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Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von vasomotorischen Beschwerden (VMS) in den Wechseljahren

  • Open Access
  • 11.08.2025
  • Menopause
Erschienen in:

Zusammenfassung

Hintergrund

Zwischen 60 und 80 % der Frauen zeigen in der späten menopausalen Transition bis zur frühen postmenopausalen Phase vasomotorische Symptome (VMS). Durch die Beschwerden, die im Schnitt 7,4 Jahre anhalten, werden der Alltag und die Lebensqualität erheblich beeinflusst.

Fragestellung

Ziel des Artikels ist es, den Effekt von kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) auf vasomotorische Symptome von Frauen in den Wechseljahren zu untersuchen.

Material und Methoden

Es wurde eine Literaturrecherche in den elektronischen Datenbanken Medline und Google Scholar durchgeführt. Berücksichtigt wurden randomisierte, kontrollierte Studien, die die Auswirkungen kognitiv-verhaltenstherapeutischer Interventionen auf VMS untersuchen. Publikationen, welche durch Brustkrebs ausgelöste Symptome untersuchen, wurden nicht eingeschlossen.

Ergebnisse

Die aktuelle Studienlage zeigt, dass KVT wirksam zur Linderung von Hitzewallungen eingesetzt werden kann. Zudem konnten auch einzelne KVT-Komponenten wie Achtsamkeitstraining (MBSR), angewandte Entspannung (AR) und progressive Muskelrelaxation (PMR) positive Effekte zeigen, die auch langfristig erhalten blieben. Neben der Reduktion von VMS konnte gezeigt werden, dass KVT auch Schlafstörungen, depressive Symptome, Angst und Stress verbessert und dadurch die Lebensqualität steigert. Gruppentherapien und Selbsthilfeformate erzielten dabei vergleichbare Resultate in der Verbesserung der Symptomatik. Besonders geeignet ist KVT für Frauen, die neben VMS auch unter Depressionen oder Schlafstörungen leiden. Randomisierte, kontrollierte Studien zum direkten Vergleich von Hormonersatztherapie (HRT) und KVT fehlen bislang und weitere Forschung zu dieser Thematik wird benötigt, um den Frauen individuelle und evidenzbasierte Therapieoptionen anzubieten.
Basierend auf der Masterarbeit von Janine von Arx; Betreuung: Prof. Dr. med. Petra Stute, Universitätsklinik für Frauenheilkunde, Inselspital Bern
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Hinweis des Verlags

Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.

