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Neuer Freund mit Nebenwirkungen

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Sextoys gelten als Ausdruck von sexueller Freiheit und Selbstbestimmung. Sie versprechen Lust wie auch Diskretion und körperliches Wohlbefinden. Doch dieses Versprechen hält nicht immer stand.

Lust ist Privatsache. Aber ihre Hilfsmittel sind es nicht. Sie sind Produkte – und damit Prüfsteine für Verbraucherschutz, Design und Regulierung. Sie sind Utensilien des täglichen Gebrauchs, Inspiration für Schlagermusik. Aktuell besingt Ina Müller die Vorzüge des neuen Freundes als „dynamisch, athletisch, motorisch gigantisch ... mein neuer Freund ist elektrisch und wohnt in meinem Nachttisch“. So weit so angenehm.

Ein aktueller Test des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) und der deutschen Stiftung Warentest legt nun Mängel an den beliebten Sextoys schonungslos offen. Untersucht wurden 18 in Österreich erhältliche Produkte. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fünf davon sollten nicht bedenkenlos verwendet werden.

Besonders kritisch fallen die app-gesteuerten Sextoys auf. Drei dieser Produkte senden sensible Nutzungsdaten an die Hersteller – darunter Informationen über Häufigkeit, Dauer und Art der Nutzung. In einem Fall werden die Daten sogar an externe Dienste weitergeleitet. Hier wird Intimität zur digitalen Spur. Die Tester empfehlen daher, solche Produkte möglichst ohne App zu verwenden.

Doch nicht nur der Datenschutz bereitet Sorgen. Zwei der getesteten Sextoys enthielten Nonylphenol – eine Chemikalie, die den Hormonhaushalt beeinträchtigen kann. Zwar liegen die Werte unter dem gesetzlichen Grenzwert, doch bei regelmäßiger Nutzung bleibt ein Risiko bestehen.

Ein Problem wird dabei besonders deutlich: Für Sexspielzeuge gibt es kaum verbindliche Vorgaben zu Inhaltsstoffen. Was in Babyspielzeug verboten ist, kann hier erlaubt sein. Die Branche wächst, doch die Regeln hinken hinterher.

Einen Gegenentwurf liefert eine Idee aus der Designforschung. Bereits 2022 sorgte eine Gründerin aus dem Umfeld der Technischen Hochschule Köln für Aufsehen: Sie entwickelt Sexspielzeug aus Porzellan. Ihre Argumente sind überzeugend. Porzellan ist dicht, hygienisch, leicht zu reinigen und frei von Weichmachern. Zudem ist es langlebig – und damit auch ökologisch interessanter als kurzlebige Kunststoffprodukte.

Hinzu kommt ein ästhetischer Anspruch. Die Keramikobjekte wollen nicht versteckt werden. Sie sehen aus wie Designstücke. Das ist mehr als nur Marketing. Es ist ein kultureller Vorschlag: Sexualität als selbstverständlicher Teil des Alltags, nicht als Ware aus der Schublade.

Zwischen diesen Polen – dem technisch aufgerüsteten Sextoy und dem handwerklich gefertigten Objekt – spannt sich ein Markt im Wandel. Die Konsumentinnen und Konsumenten werden kritischer. Sie fragen nach Materialien, nach Datensicherheit, nach Verantwortung.

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Titel
Neuer Freund mit Nebenwirkungen
Schlagwort
Sexualität
Publikationsdatum
22.01.2026
Bildnachweise
Bild/© Anastasiia Torianyk / Zoonar / picture alliance