Skip to main content
main-content

24.10.2018 | Onkologie und Hämatologie | Onlineartikel

Olaparib überzeugt als Firstline-Erhaltungstherapie beim Ovarialkarzinom

European Society for Medical Oncology

Frauen mit einem fortgeschrittenen Ovarialkarzinom mit BRCA-Mutation profitieren substanziell von einer Erhaltungstherapie mit Olaparib nach der Erstlinienchemotherapie. Das zeigen die auf dem ESMO 2018 präsentierten Daten der Phase 3-Studie SOLO1.

Das mediane progressionsfreie Überleben (PFS) für Patientinnen, die Plazebo erhielten, betrug nur 13,8 Monate, während das mediane PFS bei den Olaparib-Patientinnen noch nicht erreicht wurde, sie allerdings einen geschätzten PFS-Vorteil von etwa 3 Jahren verglichen mit Plazebo aufweisen, berichtete Dr. Kathleen Moore, Associate Professor am Stephenson Cancer Center der University of Oklahoma, USA. Sie präsentierte die ersten Ergebnisse der SOLO1-Studie als Late-Breaking Abstract in der Presidential Session am 21. Oktober 2018 anlässlich des ESMO2018 Kongress.

Studiendesign

SOLO1 ist die erste, doppelblinde, randomisierte, prospektive Phase 3-Studie zur Erstlinienbehandlung mit Olaparib nach einer platinbasierten Chemotherapie bei neu diagnostiziertem fortgeschrittenem Ovarialkarzinom (FIGO Stadium III-IV) mit einer BRCA-Mutation. Insgesamt wurden 391 Patienten eingeschlossen, die auf eine platinbasierte Chemotherapie komplett oder partiell angesprochen hatten. Sie wurden 2:1 randomisiert auf eine zweijährige Olaparib- (n = 260) oder Plazebo-Therapie (n = 131). Der primäre Endpunkt war das von den Prüfärzten bewertete PFS. Sekundäre Endpunkte umfassten das PFS2, das ist die die Zeit von der Randomisierung bis zum zweiten Progressionsereignis; Gesamtüberleben; und Lebensqualität. Die mediane Nachbeobachtungszeit betrug 41 Monate.

Überzeugende Ergebnisse für Olaparib

Die primäre PFS-Analyse zeigte eine signifikante 70 %ige Reduktion des Progressions- oder Todesrisikos mit Olaparib gegenüber Plazebo [HR 0,30; p < 0,0001]. Die in diesem Ausmaß noch nie da gewesenen Ergebnisse werden durch weitere Auswertungen unterstützt, die ebenfalls einen signifikanten Benefit für Olaparib belegen. So betrug die mediane Zeit bis zum PFS2 41,9 Monate für Plazebo während sie mit Olaparib noch nicht erreicht war (HR 0,5; p = 0,0002). Die Daten zum Gesamtüberleben sind noch unreif.
Die häufigsten Toxizitäten vom Grad ≥ 3 mit Olaparib waren Anämie (22 %) und Neutropenie (8 %). Es gab keine klinisch relevante Veränderung der Lebensqualität zwischen den bei Therapiearmen und Olaparib wurde gut vertragen.

Neuer Standard of Care

Auch wenn es zu früh ist, um von Heilung zu sprechen, so Moore, beträgt der Anteil der Frauen, die mit dieser Frontline-Therapie nach vier Jahren noch progressionsfrei sind über 50 % im Olaparib-Arm verglichen mit nur 11 % in der Plazebogruppe. Die Verbesserung des progressionsfreien Überlebens nach zweijähriger Erhaltungstherapie mit Olaparib ist hervorragend und bleibt auch nach dem Absetzen von Olaparib noch zwei Jahre erhalten. 

Moore schlussfolgert aus diesen Daten, dass es einen „Standard of Care“ für Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom und BRCA-Mutation gibt: Carboplatin plus Paclitaxel gefolgt von einer Olaparib-Erhaltungstherapie.

Kommentar: Hervorragende Ergebnissse

Dies sind hervorragende Ergebnisse. Nicht nur war Olaparib wirksam, es wurde auch gezeigt, dass es gut vertragen wird, sagte Prof. Isabelle Ray-Coquard von der Université Claude Bernard Lyon Est, Lyon, Frankreich, in ihrem Kommentar zu den Daten. Diese Ergebnisse versprechen, die klinische Praxis in dieser Patientengruppe zu verändern.

Hinweis:

Olaparib (Lynparza) ist derzeit zugelassen als Monotherapie für die Erhaltungstherapie von erwachsenen Patientinnen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines BRCA-mutierten (Keimbahn und/oder somatisch) high-grade serösen epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms angewendet, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen (Fachinformation Lynparza, Stand Mai 2018)

Weitere Infromationen

PARP-Hemmer wie Niraparib hemmen ein bestimmtes Enzym, die Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP). Dadurch werden die Krebszellen daran gehindert, die durch eine Chemotherapie entstandenen Schäden wieder zu reparieren. PARP-Hemmer werden deshalb als Erhaltungstherapie nach einer Chemotherapie eingesetzt.

Weiterführende Themen

Bildnachweise