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Ein Schnitt, der weh tut

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Im Orthopädischen Spital Speising und im Herz-Jesu Krankenhaus soll die Bettenzahl um die Hälfte verringert werden. Was das für die Wartezeiten bedeutet? Eine drastische Verlängerung, warnt die Vinzenz Gruppe.

Ein Kahlschlag droht in einem der wichtigsten Wiener Spitäler: Von derzeit 240 Betten in Speising sollen nur noch 116 erhalten bleiben. Orthopädisches Spital Speising


Der Stadt Wien stehen radikale Einsparungen bevor. Für Soziales und Gesundheit sollen insgesamt fast eine Milliarde Euro weniger ausgegeben werden als zuletzt. Nun werden die ersten konkreten Auswirkungen des Sparpakets für die Spitäler bekannt. Gemäß dem aktuellen Entwurf des Regionalen Strukturplans Gesundheit (RSG) 2030 droht ein „Kahlschlag“ in orthopädischen Fachkliniken, wie die Vinzenz Kliniken Wien eindringlich warnen. Die Planbetten im Orthopädischen Spital Speising und im Herz-Jesu-Krankenhaus in Wien-Landstraße, die gemeinsam jeden zweiten orthopädischen Patienten in der Bundeshauptstadt versorgen, sollen demnach um rund die Hälfte reduziert werden. Von derzeit 240 Betten in Speising sollen nur noch 116 erhalten bleiben, im Herz-Jesu-Krankenhaus soll die Zahl der Betten von 90 auf 50 gesenkt werden.

„Diese sehr erhebliche Reduktion der Bettenanzahl würde gerade in jenem medizinischen Fachbereich, in dem es ohnedies aufgrund des hohen Bedarfs und der demografischen Entwicklung lange Wartezeiten gibt, eine massive Verschlechterung bedeuten“, sagt Mag. David Pötz, Geschäftsführer der Vinzenz Kliniken Wien, zu denen die genannten Orthopädie-Kliniken zählen. Die drastischen Einschränkungen würden unweigerlich zu einer deutlichen Verlängerung der Wartezeiten führen.

Durch Prozessoptimierung und Effizienzsteigerung könne der Wegfall der Hälfte aller Betten nicht wettgemacht werden, führt Mag. Elvira Czech aus, sie ist Geschäftsführerin des Herz-Jesu-Krankenhauses. Bereits jetzt würden 30 Prozent der operativen orthopädischen Eingriffe in den zwei Häusern tagesklinisch durchgeführt. Und mit einer Verweildauer von drei bis vier Tagen lägen die beiden Spezialkliniken bei orthopädischen Eingriffen bereits deutlich unter dem heimischen Durchschnitt: Während in Speising und im Herz-Jesu-Krankenhaus die Patienten nach drei bis vier Tagen entlassen werden, betrüge die durchschnittliche Verweildauer anderswo sieben Tage. „Eine weitere Verweildauerreduktion rauszuholen, ist medizinisch nicht mehr vertretbar“, sagt Czech.

Die Reduktion von Orthopädie-Betten möchte SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker offenbar durch eine Reduktion der Gastpatienten aus Niederösterreich und dem Burgenland ausgleichen. Im Interview mit dem „Standard“ bekräftigte Hacker seinen Plan, die Anzahl der Gastpatienten aus anderen Bundesländern, die in Wiener Spitälern aufgenommen werden, bis 2030 zu halbieren. „Dann werden die Wartezeiten für Wiener dramatisch nach unten und die Wartezeiten für Patienten aus Niederösterreich dramatisch nach oben gehen“, sagt Hacker.

Für den Plan, die Zahl der Gastpatienten zu reduzieren, hat Pötz grundsätzlich Verständnis. „Das politische Anliegen, dass die Stadt Wien ihre Ressourcen primär bei den Wienerinnen und Wienern eingesetzt wissen möchte, ist nachvollziehbar und verständlich“, räumt der Geschäftsführer ein. Allerdings geht Hackers Rechnung in Bezug auf die Vinzenz Kliniken Wien nicht auf, wie Czech unterstreicht: „Die Kürzung der Betten liegt deutlich über den Kapazitäten für Gastpatienten.“

Pötz zeigt sich zuversichtlich, dass der Expertenentwurf des RSG 2030 noch nachgebessert wird. Ein Treffen zwischen den betroffenen Klinikleitern der Vinzenzgruppe und Gesundheitsstadtrat Hacker sowie Vertretern des Wiener Gesundheitsfonds Anfang Dezember endete allerdings ohne konkretes Ergebnis. Laut Vinzenz Kliniken Wien habe es sich um ein „positives Gespräch“ gehandelt. Der Stadtrat habe versichert, deren Vorschläge prüfen und im Zuge des Begutachtungsverfahrens zum finalen RSG 2030 einfließen zu lassen. „Wir sind zuversichtlich und arbeiten weiter daran, dass es zu einer zufriedenstellenden Lösung für die Wienerinnen und Wiener kommt“, verlautbaren die Vinzenz Kliniken Wien.

Aus dem Büro des Wiener Gesundheitsstadtrates hieß es, dass das Gespräch in guter Atmosphäre abgelaufen sei. Hackers Äußerungen im Interview mit dem „Standard“ allerdings geben wenig Anlass für Optimismus. Darin charakterisiert er die budgetäre Situation der Stadt Wien generell als „radikal“; diese außergewöhnlichen Rahmenbedingungen erforderten außergewöhnliche Schritte: „Einsparungen sind notwendig und diese schmerzen.“

Mag. David Pötz


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Titel
Ein Schnitt, der weh tut
Schlagwort
Spitalsträger
Publikationsdatum
09.12.2025
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 51-52/2025
Bildnachweise
Bild/© Orthopädisches Spital Speising, Bild/© Stefan Zamisch