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19.12.2019 | Praxis und Beruf | Redaktionstipp | Onlineartikel

Tipps zur Praxisgründung

Der Kongress rund um die Praxisgründung 2020 öffnet im kommenden Jahr die Tür zu wichtigen Informationen rund um die Gründung und den Betrieb der eigenen medizinischen Praxis. 

Die Praxisgründungstage bieten Ärztinnen und Ärzten, Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten sowie allen Gesundheitsberufen mit der Möglichkeit der selbstständigen Berufsausübung in Form einer Praxis alle Informationen, die zu diesem Thema benötigt werden.

Die beiden Veranstalter Dr. Philipp Wimmer und Dr. Florian Mölzer haben uns ein paar Fragen zum Thema beantwortet.

Warum soll ich heute als junger Arzt eine Praxis aufmachen?

Ob man lieber im kleinen Team in der eigenen Praxis arbeitet oder doch in der Klinik Karriere machen möchte ist wahrscheinlich Typsache. Wir sehen, dass viele Jungärztinnen und -ärzte gerne den Schritt in die eigene Praxis wagen würden, aber aus Angst vor der mit der Selbstständigkeit verbundenen Eigenverantwortung und organisatorischen Hürden zurückschrecken. Noch nie war es so einfach wie jetzt eine Ordination zu eröffnen bzw. zu übernehmen. Viele Kassenstellen sind unbesetzt und der finanzielle Aufwand hält sich aufgrund der niedrigen oder oftmals nicht vorhandenen Ablösen sowie aufgrund zahlreicher Förderungen in Grenzen. Auch für Wahlärzte gibt es immer mehr Angebote, sich, beinahe ohne finanziellen Risiko, in ein bestehendes Ordinationszentrum einzumieten.

Ist heutzutage die Work-Life-Balance wichtiger als die Herausforderung einer Praxis (am Land)?

Die Generation Y legt ganz klar mehr Fokus auf ein ausgeglichenes Leben als es die Generationen davor getan haben. Als Ärztin bzw. Arzt 24/7 für die Patientinnen und Patienten einer kleinen Gemeinde erreichbar zu sein und dann vielleicht beim Einkaufen im lokalen Supermarkt über die neuesten Krankheitsentwicklungen informiert zu werden, ist für viele Ärztinnen und Ärzte unvorstellbar. Dass eine Kassenordination am Land mit dem Risiko der Selbstständigkeit dann möglicherweise auch noch weniger Verdienst bringt, als eine Anstellung im Krankenhaus, trägt zusätzlich dazu bei, lieber doch im bereits gewohnten Anstellungsverhältnis in der Klinik zu bleiben.

Gruppenpraxen und Primärversorgungseinheiten bieten hier eine spannende und zeitgemäße Alternative zum klassischen Hausarztdasein, die von jungen Ärztinnen und Ärzten immer mehr nachgefragt werden.

Wie kommen die fertigen Ärzte aus der Ausbildung?/Sind junge Ärzte nach der Ausbildung bereit ein Kleinunternehmen zu führen? Sind sie darauf vorbereitet?

Das ist sehr stark von der Motivation und vom jeweiligen wirtschaftlichen Vorwissen abhängig. Bei der Ausbildung zur Ärztin bzw. zum Arzt für Allgemeinmedizin hat sich in den letzten Jahren einiges gebessert. So muss jede und jeder Allgemeinmediziner als Teil seiner Ausbildung sechs Monate in einer Ordination mitarbeiten. Auch andere Fachrichtungen haben die Möglichkeit im Zuge einer Lehrpraxis Erfahrungen in einem bestehenden Ordinationsbetrieb zu machen, wenngleich hier die Finanzierung noch nicht geregelt ist.

Die Erfahrung zeigt, dass es vielen KollegInnen vor allem an wirtschaftlichen Grundlagen fehlt, die weder im Studium noch in der ärztlichen Ausbildung ausreichend vermittelt werden. Dies schürt Ängste, die schlussendlich dazu führen, dass viele Kolleginnen und Kollegen das vermeintlich sichere Anstellungsverhältnis bevorzugen. Es fehlt an strukturierter wirtschaftlicher und organisatorischer Ausbildung, die jungen Ärztinnen und Ärzten die Angst vor der  Niederlassung nimmt.

Es gibt Vieles bei einer Praxisgründung zu bedenken, wo fange ich an, welchen Aspekt sollte ich mir zuerst vornehmen?

Zunächst sollte die grundlegende Entscheidung getroffen werden, welche Patientenzielgruppe man erreichen möchte. Daran orientiert sich die weitere Ausrichtung der Ordination, zum Beispiel als Kassenordination, Wahlarztordination oder Privatordination. In weiterer Folge sollte überlegt werden, ob die Übernahme einer bestehenden Ordination in Frage kommt oder ob man zur Gänze von vorne anfangen möchte. Erst danach kann mit der konkreten Planung begonnen werden.

Prinzipiell empfiehlt sich vorweg die Kontaktaufnahme mit der zuständigen Landesärztekammer, da diese zumeist umfassende Informationen rund um die Gründung einer Praxis anbietet. Die Ärztekammer für Wien bietet beispielsweise mit Ihrem Gründerservice “GO2ORDI” eine umfassende Beratung und gibt einen Überblick über die erforderlichen Schritte auf dem Weg in die Selbstständigkeit. “GO2ORDI” ist auch bei unserem Kongress vertreten und steht für Fragen rund um die Praxisgründung zur Verfügung.

Wird das Marketing für die eigene Praxis unterschätzt?

Marketing ist ein sich ständig wandelnder und entwickelnder Prozess, der alles beinhalten soll, was zur Förderung des Praxiserfolges getan werden kann. Mangels Erfahrung in diesem Bereich unterschätzen viele KollegInnen die Relevanz von durchdachten Praxismarketing. Marketing ist viel mehr als nur “Werbung”, es schafft Bekanntheit, die besonders beim Start in die eigene Ordination vonnöten ist.

Um sicherzustellen, dass zukünftige Patienten über das individuelle Leistungsangebot Bescheid wissen, können das Auflegen von Informationsmaterialien in benachbarten Apotheken bzw. bei Kollegen, die Einladung eigener Patienten, die Erstellung einer Webseite, eine Postwurfsendung bei Ordinationseröffnung, die Beschriftung von Schaufenstern oder die transparente Darbietung der eigenen Preise hilfreich sein.

Allerdings sollte nicht auf die Werberichtlinie “Arzt und Öffentlichkeit 2014” vergessen werden. Bei unserem Kongress haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, sich vor Ort von Experten Rat zu diesem Thema zu holen.

Wohin kann ich mich wenden, wenn ich Fragen zu einer Praxisgründung habe?

In den letzten Jahren haben sich immer mehr Unternehmen auf die Beratung von Ärztinnen und Ärzten spezialisiert. Mit unserem Kongress zur Praxisgründung versuchen wir Experten aus den unterschiedlichsten Branchen mit jungen Ärztinnen und Ärzten zu vernetzen, um so möglichst alle relevanten Bereiche, die zur Gründung einer Ordination vonnöten sind, abzudecken. KongressbesucherInnen können sich vor Ort kostenlos zu wesentlichen Themen, wie zum Beispiel Finanzierung, Steuer, Mitarbeiter, Standortsuche, Ordinationsbedarf, Marketing, Software und Betriebsführung, informieren. Ein Rahmenprogramm bietet zudem einen strukturierten Einblick in ausgewählte Themen.

Weitere Informationen zu den Praxisgründungstagen unter: https://www.praxisgruendungstage.at/

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