GoRedAustria: Frauenherzen im Fokus
- 15.02.2026
- Prävention und Gesundheitsförderung
- Redaktionstipp
- Zeitungsartikel
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen. In Österreich sterben jährlich rund 16.000 Frauen an Herzinfarkt, Herzinsuffizienz oder Schlaganfall. Dennoch wird das kardiovaskuläre Risiko von Frauen weiterhin unterschätzt – in der öffentlichen Wahrnehmung ebenso wie im Gesundheitssystem. Genau hier setzt #GoRedAustria an: als nationale Initiative zur Stärkung der Herzgesundheit von Frauen.
Die Initiatorinnen von GoRedAustria (v. li.) Erika Sander, Anna Rab, Kristina Hentschel und Gudrun Kreutner-Reisinger.
GoRed
Internationale und nationale Daten zeigen, dass Frauen seltener frühzeitig diagnostiziert werden, im Durchschnitt 7 bis 9 Jahre später als Männer und oftmals erst in fortgeschrittenen Krankheitsstadien medizinische Hilfe erhalten. Symptome präsentieren sich häufig anders als bei Männern, Risikofaktoren werden unterschätzt, und geschlechtsspezifische Besonderheiten finden in Prävention und Versorgung noch immer zu wenig Berücksichtigung. Die Folge ist ein messbarer Gender Health Gap, der sich in erhöhter Krankheitslast, höherer Mortalität und eingeschränkter Lebensqualität widerspiegelt.
Der blinde Fleck: Lebensmitte und Menopause
Ein besonders kritischer Zeitraum für die Herzgesundheit von Frauen ist die Lebensmitte. In den Jahren rund um die Menopause kommt es zu tiefgreifenden hormonellen, metabolischen und vaskulären Veränderungen. Blutdruck, LDL-Cholesterin, viszerales Fett und Insulinresistenz nehmen häufig gleichzeitig zu. Hinzu kommen Schlafstörungen, psychosozialer Stress und Mehrfachbelastungen. Diese Phase stellt ein zentrales Zeitfenster für Prävention dar – wird aber bislang kaum systematisch genutzt.
Viele Frauen erleben Beschwerden, ohne diese eindeutig einordnen zu können. Unspezifische Symptome wie Erschöpfung, Atemnot oder Leistungsabfall werden häufig nicht als mögliche Warnzeichen kardiovaskulärer Erkrankungen erkannt. Gleichzeitig fehlen strukturierte, geschlechtersensible Präventionspfade, die frühzeitig Orientierung bieten.
Versorgungslücke schließen
#GoRedAustria (www.gored.at) verfolgt das Ziel, genau diese Versorgungslücke zu schließen. Die Initiative orientiert sich an internationalen GO RED-Programmen, setzt aber bewusst nationale Schwerpunkte. Im Zentrum stehen Aufklärung, Sensibilisierung und Prävention, verbunden mit einer klaren medizinischen Botschaft: Herzgesundheit bei Frauen beginnt lange vor dem ersten Ereignis.
#GoRedAustria: Sichtbarkeit,Wissen, Prävention
#GoRedAustria arbeitet entlang mehrerer Ebenen:
- öffentliche Sensibilisierung für frauenspezifische Herz-Risiken
- Vermittlung evidenzbasierter Informationen für Frauen und Gesundheitsberufe
- Vernetzung von Medizin, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft
Ziel ist es, Frauen zu befähigen, ihre Risiken zu kennen, Warnzeichen ernst zu nehmen und frühzeitig präventive Angebote zu nutzen. Gleichzeitig richtet sich die Initiative an Ärzt:innen und Entscheidungsträger:innen, um strukturelle Veränderungen im Gesundheitssystem anzustoßen.
Wissenschaftlicher Hintergrund: Der Gender Data Gap
Ein zentrales Problem liegt in der historischen Ausrichtung medizinischer Forschung. Klinische Studien waren über Jahrzehnte überwiegend männlich dominiert. Viele Risikoscores, diagnostische Grenzwerte und Therapiealgorithmen basieren daher auf Daten, die Frauen nur unzureichend abbilden. Frauenspezifische Risikofaktoren wie frühe Menopause, Schwangerschaftskomplikationen oder Autoimmunerkrankungen werden im klinischen Alltag häufig unterbewertet.
#GoRedAustria greift diese Erkenntnisse auf und setzt sich dafür ein, dass geschlechterspezifische Unterschiede stärker in Prävention, Aus- und Weiterbildung sowie in Versorgungspfade integriert werden. Dazu gehört auch die Unterstützung von Ausbildungs- und Fortbildungsformaten, die Ärzt:innen für geschlechtersensible Kardiologie sensibilisieren.
Gesellschaftliche und ökonomische Relevanz
Die Auswirkungen verspäteter Diagnosen sind nicht nur individuell, sondern auch gesellschaftlich relevant. Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen hohe direkte und indirekte Kosten durch Hospitalisierungen, Arbeitsausfälle und Langzeitfolgen. Studien zeigen, dass frühzeitige Prävention und gezielte Risikoerkennung Krankheitslast und Kosten deutlich reduzieren können.
Investitionen in frauenspezifische Prävention sind daher nicht nur gesundheitspolitisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll. #GoRedAustria versteht sich in diesem Kontext als Brücke zwischen medizinischer Evidenz und gesellschaftlicher Umsetzung.
Ein gemeinsamer Auftrag
#GoRedAustria steht für einen Kulturwandel in der Herzgesundheit: weg von reaktiver Medizin, hin zu frühzeitiger, geschlechtersensibler Prävention. Die Initiative macht sichtbar, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen kein „Männerthema“ sind und dass Frauen andere Risiken, andere Symptome und andere Bedürfnisse haben.
Langfristig soll #GoRedAustria dazu beitragen, Herzgesundheit bei Frauen als selbstverständlichen Bestandteil von Prävention, Ausbildung und Versorgung zu etablieren. Denn nur wenn Risiken früh erkannt und ernst genommen werden, lassen sich vermeidbare Erkrankungen verhindern.
Frauenherzen brauchen Aufmerksamkeit – und eine Präventionsstrategie, die ihnen gerecht wird. #GoRedAustria setzt dafür ein klares Zeichen
Quelle: GoRed Austria, gored.at
Kontakt: info@gored.at