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Erschienen in:

Open Access 06.03.2023 | Pädiatrie | Originalien

Kindermedika.at

verfasst von: Mag. Christina Gradwohl, Mag. Dr. Barbara Strommer, Univ.-Prof. Dr. Christoph Male, MSc

Erschienen in: Pädiatrie & Pädologie | Ausgabe 1/2023

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Zusammenfassung

Viele Arzneimittel sind für Kinder nicht zugelassen (off-label). Die Fachinformationen beinhalten daher keine Informationen für diese Patient*innengruppe, weshalb das Gesundheitspersonal auf andere Quellen angewiesen ist. Die Webseite Kindermedika.at stellt seit April 2021 evidenzbasierte Informationen für die Arzneimitteltherapie von Kindern kostenfrei und uneingeschränkt zur Verfügung. Das Projekt baut auf dem niederländischen Kinderformularium.nl auf und kooperiert mit weiteren Projekten in Deutschland und Norwegen. Das gemeinsame Ziel ist, Informationen für die Arzneimitteltherapie von Kindern – insbesondere Dosierungen – nach bestverfügbarer Evidenz bereitzustellen. Im Fall des Off-label-Use gelingt dies durch eine standardisierte Recherche und systematische Bewertung der Literatur gefolgt von einer Abstimmung mit der klinischen Praxis. Die Webseite wird laufend ausgebaut und aktualisiert. Die Finanzierung des Projekts ist bis 2027 durch die Sozialversicherungsträger ÖGK, SVS, BVAEB, AUVA und durch die KFA Wien gesichert.
Hinweise

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Viele Arzneimittel sind nicht für den Gebrauch bei pädiatrischen Patient*innen zugelassen, müssen aber trotzdem für die Behandlung kranker Kinder angewandt werden (off-label). In einem systematischen Review europäischer Studien rangierte die Häufigkeit von Off-label-Use bei hospitalisierten Kindern zwischen 13 und 69 % sowie außerhalb des Krankenhauses zwischen 2 und 100 % [1]. Im Allgemeinen steigt die Häufigkeit der Off-label-Anwendung mit jüngerem Alter, mit der Komplexität der Erkrankung und mit der Zahl der pro Patient*in eingesetzten Arzneimitteln [2]. Im Rahmen des Zulassungsprozesses werden wirksame und sichere Dosierungen in klinischen Studien ermittelt und finden in weiterer Folge Eingang in die zugehörige Fachinformation. Unterbleibt dieser Prozess, wie oben genannt im Fall von Off-label-Use bei Kindern, fehlen diese Informationen. Medizinisches Fachpersonal muss sich daher anderer Informationsquellen bedienen. Diese sind qualitativ sehr heterogen und reichen von Erfahrungen aus der Praxis bis hin zu Metaanalysen klinischer Studien. Die Zeit für eine umfassende Erhebung und Bewertung der Literatur ist in der Praxis meistens nicht vorhanden. Als Reaktion auf dieses Problem wurden diverse Informationsdatenbanken, die Inhalte speziell für die Arzneimitteltherapie von Kindern beinhalten, entwickelt. Diese sind in Österreich jedoch nur eingeschränkt zugänglich, kostenpflichtig und/oder fremdsprachig. Qualitativ hochwertige, frei zugängliche und deutschsprachige Informationen für die Arzneimitteltherapie bei Kindern sind nicht verfügbar. Diese Lücke will die Webseite kindermedika.at, die seit April 2021 online ist, schließen.

Ziel

Kindermedika.at stellt evidenzbasierte Informationen für die Anwendung von Arzneimitteln bei Kindern in Österreich kostenfrei und uneingeschränkt zur Verfügung. Dies soll die Arzneimitteltherapie von Kindern durch Steigerung der Wirksamkeit und die Vermeidung von unerwünschten Arzneimittelwirkungen optimieren und diese in Österreich und international harmonisieren.

Das Projekt

Kindermedika.at ist ein Projekt der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Die Entwicklung umfasste mehrere Schritte:
1.
Survey zur Erfassung der am häufigsten bei Kindern und Jugendlichen in Österreich eingesetzten Arzneimitteln (2014–2018)
 
