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31.10.2018

Ronny Tekal

So was von Nobel

Autoren:
Dr. Ronny Tekal, Dr. Ronny TekalMedizin-Kabarettist

Der Nobelpreis als Mutter aller medizinischen Auszeichnungen.

Branchenpreise können manchmal über die Grenzen der Branche hinaus bekannt sein: Etwa der „Oscar“, der „Emmy“, der „Anerkennungspreis für die Teilnahme beim Balkonpflanzenwettbewerb, in der Kategorie Geranien“ und natürlich der Nobelpreis. 1901 erstmals verliehen wurden bislang – schlecht gegendert – mehr als 200 Männer und ein Dutzend Frauen ausgezeichnet. Das mag verwerflich sein, doch selbst Sigmund Freud und ich haben nie einen Preis bekommen. Doch wenngleich die Schwedische Akademie die Arbeit des mehr als 30-mal nominierten Psychoanalytikers „nicht für preiswürdig“ hielt, so verstehe ich das Ignorieren meiner Person nicht.

Dass das noble Komitee des schwedischen Karolinska Institutes in den letzten Jahren selbst in Verruf geriet, sich im Dunstkreis von Korruption und Missbrauch wiederfand, tut dem Ruf der Mutter aller Auszeichnungen keinen Abbruch: Der Preis öffnet Türen und man findet sich als Preisträger auf der Liste begehrter Samen- und Eizellenspender ganz oben. Womöglich überlegen die Samen- und Eizellenempfänger, sich mit diesem Kniff teure Nachhilfestunden für den Nachwuchs zu ersparen.

Immerhin werden nur Personen ausgezeichnet, die mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen „im verflossenen Jahr der Menschheit den meisten Nutzen geleistet“ haben, wie es im Testament von Herrn Nobel geschrieben steht. Zwar ist die Öffentlichkeit bei der Verkündung der Sieger, ob dieses Nutzens, immer ein wenig orientierungslos, wenn etwa ein Südkoreaner, eine Finnin und ein Forscher aus Ohio scheinbar gleichzeitig einen Signaltransduktor in den Mitochondrien genetisch mutierter Fruchtfliegen entdeckt haben sollen. Dann bemühen sich die Medien zu erklären, welche enorme Bedeutung diese Entdeckung auch für Herr und Frau Öffentlichkeit hat. Man staunt und hat es im nächsten Moment wieder vergessen, wenn man damit beschäftigt ist, ob der danach verkündete Preisträger für Literatur tatsächlich „Shades of Grey“ verfasst hat.

Bekanntlich ging der Medizinnobelpreis 2018 an zwei Forscher für ihre Beiträge zur Krebsbehandlung durch Immuntherapie. Tatsächlich gilt die neue Methode als Lichtblick, sowohl für Patienten, als auch für die pharmazeutische Industrie, die sich diesbezüglich in Goldgräberstimmung befindet. Immerhin ist es ein Schritt von der bislang praktizierten unbeholfenen Methode, mal Gift in den Körper zu leeren und zu hoffen, dass dieser die Behandlung besser übersteht, als sein Tumor. Der Nutzen ist also nachvollziehbar.

Für die Endverbraucher weitaus nachvollziehbarer ist jedoch der Nutzen des Ig-Nobelpreises, den man an der Harvard Universität, zeitgleich mit dem Nobelpreis, für nutzlose Forschungen verleiht: Hier wurden zwei Amerikaner für den Versuch ausgezeichnet, die Passage von Nierensteinen mittels Achterbahnfahrten zu beschleunigen. Chapeau!

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