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Der Teddybär in der Praxis

Der Pädiater Prof. Dr. Berthold Koletzko weiß, wie man junge Patienten im Gespräch erreicht – und wie ein Kuscheltier helfen kann.

Auch junge Patienten möchten ernst genommen und in Entscheidungen eingebunden werden. Das fördert das Vertrauen, das für Diagnose und Therapie wichtig ist. Worauf es bei der Kommunikation mit Kindern und Jugendlichen ankommt, verrät Prof. Dr. Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel- und Ernährungsmedizin am Dr. v. Haunerschen Kinderspital, Klinikum der Universität München, und Präsident der European Academy of Paediatrics (EAP).

Ärzte Woche: An wen wenden Sie sich primär, wenn Patienten mit Sorgeberechtigten zu Ihnen kommen?

Berthold Koletzko: Es ist nicht immer einfach, dieser Situation und den Erwartungen von Kind und Eltern oder weiteren Begleitpersonen gerecht zu werden. Grundsätzlich ist es wichtig, dem Kind oder Jugendlichen zuzuhören, es altersgemäß direkt anzusprechen und Rückfragen zu stellen, aber gleichzeitig auch auf die Eltern zu hören und sie einzubeziehen. Die Sorgeberechtigten sollten dabei nicht stellvertretend, sondern ergänzend angesprochen werden. Besonders herausfordernd kann es sein, wenn Eltern unmittelbar antworten und ihrem Kind die Möglichkeit nehmen, selbst zu sprechen. Viele Kinder sind durchaus in der Lage, ihre Beschwerden und Sorgen auszudrücken – vorausgesetzt, man gibt ihnen den nötigen Raum. Aus ärztlicher Sicht sind die direkten Angaben des Kindes oft sehr hilfreich.

Ärzte Woche: Fachbegriffe und Sachverhalte verständlich zu erklären, ist schon bei Erwachsenen nicht einfach. In einer forsa*-Umfrage gaben 43 Prozent der Kinder und Jugendlichen an, nicht oder nur teilweise verstanden zu haben, was der Arzt ihnen erklärt.

Koletzko: Erklärungen müssen natürlich dem Alter entsprechend verständlich formuliert werden. Dabei können Zeichnungen, Modelle oder auch ein Kuscheltier zur Erklärung helfen. Für Kinder kann es auch spannend sein, Untersuchungsinstrumente einmal selbst in die Hand zu nehmen und anzuschauen. Oft hilft es, nachzufragen, ob das Erklärte verstanden wurde und ob noch Fragen offen sind – sowohl bei den Kindern als auch den Eltern.

Ärzte Woche: Verstehen ist das eine, sich ernst genommen und respektiert fühlen das andere. Wie kann man Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen?

Koletzko: Um Kindern auf Augenhöhe zu begegnen, kann es helfen, sich buchstäblich auf ihre Augenhöhe zu begeben, sie direkt und ernsthaft anzusprechen, ohne eine Babysprache zu verwenden, und aktiv zuzuhören. Wenn möglich, sollten echte Wahlmöglichkeiten im Rahmen des medizinisch Sinnvollen eingeräumt werden. Oft reichen schon kleine Entscheidungen, etwa welche Seite zuerst untersucht wird oder welches Pflaster sie nach einer Impfung auswählen möchten. So erleben auch jüngere Kinder, dass ihre Meinung zählt und sie mitbestimmen dürfen.

Ärzte Woche: In der Umfrage fühlten sich v.a. die 8- bis 10-Jährigen vom Arzt oft nicht genug einbezogen; die Eltern bestätigten das. Was ist die richtige Ansprache für diese Altersgruppe?

Koletzko: Pauschale Antworten sind hier schwer möglich, da es stark von der Reife und dem Gesundheitszustand des Kindes abhängt. Aber auch Kindern dieser Altersgruppe können logische und konkrete Erklärungen, z. B. der Ablauf einer anstehenden Behandlung, helfen und Sicherheit geben. Eine altersangemessene, klare und sachliche Sprache ist dabei zentral. Eine kleinkindhafte Ansprache sollte vermieden werden.

Ärzte Woche: Kinder und Jugendliche selbst gaben an, dass es ihnen u.a. helfen würde, wenn der Arzt sich mehr Zeit für ihre Fragen nimmt. Doch der Arbeitsalltag lässt ausführliche Gespräche oft nicht zu. Wie schafft man es, sich Kindern dennoch hinreichend zuzuwenden?

Koletzko: Das Problem der im ärztlichen Alltag knappen Zeit ist natürlich real. Aber alle Beteiligten wissen auch gut, dass die Betreuung von Kindern ohne ein gewisses Maß an Geduld nicht funktionieren kann. Zudem kann durch gute Kommunikation die Kooperation des Kindes stark gefördert und die ärztliche Arbeit so wesentlich erleichtert werden. Gute Gesprächsführung und echte Partizipation tragen entscheidend zum Behandlungserfolg und zur Zufriedenheit der Patienten und ihrer Eltern bei.

* Meinungs- und Marktforschungsinstitut in Deutschland

Titel
Der Teddybär in der Praxis
Publikationsdatum
24.03.2026

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