Skip to main content
main-content

20.05.2020 | Onkologie | Pharma News | Onlineartikel | Eisai GesmbH & MSD

HCC: Lenvatinib als Erstlinie

Was ist die optimale Therapiesequenz bei der Verwendung von Lenvatinib bei HCC?

In der Zulassungsstudie REFLECT konnte die Nicht-Unterlegenheit von Lenvatinib vs. Sorafenib im primären Endpunkt, dem medianen Gesamtüberleben (mOS), nachgewiesen werden. In einer Post-hoc-Analyse von REFLECT wurde das mOS von Patienten untersucht, die eine Folgetherapie erhalten haben. Daraus geht hervor, dass bei Patienten, die in REFLECT Lenvatinib als Erstlinie erhalten hatten, ein numerisch längeres mOS erzielt wurde als in der Sorafenibgruppe. Dies konnte insbesondere für Patienten bestätigt werden, bei denen unter Lenvatinib eine Response erzielt worden war.

Lenvatinib (Lenvima®) ist ein Multikinaseinhibitor, der basierend auf der Phase-III-Studie REFLECT im Jahr 2018 von der EMA (European Medicines Agency) als Erstlinientherapie für das fortgeschrittene oder inoperable hepatozelluläre Karzinom (uHCC) zugelassen wurde. [1, 2] In der offenen Studie REFLECT wurde die Nicht-Unterlegenheit von Lenvatinib gegenüber dem bis dahin etablierten SOC (Standard of Care) Sorafenib im primären Endpunkt, dem Gesamtüberleben (OS) nachgewiesen. In den sekundären Endpunkten progressionsfreies Überleben, Zeitspanne bis zur Progression und objektive Responserate (ORR) wurde sogar eine signifikante und klinisch relevante Überlegenheit von Lenvatinib vs. Sorafenib verzeichnet (alle p-Werte <0,0001). [3]

Folgetherapien: Subanalyse von REFLECT

Das Verständnis des Zusammenhangs zwischen Erstlinien- und Folgetherapien hinsichtlich des Effekts auf das OS ist relevant, um das OS bei uHCC-Patienten zu maximieren. Bislang gibt es nur wenige Studien, in denen diese Effekte untersucht worden sind. In einer Post-hoc-Analyse von REFLECT wurde das OS von Patienten, die mit Lenvatinib oder Sorafenib behandelt worden waren und eine medikamentöse Folgetherapie erhalten haben, während der Follow-Up-Periode zum Überleben evaluiert. Zusätzlich wurde das OS der Subgruppe analysiert, die in REFLECT auf Lenvatinib bzw. Sorafenib ein Ansprechen gezeigt hatten und eine subsequente medikamentöse Folgetherapie erhalten haben.

Lenvatinib in der 1st Line geht mit OS-Benefit einher

340 der 954 Patienten aus der REFLECT-Studie wurden in diese Subgruppenanalyse einbezogen, d.h. ca. ein Drittel der Studienpatienten erhielt eine Folgetherapie.

Bei Patienten, die in der Erstlinie Lenvatinib erhalten hatten (n=156), war das mediane OS (mOS) mit 20,8 vs. 17,0 Monaten geringfügig länger als bei jenen, die in REFLECT zu Sorafenib (n=184) randomisiert worden waren (HR: 0,87; 95% CI: 0,67-1,14). (Abb. 1) Auch Patienten, die keiner Folgetherapie zugeführt worden sind, haben vom Erhalt von Lenvatinib als Erstlinientherapie profitiert. Im Vergleich zu jenen, die mit Sorafenib behandelt worden waren, war das mOS mit 11,5 vs. 9,1 Monaten um 2,4 Monate länger (HR: 0,90; 95% CI: 0,75-1,09).

Lenvatinib-Responder, die eine Folgetherapie erhielten (n=43), wiesen ein mOS von 25,7 Monaten auf (95% CI: 18,5-34,6), im Kollektiv der Sorafenib-Responder (n=16) betrug das mOS 22,3 Monate; 95% CI: 14,6 – nicht auswertbar). Bei Lenvatinib-Respondern, die in der Zweitlinie mit Sorafenib behandelt wurden (n=35), belief sich das mOS auf 26,2 Monate (95% CI: 18,2-34,6).

Fazit

Um den maximalen OS-Benefit zu erzielen, sind Daten zur optimalen Therapiesequenz erforderlich. In REFLECT wurde die Nichtunterlegenheit von Lenvatinib gegenüber Sorafenib in Bezug auf OS statistisch bestätigt. Hinsichtlich der ORR wurde unter Lenvatinib vs. Sorafenib eine statistisch signifikante Überlegenheit im Ausmaß von 24,1 vs. 9,2% nachgewiesen. [3] In einer im Jahr 2019 publizierten multivariaten Analyse konnte im Kollektiv der Responder eine Korrelation zwischen dem OS und der ORR gezeigt werden[5], genauso wie das bei Analysen von zwei weiteren großen Studien zu uHCC der Fall war. [6, 7]

Die retrospektive Studie, die basierend auf den in der Nachbeobachtungsperiode zum mOS in REFLECT generierten Informationen durchgeführt worden ist, liefert zusätzliche Daten zu den Effekten der Therapiesequenz auf das OS: Dieses war bei Patienten, die in REFLECT zu Lenvatinib randomisiert worden waren, numerisch länger als bei jenen, die in REFLECT als Erstlinie mit Sorafenib behandelt worden waren. Auch unter den Respondern war das mOS in der Lenvatinib-Gruppe länger als unter Sorafenib. Das mOS – insbesondere bei den Respondern auf Lenvatinib in der Erstlinie – ist das längste, das bislang in einer Phase-III-Studie bei uHCC-Patienten verzeichnet werden konnte. [4]

Diese Daten deuten darauf hin, dass Lenvatinib als Erstlinientherapie, gefolgt von einer weiteren systemischen Krebstherapie, eine wichtige Therapiesequenz ist, die zumindest zu einer numerischen Verlängerung des OS führen kann. [4]

AT-LENA-20-00010  05/2020

Literatur:

[1] https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/lenvima#authorisation-details-section

[2] Produktinformation Lenvatinib, Stand: November 2019

[3] Kudo M et al., Lancet 2018; 391: 1163-1173

[4] Alsina A et al., Liver Cancer 2019; 9: 93–104

[5] Kudo M et al., Liver Cancer 2019; 8: 73-77

[6] Lencioni R et al., Hepatol 2017; 66: 1166–1172

[7] Meyer T et al., Liver Int 2017; 37: 1047–1055

Abb. 1 Lenvatinib vs. Sorafenib: Gesamtüberleben in REFLECT und bei Patienten, die eine Folgetherapie erhielten (nach 4)

Bildnachweise