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Ärzte Woche

13.01.2021 | Tekal | Ausgabe 1-2/2021

Auf dem Weg zur Traumfigur und zurück

Autor:
Dr. Ronny Tekal, Medizin-Kabarettist

Passend zu den Corona-Kilos gibt es nun eine Anleitung zum Diätwahnsinn.

Erst einmal der Höflichkeit halber: Ein schönes neues Jahr! Dann der Ordnung halber: Auch 2021 wird es wieder die Nebenwirkungen geben, als ob 2020 nie passiert wäre. Diese Kolumne hat sich damit als krisen- und virensicher erwiesen und kann als gangbare Alternative zu den gängigen MNS-Masken erachtet werden (einfach diesen Artikel ausschneiden, vier kleine Löcher in die Ecken stanzen und mit einem Gummiband am Kopf befestigen). Und letztlich des Optimismus wegen: Auch in den mühseligen Zeiten eines Lockdowns kann Gutes entstehen: So wird die Zahl der Geburten in den nächsten Monaten wohl ansteigen, so nicht die Zahl der im Lockdown bereits vorhandenen Kinder als natürliche Verhütungsmethode gedient haben. Auch die Menge des liebevoll an Bauch und Hüften gezüchteten Fettgewebes ist, in Summe gesehen, beachtlich angestiegen. Mitunter sind in dieser Krisenzeit auch andere formidable Dinge entstanden, die den Konkurs des eigenen Kleinunternehmens mehr als aufwiegen: Sauerteig etwa. Oder auch ausgefüllte Malen-nach-Zahlen-Vorlagen, neue Vorhänge, geputzte Fenster und Bücher.

Ich habe mich für Letzteres entschieden, kann daher weder selbstgemachtes Brot genießen noch aus dem Fenster schauen. Dafür darf ich Sie, liebe Leserschaft, mit der freudigen Nachricht beglücken, dass dieses Buch ab sofort im gut sortierten Fachhandel, der leider die nächsten Jahre noch geschlossen sein wird, erhältlich ist. Das Buch trägt den Titel „Anleitung zum Diätwahnsinn“, passt wunderbar in diese Zeit und fasst die Rohdiamanten der Abmagerungskuren in edles Hüftgold. Der Seminarkabarettist Bernhard Ludwig hat mit mir die Quintessenz seines legendären Programmes zu Papier gebracht.

Schließlich ist das organisierte Abspecken meist der Anfang vom dicken Ende. Allen Diäten gemein ist, dass sie die Anwender meist unglücklicher machen, vor allem wenn Wörter wie „Crash“, „Null“ oder „Rhizinusöl“ davorstehen. Nachdem die Menschen aber von den gut gemeinten ärztlichen Ratschlägen mehrfach-gesättigt sind, stand uns bei diesem Buch die paradoxe Intervention, im besten Sinne Paul Watzlawicks, Pate. In diesem Sinne seien all den mit ihrem Körpergewicht Unzufriedenen da draußen Diäten wärmstens ans Herz gelegt. Als sinnvolle Maßnahmen zur Erlangung dieses Zustandes empfiehlt sich, neben dem stündlichen Gang auf die Waage, vor allem am eigenen Körperbild zu arbeiten und das Wohlfühlgewicht dem aktuell gültigen Schönheitsideal anzupassen. Oder eine Bucket-List zu erstellen: „Zehn Dinge, die ich an meinem Körper ändern möchte, bevor ich sterbe!“ Mit einigen Tricks bekommt man das schon hin. Etwa, indem man nicht nur zuckerhaltige Getränke durch die Light-Variante ersetzt, sondern auch Fruchtsäfte, Mineral-, Quell- und Badewasser. Hauptsache, man hat immer ein Auge auf die Kalorien. Letztlich ist eine Diät die schlechteste Methode, um dick zu werden. Aber ich kenne keine bessere!

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