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Ärzte Woche

30.08.2021 | Ausgabe 35/2021

Schlangen schlagen Rassel-Alarm

Wer einer Klapperschlange zu nahe kommt, wird mit einer akustischen Drohgebärde vorgewarnt. Die Reptilien verfügen über einen wirkungsvollen Trick, den die Wissenschaft bisher übersehen hat.

Entkommene Nattern und Vipern, die an vermeintlich sicheren Orten plötzlich zubeißen, haben diesen Sommer für Schlagzeilen gesorgt. Die Klapperschlange hingegen warnt rechtzeitig mit einem ausgeklügelten Geräuschmuster vor ihrer Anwesenheit. Wie Biologinnen und Biologen der Universität Graz herausgefunden haben, enthält das Signal allerdings mehr Informationen als ursprünglich gedacht: Je näher ein potenzieller Feind – etwa ein großes Säugetier – an das Reptil herankommt, desto rascher wird das Klappern. Ab einer bedrohlich geringen Distanz ändert die Schlange plötzlich ihre Strategie und schwenkt auf hochfrequentes Rasseln um. „Das ist ein guter Trick, der die herannahenden Tiere die Entfernung unterschätzen lässt“, hat Boris Chagnaud vom Institut für Biologie, zusammen mit Kollegen der TU und der LMU München herausgefunden und im Fachblatt

„Das Klappern der Schlangen entwickelte sich parallel zur Geräuschwahrnehmung großer Säugetiere, die versehentlich auf die gut getarnten Reptilien steigen und diese töten oder zumindest zu einem Giftbiss drängen könnten“, erläutert der Forscher. Seine Untersuchungen, in denen er Versuchspersonen in einer virtuellen Realität unterschiedliche Muster an Warngeräuschen präsentierte, bestätigen diese Annahme. „Durch den Wechsel in das unerwartet hohe Rasseln unterschätzten die Probanden eher die Entfernung zur Schlange“, ergänzt Chagnaud. Wie lange die Tiere mit ihrer Strategie noch gut fahren, sei dahingestellt: „Es mehren sich Beobachtungen, dass manche Klapperschlangen keine Geräusche mehr machen, um nicht von Menschen geortet und getötet zu werden“, berichtet der Biologe.

Die in Amerika heimischen Klapperschlangen rasseln mit ihrem typischen beweglichen Gebilde aus hohlen, lose ineinandersteckenden alten Hornsegmenten am Schwanzende, was ein über mehrere Meter hörbares Klappern produziert. Grundsätzlich nimmt dabei die Frequenz des Geräuschs so zu wie das Abstandshalterpiepsen beim Rückwärtseinparken: Je näher eine Bedrohung der Schlange kommt, desto schneller aufeinander folgen die Rasseltöne (Spektrum.de) . Das lässt sich auch im Experiment gut zeigen, beschreiben Erstautor Michael Forsthofer und seine Kollegen: Sie dokumentierten die Rasselfrequenzen von Texas-Klapperschlangen (Crotalus atrox) , die sie getestet hatten.

Weitere Informationen:

https://doi. org/10.1016/j. cub.2021.07.018

https://bit.ly/3zoLNlX


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