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07.06.2019 | Tekal | Ausgabe 24/2019

Frauen denken besser bei Wärme

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Der Geschlechterkampf um das Thermostat ist wissenschaftlich begründbar.

Nachdem die Wissenschaft, einer alten Tradition folgend, versucht hat, den Beweis für die biologische Überlegenheit des Mannes zu erbringen, hat man es vor ein paar Jahrzehnten dann doch aufgegeben, da die Geldgeber für die Doppelblind- und Doppeltaub-Studien zusehends ausstarben. Und auch wenn man jüngst noch in Saudi-Arabien versucht hat, das Fahrverbot für Frauen mit wissenschaftlichen Expertisen zu untermauern, da beim Lenken eines Fahrzeuges einerseits die sexuelle Freizügigkeit gesteigert, andererseits auch die Eierstöcke beschädigt werden, sind die Zeiten hierzulande wohl vorbei.

Vorbei sind jedoch auch die Zeiten, in denen man nicht nur eine gesellschaftliche, sondern auch eine biologische völlige Gleichschaltung propagierte. Das funktionierte auch nur bedingt und während so manche Buben lustlos den Blätterbrei in den Puppenküchen umrührten, empfanden auch nicht alle Mädchen Freude daran, im Hof die Puppenküche mit Backpulver und Essig in die Luft zu sprengen.

Letztlich kam man zu der Einsicht, dass weder das eine, noch das andere, und mittlerweile nicht einmal dritte Geschlecht besser oder schlechter, aber zumindest anders sei. Man postulierte sogar, dass Männer vom Mars, Frauen von der Venus abstammen würden. Eine Erkenntnis, die durchaus hilfreich sein kann, das Unbegreifliche begreiflich zu machen.

Eine aktuelle Studie der Universität Kalifornien zeigte etwa, dass Frauenhirne bei über 30 Grad Celsius am produktivsten sind. Männer benötigen indes deutlich niedrigere Temperaturen, um halbwegs vernünftig denken zu können. Das könnte im Umkehrschluss zumindest eine Erklärung für dämliche Herrenwitze in der überhitzen Sauna sein.

In einer Studie mussten 500 Studentinnen und Studenten Denksportaufgaben lösen, wobei die Raumtemperatur von 16 bis 33 Grad angehoben wurde. Während Männer unter 20 Grad am Leistungshöhepunkt waren, liefen Frauen zwischen 30 und 33 Grad zur Höchstform auf. Physiologisch kann man es mit der unterschiedlichen Fett- und Muskelmasse erklären, dass Frauen eher frösteln und sich in der Wärme eher konzentrieren können. Vielleicht ist es aber auch der wissenschaftliche Beweis für die Abstammungstheorie. Immerhin hat der Mars eine Durchschnittstemperatur vor etwa Minus 55 Grad, auf der Venus sinkt die Temperatur kaum unter 400 Grad.

Für ein besseres Miteinander sollte man vielleicht auch in der Partnerschaft auf diesen Aspekt etwas mehr Rücksicht nehmen. Wenn man als Mann in der kalten Jahreszeit für seine Liebste die Fenster verriegelt („erfroren sind schon viele, aber erstunken ist noch niemand!“) oder als Frau dem Partner im Januar die Bettdecke in der Nacht wegzieht, damit er am Morgen nicht wie sonst dumpf auf die Müslipackung starrt, sondern ein kluges Gespräch über Schopenhauers Thesen beginnt. Da soll einer nochmal sagen, Wissenschaft hätte keine praktische Relevanz.

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