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16.05.2022 | Primärversorgung

ÖVP-Korosec: „Ein Arzt ist kein Betriebswirt“

verfasst von: Mit Ingrid Korosec hat Martin Krenek-Burger gesprochen

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Ingrid Korosec ist Gesundheitssprecherin der Wiener ÖVP. Sie kritisiert die Rolle der Ärztekammer bei den Primärversorgungszentren in der Stadt und fordert eine Entlastung der niedergelassenen Ärzte.

Woran liegt es, dass wir von der angestrebten Zahl an Primärversorgungseinheiten (PVE) in Wien derart weit weg sind?

Korosec: Der Sinn einer PVE liegt in der wohnortnahen Versorgung durch mehrere Gesundheitsberufe. Es ist so ähnlich wie eine kleine Ambulanz, aber direkt in den Grätzln. Das Thema gibt es nicht erst seit heute, es wird schon seit mehreren Jahren verzögert.

Das Problem liegt eindeutig bei der Ärztekammer, die dieses gute Projekt seit Jahren verlangsamt und verzögert. Das PVE Liesing ist das bekannteste Beispiel, wo eine private Initiative sowohl bereitwillige Ärzte als auch eine gut gelegene Lokalität gefunden hat. Dennoch wird auch dieses blockiert.


Was erwarten Sie sich von Johannes Steinhart, dem neuen Präsidenten der ÄK für Wien?

Korosec: Ich hatte mit Dr. Thomas Szekeres ein sehr professionelles und gutes Auskommen. Ich habe dies und werde dies auch mit Dr. Johannes Steinhart haben.

Johannes Steinhart war bereits bisher im niedergelassenen Bereich der Verantwortliche in der Ärztekammer und natürlich erwarte ich mir bei zugesagten Projekten wie den Primärversorgungseinheiten – bis 2025 soll es in Wien 36 PVE geben –, dass diese eingehalten werden.


Was kann man tun, um die leer stehenden Ordinationen von Wien-Simmering bis ins nördliche Waldviertel zu füllen?

Korosec: Im Fokus muss stehen, dass es weniger Bürokratie gibt und das Augenmerk verstärkt auf den Patienten gerichtet werden kann. Ein Arzt ist kein Betriebswirt, sondern Mediziner. Deshalb braucht es auch Unterstützung im betriebswirtschaftlichen und administrativen Bereich. Aber insgesamt braucht es eine Aufwertung des Kassenbereichs: Das umfasst nicht nur weniger Bürokratie, sondern auch bessere Honorierungen insbesondere für Allgemeinmediziner, aber auch für Kinderärzte.


Wo steht die ÖVP Wien in der aktuellen Debatte rund um die Abschaffung der Wahlärzte bzw. dem Heranführen dieser Ärzte an das Kassensystem?

Korosec: Wir wollen die Wahlärzte definitiv nicht abschaffen. Es geht vielmehr darum, es jedem betroffenen Patienten zu ermöglichen, dass rasch ein Kassenarzt zur Verfügung steht und man nicht wochenlang auf einen Termin warten muss.


Sie fordern ein Umdenken bei der Ärztekammer, aber auch aufseiten der ÖGK müsste sich etwas tun, speziell bei der Pauschalierung. Was bringt diese den Ärzten und wie weit sind die Verhandlungen da gediehen?

Korosec: Die Pauschalierung sorgt für einen Abbau der Bürokratie und verhindert auch eine Anhäufung einzelner Untersuchungen. Vor allem aber soll das Thema Zeit in den Vordergrund gerückt werden. Denn die Ärztinnen und Ärzte sollen sich verstärkt dem Patienten widmen können und keine Sorge vor der Pflicht einer Fließbandarbeit haben müssen.


Das Mental Health Jugendvolksbegehren liegt seit Kurzem zur Unterschrift auf. Warum gibt es ausgerechnet in der Kinder- und Jugend-Psychiatrie so wenige Stellen?

Korosec: Psychische Gesundheit ist leider ein Tabu-Thema, das unbedingt angegangen werden muss und entstigmatisiert werden muss. Eine Aufklärung besonders bei den Jugendlichen ist hier dringend notwendig. Hier sind auch Initiativen wie das Mental Health Jugendvolksbegehren sehr zu unterstützen mit folgenden Forderungen: Angebote zur Prävention und Früherkennung von psychischen Belastungen für Erziehungsberechtigte, Lehrpersonen sowie Kinder und Jugendliche; Ausbau des Schulsupportpersonals; Thematisierung der psychischen Gesundheit in allen Schulstufen und Einbindung von Experten.

Aber es handelt sich auch um ein Versäumnis der Stadt sowie eine fehlende Attraktivierung und Honorierung des Faches. Ausbildungsabschlüsse von Kinder- und Jugendpsychiatern gab es im Jahr 2019 lediglich einen und 2020 nur zwei.


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Metadaten
Titel
ÖVP-Korosec: „Ein Arzt ist kein Betriebswirt“
Publikationsdatum
16.05.2022

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