2.
Diverse Ansuchen zur Sicherstellung einer Finanzierung (2014–2019)
 
3.
Aufbau der Informationsplattform (ab 2019)
 
4.
Launch der Webseite (April 2021)
 
Zunächst wurde im Rahmen des Survey eine Hitliste erstellt, die zur Priorisierung der ersten 200 Arzneistoffe in kindermedika.at herangezogen wurde. Dazu wurden sowohl Verschreibungsdaten aus dem niedergelassenen und Spitalsbereich, als auch Arzneistoffe, die in Interviews mit Kinderärzt*innen häufig erwähnt wurden, herangezogen. Die Finanzierung der Aufbauphase ermöglichten die ÖGKJ und die „Gemeinsamen Gesundheitsziele aus dem Pharma-Rahmenvertrag“. Die Finanzierung des Projekts bis 2027 erfolgt durch die Sozialversicherungsträger ÖGK, SVS, BVAEB, AUVA und durch die KFA Wien. Um rasch eine qualitativ hochwertige und funktionsfähige Informationsplattform aufbauen zu können, wurde eine Kooperation mit dem niederländischen Kinderformularium (www.​kinderformulariu​m.​nl) eingegangen. Kinderformularium.nl ist seit vielen Jahren der Goldstandard für pädiatrische Dosierungen in den Niederlanden und erfährt eine breite Akzeptanz auch über die Landesgrenze hinweg. Dieser Erfolg hat dazu geführt, dass neben kindermedika.at auch ähnliche Projekte in Deutschland (www.​kinderformulariu​m.​de) und Norwegen (www.​koble.​info) mit dem niederländischen Kinderformularium in gleicher Weise kooperieren. Die internationale Zusammenarbeit aller Länder erfolgt über eine gemeinsame Datenbank, in der harmonisierte, kinderspezifische Inhalte geteilt werden. Das gemeinsame Ziel ist, Informationen nach bestverfügbarer Evidenz und abgestimmt mit der klinischen Praxis in Form von Arzneistoffmonographien zur Verfügung zu stellen. Als bestverfügbare Evidenz wird im Fall einer bestehenden Zulassung der Inhalt der Fachinformation eingestuft. Der Fokus der Projektarbeit liegt jedoch besonders auf den Bereichen, in denen die Notwendigkeit einer Off-label-Anwendung aus der Praxis bekannt ist, aber evidenzbasierte Dosierungsempfehlungen fehlen. Ein Beispiel dafür ist die Anwendung des Antihypertensivums Enalapril bei Kindern unter 6 Jahren. Um diese Informationen zu generieren, wird initial eine systematische Literaturrecherche von Pharmazeut*innen des internationalen Kinderformularium-Teams durchgeführt. Diese bewerten die Daten in standardisierter Vorgehensweise und fassen sie zu Dosierungsvorschlägen zusammen. Im Rahmen regelmäßig stattfindender Editorial-Board-Meetings werden die Vorschläge mit einem multidisziplinären, internationalen Board von Expert*innen diskutiert und freigegeben. Die Informationen werden in den Arzneistoffmonographien auf den Webseiten verfügbar gemacht. Diese umfassen neben den Dosierungsempfehlungen nach Indikation, Applikationsroute und Altersgruppe auch Empfehlungen zur Dosisanpassung bei Nierenfunktionsstörungen und weitere Informationen zu kinderspezifischen Nebenwirkungen, Warnhinweisen, Kontraindikationen und Pharmakokinetik. Jedes Land ergänzt darüber hinaus Informationen zu länderspezifischen Gegebenheiten, wie zum Beispiel der Verfügbarkeit von Darreichungsformen. Ein Gremium an österreichischen Expert*innen steht dem Kindermedika.at-Team beratend zur Verfügung und hat die Möglichkeit, im Editorial Board zum inhaltlichen Entscheidungsprozess beizutragen.

Status quo

Aktuell sind 361 Arzneistoffmonographien auf kindermedika.at aufrufbar (Stand 02/2023). Ein weiterer Ausbau um etwa 100 Monographien pro Jahr ist geplant. Parallel zum Ausbau wird die Webseite fortlaufend aktualisiert und um Zusatzinformationen erweitert.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

C. Gradwohl, B. Strommer und C. Male geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
Die in diesem Artikel enthaltenen Bilder und sonstiges Drittmaterial unterliegen ebenfalls der genannten Creative Commons Lizenz, sofern sich aus der Abbildungslegende nichts anderes ergibt. Sofern das betreffende Material nicht unter der genannten Creative Commons Lizenz steht und die betreffende Handlung nicht nach gesetzlichen Vorschriften erlaubt ist, ist für die oben aufgeführten Weiterverwendungen des Materials die Einwilligung des jeweiligen Rechteinhabers einzuholen.
Weitere Details zur Lizenz entnehmen Sie bitte der Lizenzinformation auf http://​creativecommons.​org/​licenses/​by/​4.​0/​deed.​de.

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Metadaten
Titel
Kindermedika.at
verfasst von
Mag. Christina Gradwohl
Mag. Dr. Barbara Strommer
Univ.-Prof. Dr. Christoph Male, MSc
Publikationsdatum
06.03.2023
Verlag
Springer Vienna
Schlagwörter
Pädiatrie
Covid-19
Erschienen in
Pädiatrie & Pädologie / Ausgabe 1/2023
Print ISSN: 0030-9338
Elektronische ISSN: 1613-7558
DOI
https://doi.org/10.1007/s00608-023-01061-9

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