaffeesudlesen als beliebte Zeitreise in die Zukunft.

Die Statistik Austria hat kürzlich eine Prognose erstellt. Angesichts dessen, dass man bekanntlich nur jenen Statistiken trauen darf, die man selber gefälscht hat, mutet die Erstellung einer Prognose für die kommenden 60 Jahre, basierend auf der Statistik von heute, doch recht dreist an.

Zumindest nahm man für den aktuellen Blick in die Zukunft eher nüchterne Zahlen her wie Bevölkerungszahl und Lebenserwartung. Daraus lässt sich ganz gut ausrechnen, wie voll es in unserem Land vermutlich sein wird. Die gute Nachricht für den Ärztestand: Österreich überaltert, trotz Migration. Damit ist die berufliche Zukunft gesichert. Allerdings werden wir auch länger arbeiten müssen, sodass wir nach dem Medizinalrat und dem Obermedizinalrat ab dem 95. Lebensjahr auch den Titel des Mega-Medizinalrats verliehen bekommen.

13 Prozent mehr Menschen werden es in Österreich sein. Dass genau diese Personen besser Fußball spielen können als der Durchschnitt sein könnte, ist jedoch ein Wunschtraum. Wien wird dabei um rund 20 Prozent wachsen, von der Menge der Menschen in der Stadt, vielleicht von der geografischen Ausdehnung ins feindliche Niederösterreich, ja womöglich wächst dem Stephansdom vor lauter Stolz sein zweiter Turm etwas nach. Kärnten indes soll langsam aussterben, da hier die Arbeitsplätze eher rar sind. Und ein gestandener Statistiker geht auch nicht davon aus, dass sich die kommenden sechs Jahrzehnte da was ändern wird. Besonders gelungen ist die Prognose, dass in Österreich im Jahr 2080 81,7 Prozent der Menschen erwerbstätig sein werden. Nicht etwa 81,6. Und dass jede zweite Frau nur Teilzeit arbeitet, wird – laut Prognose – auch so bleiben.

Eigentlich sollten wir hier schon klüger sein. Denn eine vor 60 Jahren erstellte Prognose hätte der katholischen Kirche für heute einen leichten Zuwachs beschieden, erwerbsmäßige Frauen als Randerscheinung gesehen, da sich die frisch duftende Wäsche auch in Zukunft schließlich nicht von alleine wäscht, hätte weder von gleichgeschlechtlicher Partnerschaft oder einem dritten Geschlecht gewusst. Ganz zu schweigen von einem globalen Rauchverbot – mit Ausnahme des kleinen österreichischen Dorfes, das erbitterten Widerstand leistet. Man hätte künftige Bevölkerungszahlen basierend auf den Trend der 1950er-Jahre errechnet, und gedacht, dass der Pillenknick die Sollbruchstelle einer Tablette ist. Lediglich ein paar hellsichtigen Zukunftsforschern wäre der geniale Gedanke gekommen, uns in fliegenden Autos zu sehen. Niemand hätte jedoch auch nur annähernd erahnt, dass man einen angebissenen Apfel auch zum Telefonieren gebrauchen kann.

Statistisches Kaffeesudlesen wird sich aber, und dazu braucht man kein Statistiker sein, auch 2080 ungebrochener Beliebtheit erfreuen. Und man wird auch in sechs Jahrzehnten nicht begriffen haben, dass sich die Zukunft einen Dreck um ihre Vergangenheit schert.

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