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12.03.2018 | Tekal | Ausgabe 11/2018

6 Gründe, Arzt zu werden

Autor:
Dr. Ronny Tekal

Warum der Beruf nach wie vor so anziehend wirkt.

Auch wenn so manche Bereiche in der Medizin nicht mehr ganz so attraktiv sind wie noch vor ein paar Jahren und man nicht automatisch bei der Bank den Kredit, die Golfclubmitgliedschaft oder einen lebenslangen Zutritt zur Marina am Schotterteich erhält, bleiben nach wie vor eine Reihe von Gründen über, warum die Wahl auf den ärztlichen Beruf fällt:

Weißer Kittel – Zugegeben bekommt man den auch als Apotheker, Bäcker, Fleischhauer oder Physiklehrer der alten Schule. Dennoch ist der weiße Kittel für den ärztlichen Stand eine schicke Uniform, die eindeutig zeigt, wer da drinnen steckt, vor allem in Kombination mit dem lässig um den Hals geschwungenen Stethoskop, das man im Schlachtbetrieb eher selten gebrauchen kann.

Nachtdienst – Einer Analyse von Elite-Partners zufolge soll die Abwesenheit eines Partners die Beziehung am Laufen halten. Wird das Candle Light Dinner aus Zeitgründen um 14 Monate nach hinten verschoben, so sind Vorfreude und Hunger natürlich groß.

Privilegien – Dass die Verhaltensrichtlinien der pharmazeutischen Firmen uns heute einen Strich durch die fürs Finanzamt nie ausgestellte Rechnung machen, mag als kleiner Wermutstropfen erachtet werden. Die Zeiten der ausgedehnten Reisen, Skiurlaube oder Puffbesuche sind vorbei, das Angebot beschränkt sich mittlerweile auf eine Reise-Zahnbürste, eine Ski-Haube und ein Kondom.

Gesellschaftliches Ansehen – Die Berufsbezeichnung Arzt bringt einen ein paar Stufen auf der sozialen Leiter nach oben. Suboptimale innere Werte oder Äußerlichkeiten, Humorlosigkeit und charakterliche Schwächen lassen sich mit den zwei vorangestellten Kürzeln Dr. und med. ausbügeln. Es ist viel einfacher, potenzielle Schwiegereltern damit zu beeindrucken, Arzt zu sein, als ein Lehrbeauftragter am Institut für altorientalische Philologie, Ausdruckstänzer oder Drogenberater-Endkunde.

Praktisches Wissen – Einer der größten Vorteile ist sicherlich, einen Einblick in die Geheimwissenschaft der Medizin zu haben, sodass man sich nicht ein X(Ray) für ein U(ltraschall) vormachen lassen kann. Mit dem Wissen lassen sich Kinder, entfernte Verwandte und nahe Nachbarn behandeln oder zumindest beeindrucken. Einzig für uns selbst führt die Überzeugung, es besser zu wissen als die Kollegen dazu, dass wir zu den schwierigsten Patienten zählen.

Menschen zu helfen – Hoffnungsvolle Medizinanwärter nennen gerne „die Arbeit mit Menschen“ als Entscheidungskriterium für den Beruf. Sieht man vielleicht von professionellen Eremiten, Leuchtturmwärtern oder Verhaltensforscher in einer Pinguinkolonie der Antarktis ab, so dürfte dieser Umstand bei den meisten Professionen erfüllt sein. Es geht hier eher um die „Arbeit am Menschen“, im Sinne einer Behandlung oder auch einer „Arbeit im Menschen“, im Sinne einer rektalen Untersuchung.

Und vielleicht schafft man ja sogar den Karrieresprung vom Halbgott zum Gott im zweiten Bildungsweg. Wenn das nicht attraktiv ist.

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