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18.11.2019 | übersichtsarbeit | Ausgabe 3-4/2019 Open Access

Psychotherapie Forum 3-4/2019

Medien und Suizid: der aktuelle Forschungsstand zum Werther- und Papageno-Effekt – eine Übersichtsarbeit

Zeitschrift:
Psychotherapie Forum > Ausgabe 3-4/2019
Autoren:
Benedikt Till, Thomas Niederkrotenthaler
Wichtige Hinweise
Teile dieser Übersichtsarbeit wurden in abgewandelter Form und englischer Sprache veröffentlicht in De Leo & Postuvan (Eds.) (2019), Reducing the Toll of Suicide: Resources for Communities, Groups, and Individuals. Hogrefe Publishing. www.​hogrefe.​com, in Niederkrotenthaler & Stack (Eds.) (2017), Media & suicide: International perspectives on research, theory, & policy. Transaction Books, sowie in der Zeitschrift Suicidologi (https://​www.​med.​uio.​no/​klinmed/​english/​research/​centres/​nssf/​resources/​the-journal-suicidologi/​) (Niederkrotenthaler und Till, in Druck).

Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Zusammenfassung

Suizidales Verhalten wird durch Suiziddarstellungen in den Massenmedien beeinflusst. In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass sensationsträchtige Darstellungen von Suizid in den Medien zu Imitationssuiziden führen. Dieses Phänomen ist in der Wissenschaft auch unter dem Begriff „Werther-Effekt“ bekannt. In einer Reihe von Ländern wurden daher von Expert_Innen für Suizidprävention Medienempfehlungen zur Berichterstattung über Suizid entwickelt, um die Qualität der Berichterstattung über Suizid zu verbessern und in weiterer Folge Imitationssuizide zu verhindern. Nicht alle Darstellungen von Suizid in den Medien sind dabei schädlich. In mehreren Studien konnte gezeigt werden, dass Medienberichte, die auf Personen fokussieren, die sich in einer suizidalen Krise befunden haben, aber in der Lage waren, diese Krise zu bewältigen, zu einem Rückgang an Suizidalität bei Rezipient_Innen führen. In Anlehung an Papageno, den Protagonisten in Mozarts Oper Die Zauberflöte, der seine suizidale Krise bewältigt, wird dieser protektive Effekt in der wissenschaftlichen Literatur auch als „Papageno-Effekt“ bezeichnet. In dieser Übersichtsarbeit werden der gegenwärtige Forschungsstand und die rezentesten Studien zum Werther- und Papageno-Effekt diskutiert. Diese Befunde können Aufschluss darüber geben, wie effektive Medienkampagnen zur Suizidprävention gestaltet sein müssen, um eine möglichst protektive Wirkung ohne Risiko eines schädlichen Effekts zu erzielen. Da die psychologischen Mechanismen des Papageno-Effekts nach wie vor nicht vollständig erforscht sind, sind weitere Untersuchungen zur protektiven Wirkung von Medienberichten über Krisenbewältigungen notwendig, insbesondere Studien mit klinischen Populationen oder anderen Risikogruppen.
Literatur
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