Pollenmythen entzaubert
- 24.03.2026
- Pollenallergie
- Zeitungsartikel
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Frage: Rund um die Pollenallergie liegen der Wissensstand vieler Betroffener und die Faktenlage häufig weit auseinander. Doch was stimmt – und was ist ein Mythos?
Dr. Berger: Heute nehme ich Sie mit auf einen Rundgang durch die häufigsten Mythen rund um die Pollenallergie. Ich erkläre Ihnen auch, warum ein allergenarmes Zuhause wie ein Kurzurlaub für Ihr Immunsystem wirkt.
Mythos I: Mythos I: „Allergien sind auf dem Land stärker.“ Auch wenn es auf dem Land grüner ist und es dort mehr Pflanzen gibt, können durch den Ferntransport ebenso hohe Pollenbelastungen in Städten und deren Umgebung auftreten. Hinzu kommt, dass Schadstoffe, die in der städtischen Luft in höheren Konzentrationen vorkommen – wie das Ozon –, die Pollenproteine sogar so verändern können, dass sie noch reizender werden.
Mythos II: Mythos II: Auch der Blick zum Himmel kann trügen. Sanfter Landregen kann die Luft kurzfristig entlasten, da er Pollen aus der Umgebungsluft auswäscht. Gewitter können Pollen jedoch in noch kleinere Partikel zerlegen, die tiefer in die Atemwege gelangen. Außenaktivitäten sollten daher immer mit Blick auf die Wettervorhersage geplant werden.
Mythos III: Mythos III: „Heuschnupfen ist harmlos und vergeht von allein“ – das klingt zwar tröstlich, ist aber riskant. Unbehandelte Beschwerden und Symptome erhöhen das Risiko für Asthma und chronische Entzündungen der Schleimhäute. Besser ist es, frühzeitig gegenzusteuern.
Mythos IV: Mythos IV: „Fenster zu, Problem gelöst“ ist nur die halbe Wahrheit. Intelligentes Lüften zu Zeiten mit geringer Pollenlast ist hilfreich. Der Gamechanger im Alltag ist jedoch ein Luftreiniger mit einem zertifiziertem HEPA-Filter (H13/H14) in Kombination mit einem Pollenschutzgitter.
Mythos V: Mythos V: „Nur draußen ist es gefährlich“ – weit gefehlt. Zwar hält sich Pollen nicht an Ländergrenzen oder Postleitzahlen, doch durch simple Routinen können die Belastungen auch in Innenräumen gering gehalten werden. Über Kleidung, Schuhe und Haare können Pollen in allergierelevanten Mengen in Innenräume gelangen. Betroffene können folgende Empfehlungen befolgen: Konsequente Haustür-Regeln, nach dem Heimkommen die Kleidung wechseln sowie Hände und Gesicht waschen, glatte Böden gründlich feucht wischen, einen Staubsauger mit HEPA-Filter nutzen, vor dem Schlafengehen duschen und die Haare waschen, um die eventuell von draußen mitgebrachten Pollen fortzuspülen.
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Dr. Markus Berger ist Mediziner und und Leiter des Polleninformationsdienstes mit den Forschungsschwerpunkten Luftschadstoffe und deren Symptomlast auf Pollenallergiker.
Foto Wilke