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IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien in der Pädiatrie: Diagnostik, Management und neue Therapieansätze – Teil 2

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Zusammenfassung

IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien entstehen durch eine fehlgeleitete Immunantwort auf bestimmte Nahrungsproteine und zählen zu den häufigsten Auslösern von Anaphylaxie bei Kindern. Klinisch dominieren Sofortreaktionen wie Urtikaria, Angioödem, Atemnot oder Kreislaufbeteiligung. Die sorgfältige Anamnese bleibt das wichtigste Instrument, um eine echte Allergie von einer reinen Sensibilisierung zu unterscheiden. Hautpricktest und spezifisches IgE gelten als gleichwertige diagnostische Verfahren; bei unklaren Befunden ist die orale Nahrungsmittelprovokation Goldstandard. Ein strukturiertes Management umfasst Notfallpass, Adrenalin-Autoinjektor, Schulung von Familien und Betreuungspersonen, qualifizierte Ernährungsberatung sowie ggf. psychologische Unterstützung. Dabei ist die gezielte Elimination nur für tatsächlich auslösende Allergene sinnvoll – unnötige Karenzen bergen das Risiko eines Toleranzverlustes. Aktuelle Forschung leitet einen Paradigmenwechsel ein: Weg von lebenslanger strikter Meidung hin zu einer kontrollierten „Nahrungsmittelerweiterung“ mit dem Ziel des Toleranzerhalts bzw. -aufbaus. Dazu zählen die Einführung gebackener Allergenformen, stufenweise Food Ladders und die orale Immuntherapie (OIT). Besonders im frühen Kindesalter (< 4 Jahre) zeigen OIT-Studien hohe Desensibilisierungsraten und in Teilen anhaltende Toleranzentwicklung. Präventiv empfehlen die AWMF-Leitlinien die Einführung allergener Lebensmittel wie Ei, Fisch, Erdnuss und Nüsse in altersgerechter Form bereits ab dem vollendeten 4. Lebensmonat, parallel zum Weiterstillen. So verschiebt sich der Fokus von restriktiver Vermeidung hin zu einem aktiven, evidenzbasierten Toleranzmanagement – mit dem Ziel, Lebensqualität und Sicherheit von Kindern und Familien nachhaltig zu verbessern.
Titel
IgE-vermittelte Nahrungsmittelallergien in der Pädiatrie: Diagnostik, Management und neue Therapieansätze – Teil 2
Verfasst von
Dr. Anna Zschocke
Thomas Eiwegger
Publikationsdatum
01.12.2025
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Pädiatrie & Pädologie / Ausgabe 1/2026
Print ISSN: 0030-9338
Elektronische ISSN: 1613-7558
DOI
https://doi.org/10.1007/s00608-025-01321-w
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Bildnachweise
Allergische Reaktion/© soleg / stock.adobe.com