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Ärzte Woche

30.09.2019 | Ausgabe 40/2019

Serie - Unsere Berge

Spontan-Tour in St. Aegyd

Autor:
Martin Krenek-Burger

Die Plannerhöhe in den Voralpen ist mehr als nur ein Lückenbüßer. Sie bietet Abgeschiedenheit und Überblick. Die An- und Abstiege sind knackig und angemessen steil. So wird auch ein angebrochener Wandertag noch zum Genuss.

Mit den Holzschlägerungs- und Felssprengungsterminen in der niederösterreichischen Voralpen ist es so eine Sache. Sie finden immer partout dann statt, wenn ich in einem bestimmten Gebiet die Wanderbock schnüre; meistens habe ich bereits eine oder zwei Stunden Weges hinter mir und nähere mich dem Talschluss. So auch hier. In der Weidenau bei Türnitz beendet ein „Gesperrt“-Schild meinen Marsch. Wie gut, dass ich flexibel bin.

Das Gebiet kommt meinem Wunsch nach einer Alternativroute gewissermaßen entgegen. Die Türnitzer und Mürzsteger Alpen sind reich an unterschiedlich langen Touren. Da der angebrochene Tag keine weite Wanderung zulässt – geplant war der Durchstieg der Falkenschlucht und die anschließende Überschreitung des Tirolerkogels –, böte sich ein dreistündiger Gipfelsturm auf den Türnitzer Höger an. Allerdings steht mir nicht der Sinn nach Waldgebirge, ich will die Aussicht genießen. Und da passt die Plannerwarte bei St. Aegyd am Neuwald genau ins Schema, ein knackiger, knapp 2,5-stündiger Rundweg vor eindrucksvoller Berg-Kulisse mit etlichen Aussichtspunkten.

Abmarsch! Zurück nach Türnitz, und mit dem Auto via Freiland und Hohenberg nach St. Aegyd; nach dem St. Aegyder Eisenwerk in die „Alte Landstraße“ einbiegen und am Eingang ins Weißenbachtal stehenbleiben (Parkgelegenheiten). Nach der Brücke über den Weißenbach (Hinweisschild Plannerwarte) geht es sofort in steilen Serpentinen den Hang hinauf bis zur Spitze des Weyerkogels auf 794 m.

Hier steht seit 1983 die „neue“ Aussichtswarte. Geboten wird ein Voralpenpanorama, das den Traisenberg im Westen sowie die beiden Hauptgipfel dieses Teils der niederösterreichischen Voralpen, den Göller und den Gippel im Süden, umfasst (40 Minuten bis hierher).

Nun können sie auf demselben Weg zurückgehen oder sie steigen einige Meter nach Südosten ab. Hier beginnt ein schmaler Höhenweg, der dem Sattel zwischen dem Weißenbach- und dem Seebachtal, dem sogenannten „Lechnerbergerl“ zustrebt ( weitere 40 Minuten).

Die Aussichtswarte auf dem Weyerberg ist bereits die dritte Holzkonstruktion an dieser Stelle. Die erste Warte wurde um 1900 aufgerichtet, der Nachfolgebau Ende der 20er-Jahre. Dieser zweite Turm war bis in die sechziger Jahre in Betrieb, anschließend verfiel er.

1983 erfolgte er Neubau durch den Bergrettungsdienst (Ortsgruppe St. Aegyd am Neuwalde).

Aufwärmen für größere Aufgaben

Auf dem Abstieg vom Bergrücken zum Lechnerbergerl bieten sich schöne Ausblicke auf den markanten Gippel (mundartlich ungefähr: Giwö ), den Hausberg von St. Aegyd. Vom Lechnerkreuz hinab zum malerisch gelegenen Lechnerhof und durch das Weißenbachtal hinaus nach St. Aegyd. Die Runde lässt sich als Aufwärmrunde für eine Besteigung oder Überschreitung von Gippel und/oder Göller nutzen; mancher konditionsstarker Frühaufsteher hat den alpinen „Dreier“ Obersberg-Gippel-Göller im Auge.

Zurück in St. Aegyd empfiehlt sich ein Besuch des Heimatmuseums und eines der Einkehr-Gasthäuser des Orts, der ganz auf Pilger eingestellt ist. St. Aegyd liegt an der Via Sacra, die von hier dem Tal der Unrecht-Traisen folgt.

Durch St. Aegyd führt aber auch ein uralter Eisen-Handelsweg, der von Bruck/Mur über Mariazell dem Traisental zustrebte, man ging über Wilhelmsburg – vor der Gründung von Lilienfeld der Hauptort des Traisentals – und St. Pölten bis nach Traismaurer. Von Traismauer gelangte man zu den Urfahren an der Donau. Dieser „Herweg“, die alte Straße von Mariazell nach Traismauer, lässt sich heute noch anhand von Flurnamen in historischen und modernen Karten erkennen. Auf dem Weg von Freiland nach St. Aegyd kommt man beispielsweise durch den Ort Furthof, der nicht zufällig so heißt, sondern einen Hinweis auf den einst bedeutenden Flussübergang über die Unrecht-Traisen an dieser Stelle gibt.

Das scheint mir das Besondere am Gehen zu sein, dass man markante Stellen am Weg bewusst wahrnimmt und die gemächliche Bewegung im Raum genießt. Die Menschen von einst dachten freilich genau umgekehrt. Das ohnehin langsame Vorankommen, immer wieder gehindert durch die Hochwasser führende Traisen und schlammige Wege, war für sie Qual und Ärgernis zugleich.


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