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29.05.2018 | originalarbeit | Ausgabe 2/2018

neuropsychiatrie 2/2018

Psychische Gesundheit, Akkulturation und Religiosität bei jüdischen Migranten aus der ehemaligen Sowjetunion in Österreich

Zeitschrift:
neuropsychiatrie > Ausgabe 2/2018
Autoren:
Dipl.-Psych. Beata Trilesnik, Prof. Dr. phil. habil. Sabine C. Koch, Univ.-Prof. Dr. Thomas Stompe

Zusammenfassung

Grundlagen

Die Migrationsforschung ergibt kontroverse Befunde über den Zusammenhang zwischen psychischer Gesundheit und Migration sowie zu den Faktoren, die die psychische Gesundheit von Migranten beeinflussen. Es gibt zwar Hinweise auf Unterschiede zwischen Migrantengruppen aus verschiedenen Herkunftsländern, allerdings wurden bisher fast keine empirischen Studien über einzelne Migrantengruppen in Österreich unternommen.

Methodik

In der vorliegenden populationsbasierten Untersuchung wurden Depressivität und Ängstlichkeit von 96 jüdischen Migranten aus der ehemaligen UdSSR mit einem nach Alter und Geschlecht gematchten Sample mit 101 Österreichern verglichen. Weiters wurde der Einfluss von Akkulturationseinstellung und Religiosität auf die psychische Verfassung der Migranten untersucht. Depressivität und Ängstlichkeit wurden mit dem Beck-Depression-Inventory (BDI), dem State-Trait-Anxiety-Inventory (STAI) und dem Brief Symptom Inventory (BSI) erhoben. Die Akkulturationseinstellung wurde mit dem Vancouver Index of Acculturation (VIA) gemessen, die Religiosität mit einer selbstentwickelten Skala erfasst.

Ergebnisse

Die Juden aus der ehemaligen Sowjetunion waren signifikant depressiver und ängstlicher als die gebürtigen Österreicher, jedoch nicht häufiger von klinischen Depressionen betroffen. Integration als Akkulturationsstrategie (d. h. Interesse sowohl an der Herkunfts- als auch an der Aufnahmekultur) ging mit der niedrigsten psychischen Belastung einher. Die Religiosität wirkte sich protektiv auf Depressivität, nicht jedoch auf Ängstlichkeit aus.

Schlussfolgerungen

Die vorliegende Untersuchung erlaubt erste Rückschlüsse auf die psychische Gesundheit einer bis dato kaum untersuchten Migrantengruppe und weist auf einen Bedarf nach größerer Öffnung der österreichischen Mehrheitsgesellschaft den Migranten gegenüber hin.

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Literatur
Über diesen Artikel

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