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Lachen, ganz viele Minuten lang

  • 21.11.2025
  • Leben
  • Zeitungsartikel
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Der Ärzteball verbindet Eleganz mit Empathie – und zeigt, dass Engagement weit über Tanzparkett und Sektflöten hinausgeht. Dank Dr. Isabella Heissenberger-Mass und ihrem Team hat sich die Ballnacht in der Hofburg zu einem Fest der Menschlichkeit entwickelt, bei dem Lebensfreude, Hilfe und Hoffnung Hand in Hand tanzen.

Die Ballvorbereitungen begannen schon im Sommer: Dr. Rosi Rosa(CliniClowns),Dr. Isabella Clara Heissenberger-Mass (Ballreferentin des Wiener Ärzteballs), Elisabeth Pelanek-Völk (stv. Ballreferentin), Eva Radinger(Geschäftsführerin CliniClowns Austria), Prof. Susanne Greber-Platzer (Univ. -Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde), Dr. Hänsel (CliniClowns).


Es waren schöne, glänzende Zeiten . Der Blick in die Vergangenheit des Ärzteballs gegossen in einen Satz des Romantikers Novalis. Dr. Isabella Heissenberger-Mass ist ein wichtiger Teil der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Balls. Mit ihrem Team organisiert sie erneut die von der Wiener Ärztekammer ausgerichtete Ballnacht in der Hofburg. Ein Ball, der mehr ist als ein gesellschaftliches Ereignis.

Heissenberger-Mass ist stolz darauf, die Tanzveranstaltung zu einem Charity-Event umgeformt zu haben. Der Reinerlös des Balls kommt Jahr für Jahr einer NGO zugute; im Vorjahr war das die WE&ME Foundation für ME/CFS, heuer steht die Ball-Nacht im Zeichen der CliniClowns. „Wir haben ganz klein angefangen, mittlerweile dürfen wir den Reinerlös des Abends in den Dienst der guten Sache stellen.“

Auch wenn der Ärzteball 2026 ein rechter Zirkus werden wird, den einen oder anderen bunten Hingucker gab es schon 2025. Zum Beispiel das Ballkleid von Dr. Rina Demjaha aus Graz. Springer-Geschäftsführer DI Alexander Barta sprangen die besonderen Motive darauf gleich ins Auge. 


Frischer Wind weht durch Spitäler

Hierzulande gibt es eine Berufsgruppe, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt – und doch für viele Menschen unersetzlich ist: die Klinikclowns. Ihre Mission ist einfach und zugleich tiefgreifend: Sie bringen Lachen, Leichtigkeit und Menschlichkeit an Orte, an denen Angst, Schmerz und Unsicherheit oft dominieren. Seit 1991 besuchen die CliniClowns Österreich Krankenhäuser, Pflegeheime und Palliativstationen. Heute umfasst der Verein 73 Clowns, die jährlich rund 150 Einrichtungen besuchen – und dabei, wie sie selbst sagen, „frische Luft in ein Zimmer bringen“.

Einer von ihnen ist Edouard Raix. Der Franzose, ursprünglich Schauspieler und Musiker, arbeitet seit mehr als zehn Jahren als Klinikclown. Als „Dr. Bouillon“ mit roter Nase, Mini-Gitarre und schelmischem Blick übt er sich in der Kunst der Begegnung mit Menschen – individuell, respektvoll, improvisierend. Denn im Krankenhaus gibt es kein Drehbuch, keine standardisierte Nummer. Jede Begegnung ist einzigartig, jede Stimmung neu. Das Ziel: nicht bespaßen, sondern berühren. Nicht ablenken, sondern verbinden.

Die Clowns engagieren sich in Kinderstationen ebenso wie in geriatrischen Einrichtungen, auf Demenz- und Wachkoma-Stationen, in der Onkologie und sogar auf Palliativstationen. Dort, wo Worte manchmal nicht mehr erreichen, arbeiten sie mit Blicken, Gesten und Musik. „Wir sind eine Extrawurst“, sagt Raix augenzwinkernd. „Wir kommen ohne Behandlung, ohne Tabletten, aber mit etwas, das manchmal genauso wichtig ist: echtem menschlichen Kontakt.“ Oft reichen 30 Sekunden, ein kleiner Moment des Lächelns, ein Luftballon, ein Lied, um spürbar etwas zu verändern.

Ihre Arbeit ist feinfühlig, aber nicht immer leicht. Deshalb treten sie stets zu zweit auf. Das Duo hilft, Emotionen aufzufangen, flexibel zu reagieren, die Richtung zu wechseln – und nicht zuletzt, füreinander da zu sein. Auch der Kontakt zum medizinischen Personal ist für die Tätigkeit der Organisation entscheidend.

Vor jeder Visite holen die Clowns Informationen ein: Wo ist Vorsicht geboten? Wer braucht heute etwas mehr Zuwendung? Hygiene und Empathie sind ihre Grundpfeiler. Gleichzeitig sind sie für das Pflegepersonal willkommene Entlastung – und manchmal sogar spielerische Verbündete.

Lachen wirkt. Was oft wie eine Floskel klingt, ist belegt: Humor kann Stress reduzieren, Schmerzen subjektiv lindern und soziale Nähe schaffen. Die CliniClowns haben seit ihrer Gründung mehr als 1,6 Millionen Patientinnen und Patienten besucht – und „Millionen Lachminuten“ gesammelt, wie Raix sagt.

Fast vollständig durch Spenden finanziert, zeigen sich die CliniClowns nicht nur in Krankenhäusern, sondern auch bei Benefiz-Veranstaltungen, in Schulen oder bei Firmenaktionen –, und zwar immer mit dem Ziel, ihre Arbeit sichtbar zu machen. „Wir brauchen Lachen, besonders in einer Welt wie dieser“, sagt Raix. „Und wir Clowns können Türen öffnen, wo andere verschlossen bleiben.“ Am Ende geht es aber nicht um Kostüme, Schaumstoffnasen oder Gitarre. Es geht um Begegnung. Um echte Momente.

Ein schönes Bild als Motto

Während die so großzügig bedachte Hilfsorganisation von Jahr zu Jahr wechselt, bleibt das Motto des Ärzteballs – bis auf weiteres – unverändert: Ein Tanz für das Leben. Ärzteball-Organisationschefin Isabella Heissenberger-Mass erklärt: „Ich hoffe, dass jeder durchs Leben tanzen darf und glücklich ist, trotz aller Schicksalsschläge, die man nicht beeinflussen kann. Diese gewisse Leichtigkeit wollen wir auch mit unserem Ballmotto vermitteln.“


Dr. Isabella Heissenberger-Mass, Ärzteball-Organisatorin



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Titel
Lachen, ganz viele Minuten lang
Publikationsdatum
21.11.2025
Zeitung
Ärzte Woche
Ausgabe 49-50/2025
Bildnachweise
CliniClowns/© Stefan Seelig, 11206370/© Stefan Seelig, 11206371/© Stefan Seelig