Lithium und seine Auswirkungen auf die Nierenfunktion – Empfehlungen für die Praxis, besonders für ältere Patient*innen
- 27.06.2025
- übersicht
- Verfasst von
- Christian Jagsch
- Gerhard Wirnsberger
- Christian Simhandl
- Erschienen in
- neuropsychiatrie | Ausgabe 4/2025
Zusammenfassung
Zweck und Fragestellung der Übersicht
Trotz seines großen therapeutischen Nutzens, vor allem bei der Akuttherapie und Rezidivprophylaxe bipolar affektiver Störungen, wird Lithium mit einer Vielzahl von Nebenwirkungen assoziiert, wobei die potenzielle Nephrotoxizität eine der bedeutendsten Langzeitrisiken darstellt. Ärzt*innen werden bei Patient*innen im höheren Lebensalter aufgrund von vorliegenden somatischen Erkrankungen, Komedikationen oder verminderter glomerulärer Filtrationsrate (GFR) mit der Frage konfrontiert, ob die Fortführung der Lithium Einnahme noch möglich ist oder eine Therapie überhaupt eingeleitet werden kann. Das Ziel der Arbeit sind praxisrelevante Empfehlungen zu formulieren.
Untersuchungsmethode
Ausführliche aktuelle Literaturrecherche in PubMed, Web of Science und Google Scholar zum Thema Behandlung mit Lithium bei Patient*innen mit bipolaren und unipolar affektiven Erkrankungen und möglichen Folgen auf die Nierenfunktion, vor allem in der Langzeittherapie und im Alter. Eine Fallgeschichte soll die klinische Praxis verdeutlichen.
Ergebnisse und Schlussfolgerungen
Lithium bleibt trotz seiner nephrotoxischen Potenziale ein wichtiges Medikament in der Behandlung bipolarer und unipolarer affektiver Störungen. Die Balance zwischen therapeutischem Nutzen und potenziellen Risiken erfordert eine enge Überwachung und eine individuelle Therapieanpassung.
Das Risiko für eine Lithium-induzierte Nephropathie steigt mit der Dauer der Lithium-Behandlung, dem Lebensalter und der Häufigkeit von Überdosierungen. Heute wird ein Lithium-Spiegel zwischen 0,6 und 0,8 mMol/L bevorzugt.
Bei älteren Patient*innen und gutem Ansprechen wird am unteren Ende des therapeutischen Bereichs 0,4–0,6 mEq/L (mMol/L) behandelt. Eine Lithium-Therapie sollte in regelmäßigen Abständen mit Labor- und 12 h Spiegelkontrollen (alle 3 Monate) überwacht werden, bei älteren Patient*innen alle 8–10 Wochen. Sollte die GFR unter 30 ml/min/1,73 m2 liegen, sollte eine nephrologische Konsultation eingeholt werden und die Lithiumbehandlung überdacht werden. Bei einer GFR von unter 45 ml/min/1,73 m2 sollte bei älteren Patient*innen keine Lithiumtherapie mehr eingeleitet werden. Die Entscheidung über das Absetzen oder die Neueinleitung einer Lithiumtherapie sollte stets individuell und interdisziplinär getroffen werden, unter Berücksichtigung des therapeutischen Nutzens und der Gefahren, die eine neue Episode mit sich bringt, und der potenziellen nephrotoxischen Risiken.
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- Titel
- Lithium und seine Auswirkungen auf die Nierenfunktion – Empfehlungen für die Praxis, besonders für ältere Patient*innen
- Verfasst von
-
Christian Jagsch
Gerhard Wirnsberger
Christian Simhandl
- Publikationsdatum
- 27.06.2025
- Verlag
- Springer Vienna
- Erschienen in
-
neuropsychiatrie / Ausgabe 4/2025
Print ISSN: 0948-6259
Elektronische ISSN: 2194-1327 - DOI
- https://doi.org/10.1007/s40211-025-00532-8
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