Einleitung

Die Menopause ist definiert als die dauerhafte Beendigung der Menstruation durch den Verlust der ovariellen Follikelaktivität und Hormonmangel [1]. Sie wird charakterisiert durch zwölf Monate Amenorrhö nach Ausschluss anderer Ursachen und tritt im Schnitt im Alter von 51 Jahren auf [2]. Vor allem während des über mehrere Jahre andauernden menopausalen Übergangs können verschiedene Beschwerden auftreten, darunter vasomotorische Symptome (VMS) wie Hitzewallungen (HF) und Nachtschweiss (NS). Weiter können Frauen unter Schlafstörungen, Depressionen, Stimmungsschwankungen, Angst, Gewichtsveränderungen, Gedächtnisproblemen oder vulvovaginaler Atrophie leiden [1, 3].
Zwischen 60 und 80 % der Frauen zeigen in der späten menopausalen Transition bis zur frühen postmenopausalen Phase vasomotorische Beschwerden. Die Symptome, die durch plötzliche Hitze im Gesicht und Brustbereich charakterisiert sind, halten meist mehrere Minuten an und treten unterschiedlich oft auf [2]. Die durchschnittliche Dauer von vasomotorischen Beschwerden beträgt 7,4 Jahre [4]. Vasomotorische Symptome kommen in den meisten Ländern häufig vor. Sie werden aber durch verschiedene Faktoren beeinflusst, einschliesslich Klima, Ernährung, Lebensstil, Rolle der Frau, Einstellung zum Ende des reproduktiven Lebens und Alterung [5]. Obwohl vasomotorische Symptome bei Frauen in allen Gesellschaftsschichten auftreten, sind jene mit geringem sozioökonomischem Status und niedrigerem Bildungsniveau stärker betroffen. Gleiches gilt für übergewichtige und dunkelhäutige Frauen sowie Raucherinnen [4].
Eine Hitzewallung wird als unerwünschtes Wärmegefühl empfunden, das in der Regel in der Brustregion beginnt, nach oben aufsteigt und durchschnittlich drei bis vier Minuten anhält. Manchmal gehen Angst oder Herzklopfen voraus. Die Pathophysiologie von VMS wird noch nicht vollständig verstanden, die Mechanismen entstehen aber durch ein Zusammenspiel zwischen dem zentralen Nervensystem, endokrinen Komponenten und dem peripheren Gefässsystem [4]. Es wird angenommen, dass Hitzewallungen durch eine Dysfunktion des thermoregulatorischen Nukleus im Hypothalamus entstehen [6]. Viele mögliche Faktoren werden in Betracht gezogen, darunter Gonadotropine und neurohumorale Wege. Verändert sich die Körperkerntemperatur innerhalb der thermoneutralen Zone, werden keine kompensatorischen Mechanismen wie Schwitzen ausgelöst. Diese Zone ist bei symptomatischen Frauen weniger breit gefasst, wodurch Hitzewallungen ausgelöst werden. Vermutet wird eine vermehrte zentrale noradrenerge Aktivierung, die durch das Absinken des Östrogenspiegels verstärkt wird [7]. Daneben werden hypothalamische Serotoninrezeptoren hochreguliert, welche involviert sind in die Temperaturregulation und somit auch zur Entwicklung von Hitzewallungen beitragen [6]. Ein weiterer Bestandteil des VMS-Mechanismus ist die Wechselwirkung von Kisspeptin‑, Neurokinin-B- und Dynorphin(KNDy)-Neuronen innerhalb des Hypothalamus. Diese Neuronen hypertrophieren in der Menopause durch die niedrigen Konzentrationen an Östrogenen und Gonadotropinen. KNDy-Neuronen haben Verbindungen zu östrogenempfindlichen Thermoregulationszentren im Gehirn. Neue Studien zeigen, dass die Blockierung dieses KNDy-Neuronensystems bei der Behandlung von VMS wirksam sein kann [4].
Ungeachtet der Häufigkeit und des Schweregrads sind Hitzewallungen assoziiert mit schlechtem Schlaf und depressiver Stimmung, welche zu Müdigkeit, Irritabilität, Vergesslichkeit und verminderter Arbeitsleistung führen. Folglich beeinflussen menopausale Symptome den Alltag und die Lebensqualität erheblich [8].

Therapiemöglichkeiten von VMS

Die S3-Leitlinien der deutschen, österreichischen und schweizerischen Gesellschaften für Gynäkologie und Geburtshilfe empfehlen nach einer umfassenden Aufklärung über die langfristigen Nutzen und Risiken die Hormonersatztherapie (HRT) zur Behandlung von vasomotorischen Symptomen (VMS). Darüber hinaus können auch nichthormonelle Therapien wie SSRI, SNRI, Clonidin und Gabapentin in Betracht gezogen werden, die jedoch nicht als Erstlinientherapie bei VMS eingesetzt werden sollten. Alternativtherapien wie kognitive Verhaltenstherapie (KVT), Isoflavone und Cimicifuga-Präparate (Cimicifuga racemosa = Traubensilberkerze) werden ebenfalls diskutiert, wobei ihre Empfehlung jedoch nicht verbindlich ist [9].

Hormontherapie

Die Hormontherapie (HT) wird seit vielen Jahren zur Behandlung von vasomotorischen Symptomen verwendet und bleibt die effektivste verfügbare Behandlung. Trotzdem ist die Verwendung von HT zurückgegangen, seitdem in der Women’s-Health-Initiative-Studie festgestellt wurde, dass die Langzeitanwendung von Hormonen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Endometriumhyperplasie, Schlaganfall, venöse Thromboembolien und Gallenblasenerkrankungen erhöht. Zudem wurde eine erhöhte Inzidenz von Brustkrebs festgestellt, was schliesslich zum Abbruch der Studie führte [10, 11]. Um die Risiken zu minimieren, sollte daher jeweils die niedrigste effektive Dosis der Hormontherapie für die kürzeste Dauer verschrieben und regelmässig reevaluiert werden [12]. Bei symptomatischen Frauen unter 60 Jahren oder weniger als zehn Jahre nach der Menopause überwiegen die Vorteile einer Hormontherapie gegenüber den Risiken [13].
Eine Hormontherapie kann in verschiedenen Formen angewendet werden, beispielsweise oral, transdermal mittels Pflaster, als Implantat oder Creme [14]. Verglichen mit oralem Östrogen umgeht transdermales Östrogen den hepatischen First-Pass-Effekt, wodurch weniger unerwünschte Wirkungen auf die Koagulation und inflammatorische Biomarker entstehen. Dadurch werden möglicherweise venöse Thromboembolien vermieden [12]. Hormontherapiepräparate mit Östrogen sind vor allem indiziert für Frauen nach Hysterektomie [14]. Frauen mit einem Uterus in situ sollten zusätzlich ein Progesteron verschrieben bekommen oder Östrogen in Kombination mit Bazedoxifen erhalten, um das Risiko für Endometriumhyperplasie und Krebs zu reduzieren [12]. Tibolon ist ein synthetisches Steroid, das die Östrogenaktivität selektiv im Gewebe reguliert und wie Bazedoxifen zu den selektiven Östrogenrezeptormodulatoren (SERM) gehört. Zusammen mit Östrogen bilden SERM einen gewebeselektiven Östrogenkomplex (TSEC), wobei östrogenantagonistische Effekte auf die Brust das Krebsrisiko senken können, während östrogenagonistische Effekte auf den Knochen die Knochendichte erhöhen [15].

