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Ärzte Woche

06.11.2019 | Tekal | Ausgabe 45/2019

Bis du heiratest, ist alles wieder gut!

Autor:
Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Die Vermählung als therapeutisches Tool im Krankenhaus.

Es gibt ein paar Leitlinien zur Behandlung von Erkrankungen, die sich jenseits der Evidence-based Medicine in der Bevölkerung etabliert haben: Der selbstgebrannte Schnaps nach dem Essen etwa, dessen medizinische Effizienz für die selbstgebrannte Sod überaus fragwürdig scheint, ist weitaus beliebter als so mancher Protonenpumpenhemmer. Auch Volksbräuche wie das Anbeten des Heiligen Blasius bei Halsbeschwerden halten sich in manchen Regionen noch wacker, obwohl in keiner randomisierten Doppelblindstudie jemals ein besseres Outcome durch Blasius als durch den heiligen Sebastian beobachtet werden konnte.

Einfache und preisgünstige Therapieempfehlungen kamen oft von unseren Großeltern, aus einer Zeit, wo man noch nichts hatte, nicht einmal Wehwehchen, die man sich gar nicht leisten konnte. Aus dieser Zeit stammt einer der hoffnungsvollsten Langzeitbehandlungen: „Bis du heiratest, wird’s wieder gut!“ Ein Spruch, der vermutlich schon Generationen getröstet bzw. in den Wahnsinn getrieben hat.

Aufgrund der weiten Verbreitung dieses Mantras nimmt man an, dass nicht lediglich die Zeit alle Wunden heilt, sondern auch die Vermählung an sich einen therapeutischen Effekt darstellen dürfte. Angesichts des Umstandes, dass der Heilungserfolg jede andere moderne Behandlungsform in den Schatten stellt, da sie in 95 Prozent der Fälle tatsächlich zu einer vollständigen Genesung von Schnupfen, Beinbrüchen, Kopfschmerzen oder schlimmen Halsentzündungen führt, ist man bemüht, diese erwiesen wirksame Therapie auch in die High-Tech-Medizin zu implementieren.

Gerüchten zufolge ist bereits, im Zuge der Erneuerung des Allgemeinen Krankenhauses, ein Zubau mit Wedding-Chapels geplant. Patienten, bei denen eine konventionelle Therapie nur mangelnder Erfolg bringt, können nun in diesem Spezialtrakt durch eine medizinisch indizierte Hochzeit auf Heilung hoffen. Neben den Spitalsgeistlichen der unterschiedlichen Konfessionen können auch speziell ausgebildete Ärzte die Trauung vornehmen. Bei katholischen Zeremonien müssen die Ärzte dafür selbstredend männlich und unverheiratet sein, sonst wirkt die Therapie angeblich nicht.

Sollte bei den betroffenen Patienten gerade kein geeigneter Heiratskandidat verfügbar sein, so kann ein passender Partner bei Euro-Transplant gesucht werden. Ist man auch hier glücklos, so müssen Mediziner als Heiratskandidaten einspringen. Je nach Versicherung kann hier aus der Gruppe der Primar-, Ober-, oder Turnusärzte gewählt werden. Auch gilt selbstverständlich, nach den strengen vatikanischen Richtlinien: Die Ärzte müssen männlich und unverheiratet sein – und zwar ganz egal, ob der Patient männlich oder weiblich ist.

Auf jeden Fall handelt es sich bei der Heiratstherapie um eine nachhaltige Behandlung, denn – das kennen wir aus der Verbandslehre – was der Arzt verbunden hat, das darf der Mensch nicht mehr lösen.

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