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16.05.2022 | Praxis und Beruf

Der Dresscode in der Ordi

verfasst von: Kathrin Handschuh

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Hawaii-Hemden als Arbeitskleidung? Der Allgemeinmediziner Joachim Teich aus Deutschland trägt in seiner Praxis ausschließlich den Sommer-Sonnen-Strand-Look. Seine Patienten „finden’s klasse“. Eine Stilberaterin beobachtet seit Jahren eine Trendwende: der Arztkittel ist zunehmend ein aussterbendes Relikt. Stattdessen greifen immer mehr zu farbigen Poloshirts für das gesamte Praxisteam.

Der Allgemeinmediziner Joachim Teich aus Königswartha in Sachsen ist mittlerweile eine lokale Berühmtheit: Denn er behandelt seine Patienten ausschließlich im gemusterten Hawaii-Hemd. Zehn verschiedene Modelle gehören mittlerweile zu seiner Kollektion – von dunkelblau über pinkfarben bis zur Weihnachtsversion. Bei den Patienten kommt das tropische Outfit gut an: „Einige schauen sogar nur vorbei, um herauszufinden, welches Stück ich gerade trage“, sagt er.

Teich ist nicht der Einzige, der sich über seine Arbeitskleidung bei der Sprechstunde Gedanken macht. Fragen wie: „Was ziehe ich in der Praxis an?“ Oder: „Wie kleiden sich meine Mitarbeiter?“, treiben immer mehr Praxisinhaber nicht nur in Deutschland, sondern auch hierzulande um. Das bestätigt die Hamburger Stilberaterin Christiane Dierks, die seit 20 Jahren beobachtet, wie sich der Dresscode in den Praxen entwickelt und Inhaber entsprechend berät. „Berufsbekleidung wird viel bewusster wahrgenommen. Besonders Ärzte verfügen oftmals über ein hohes Maß an Ästhetik“, sagt sie.

Fest steht: Den weißen Kittel haben viele Ärztinnen und Ärzte buchstäblich an den Nagel gehängt – und das, obwohl eine US-Umfrage aus 2020 unter Patienten ergeben hatte, dass dieser bei den meisten immer noch für Kompetenz, Intelligenz und Glaubwürdigkeit steht. Auch Christiane Dierks sieht im Arztkittel ein aussterbendes Relikt, zumindest im ambulanten Bereich. „Es gibt natürlich Ausnahmen, etwa in Kliniken wird er von Ärzten häufig noch bei der Visite getragen.“

Einheitliche Poloshirts mit Logo

Doch was sollen Niedergelassene und Medizinische Fachangestellte am besten anziehen, wenn sie bei ihren Patienten einen guten Eindruck hinterlassen wollen? Oberstes Gebot: Die Kleidung muss vertrauensweckend sein und ein hohes Maß Hygiene ausstrahlen. Christiane Dierks empfiehlt einheitliche Kleidung für alle Mitarbeiter, da diese zum Image der Praxis beitrage und den Wiedererkennungswert fördere. Das Einheitlichkeitsprinzip müsse unbedingt für alle gelten – also auch für die Ärzte. „Sonst wirkt die Praxisstruktur sehr hierarchisch.“

Sie hat die Erfahrung gemacht, dass die meisten Praxen als gemeinsames Arbeits-Outfit farbige Poloshirts wählen, die in vielen Fällen mit dem Praxislogo versehen sind und mit einer weißen Hose kombiniert werden. Aus ihrer Sicht ist das eine gute Wahl. „Poloshirts wirken – natürlich nur, wenn sie gut geschnitten sind – zugleich modern und formell genug.“ Außerdem erfülle der Baumwollstoff die notwendigen Hygieneanforderungen, da er sich bei 60 Grad waschen lasse. Sie schätzt Polo-Shirts auch wegen ihres Kragens. Denn: „99 Prozent aller Leute sehen mit Kragen besser aus.“

Wer also Shirts in blau oder grün auswählt, ist auf der sicheren Seite. „Da dieser Farbkombination eine beruhigende Wirkung nachgesagt wird, kann man damit eigentlich nichts falsch machen. Im Gegensatz zu rot, das fördert Aggressionen.“ Die Glaubwürdigkeit von Ärzten und ihren Mitarbeitern hänge immer auch damit zusammen, wie passend im wahrsten Sinne des Wortes das Outfit ist, so Dierks. Praxen sollten daher zu Poloshirts in guter Qualität greifen, die optimal sitzen und auch bei regelmäßiger Wäsche Form und Farbe nicht verlieren. Derartige Shirts gebe es bereits ab 20 Euro.


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Metadaten
Titel
Der Dresscode in der Ordi
Publikationsdatum
16.05.2022