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Junkxit

  • 26.09.2025
  • Tekal
  • Zeitungsartikel

Der Ausstieg der Briten aus der Junk-Food Werbung.

Mit Oktober dieses Jahres darf im britischen Fernsehen keine Werbung mehr für Junk-Food-Produkte gemacht werden. Die Verordnung ist jedoch nur zwischen 5 und 21 Uhr in Kraft. In dieser Zeit dürfen weder Süßigkeiten und Limonaden noch Fast Food beworben werden. Auch andere Lebensmittel mit hohem Fett-, Salz- und Zuckergehalt wird man erst im Spätprogramm zu sehen bekommen – dann, wenn die Eltern schon längst selig auf der Couch entschlummert sind, während der Nachwuchs noch wach ist.

Da dieser Nachwuchs jedoch ohnehin nicht viel vom linearen Fernsehen hält und die Veränderung daher vermutlich gar nicht mitbekommt, gilt das Werbeverbot auch online, rund um die Uhr. Das bedeutet, die Jugendlichen dürfen sich auf YouTube zwar ansehen, wie man aus Spekulatiuscreme, gestampften Oreo-Keksen, Gummibärchen, Pudding und etwas Zucker zum Süßen eine schmackhafte Zwischenmahlzeit zubereitet, die vorab geschaltete Reklame darf jedoch nur einen Ego-Shooter bewerben, keine Schokolade. Die Kinder müssen also nun ins Darknet, um den Haribo-Bären zu sehen. Und äußerte sich der Werberat einst noch empört über die sexistische Darstellung von Frauen, die allzu lasziv ein Magnum-Eis aßen, liegt der Fokus der Empörung nun weniger auf dem Sexismus, sondern dem Eis. Die Obszönität liegt in den Kalorien, vor denen die Jugend geschützt werden muss.

Es ist nicht neu, dass man mit derlei Maßnahmen das Konsumverhalten beeinflussen und die mündigen Bürger vor allzu mündigem Junk fernhalten möchte. Doch auch der Versuch, Schauspieler in Filmen nicht mehr rauchen zu lassen, um keine positive Vorbildwirkung zu bieten und sogar die übelsten Schurken, wenn sie mal was „ganz Starkes“ brauchten, an einem Vollkornbrot knabbern zu lassen, wurde mittlerweile wieder fallengelassen. Man wollte schließlich nicht am Leben vorbeidrehen. Und als Lucky Luke 1983 statt seiner üblichen Zigarette ein Grashalm in den Mund gesteckt wurde, war die Botschaft für die Jungen klar: Nur mehr Gras rauchen.

Gecancelt werden forthin Zucker-, Fett- und Salzbomber, also all das, was man generell als „landestypisch“ bezeichnen würde, da es kaum ein Land gibt, das den Touristen gedünstetes Gemüse als Spezialität anpreist. Die Royals dürfen nun zwar offen ihr Gurkensandwich bewerben, Apple-Crumble und Shortbread haben hingegen Bildschirmverbot. Fällt das Nationalheiligtum Fish and Chips ebenfalls unter das Verbot, wird es in den Docks vermutlich großangelegte Streiks der Fischer und Chipser geben. Prinzipiell begrüße ich es, wenn man im Hauptabendprogramm keine Faustfeuerwaffen und Mittelstreckenraketen bewerben darf. Doch die Jugend ist smart und weiß, welches Zeug auf diesem Planeten kursiert, Weder Vapes noch Snus finden sich in den Werbeblöcken, dafür umso mehr in den Hosentaschen der Teenager.

So freue ich mich darauf, wenn die Kinder schlafen, im Erwachsenenprogramm, zu später Stunde, endlich einen Spot über Kinder-Überraschungseier sehen zu können.

Titel
Junkxit
Schlagwörter
Tekal
Ernährung
Publikationsdatum
26.09.2025
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 41/2025
Bildnachweise
Ronny Tekal mit zugeklebtem Mund /© Thomas Kainrath