Nichthormonell

Bei Frauen, welche keine Hormontherapie anwenden möchten oder Kontraindikationen aufweisen, können nichthormonelle Alternativen wie selektive Serotoninwiederaufnahmehemmer (SSRI), selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), Clonidin, γ‑Aminobuttersäure(GABA)-Analoga oder Neurokinin-3-Rezeptor(NK3R)-Antagonisten eingesetzt werden [15]. Diese Alternativen sind wirksam, jedoch weniger effektiv in der Behandlung von vasomotorischen Beschwerden in der Menopause als die Hormontherapie [12].
Über die Wirkungsmechanismen von Antidepressiva auf vasomotorische Symptome ist wenig bekannt, es wird aber angenommen, dass Serotonin und Noradrenalin auf unterschiedlichen Ebenen bei der Regulierung der Körpertemperatur und der Entstehung von Hitzewallungen beteiligt sind. Paroxetin (SSRI) und Venlafaxin (SNRI) reduzieren nachweislich den Schweregrad und die Häufigkeit von Hitzewallungen. Zu den Nebenwirkungen zählen Mundtrockenheit, Übelkeit, Verstopfung und Gewichtszunahme. Durch ihre Wirkungsweise eignen sie sich besonders für Frauen, die neben vasomotorischen Beschwerden auch an Depressionen oder Angst leiden [16, 17].
Gabapentin ist ein γ‑Aminobuttersäure(GABA)-Analogon, dessen Wirkungsweise auf die Linderung von Hitzewallungen unklar ist. Es wird angenommen, dass die thermoregulatorische Zone durch die Affinität von Gabapentin zu den Kalziumkanälen im Hypothalamus verbreitert wird, wodurch Hitzewallungen weniger häufig auftreten. Die Wirksamkeit entspricht jener der Antidepressiva, wodurch Gabapentin als Alternative zur Hormontherapie in Betracht gezogen werden kann. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Schwindel und Schläfrigkeit, wodurch Frauen mit zusätzlich assoziierten Schlafstörungen profitieren können [18].
Clonidin ist ein α2-adrenerger Agonist, der häufig zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. Der Wirkmechanismus beruht wahrscheinlich auf der Verengung der thermoneutralen Zone im Hypothalamus durch die Senkung des Noradrenalinspiegels in der Menopause. Studien zeigen eine Verbesserung von vasomotorischen Beschwerden, die Wirkung ist jedoch geringer als bei Antidepressiva. Clonidin hat verschiedene Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit, Hypotonie und Mundtrockenheit [18].
Pathophysiologisch entstehen VMS durch spezialisierte KNDy-Neuronen, die den Neurokinin-B-Signalweg am Neurokinin-3-Rezeptor im Hypothalamus verwenden. Fezolinetant ist ein NK3R-Antagonist mit grossem Potenzial in der Behandlung von vasomotorischen Symptomen. Generell wird das Medikament gut vertragen mit milden Nebenwirkungen wie gastrointestinalen Beschwerden, Kopfschmerzen und Infektionen der oberen Atemwege [15, 17].

Alternativtherapie

Durch die Vielzahl an Nebenwirkungen hormoneller und nichthormoneller Möglichkeiten der Therapie von vasomotorischen Symptomen ist das Interesse von Patientinnen sowie von Ärztinnen und Ärzten an komplementären und alternativen Behandlungsoptionen gestiegen [10]. Jährlich investieren Frauen Millionen an Dollar für Komplementärmedizin, obwohl bisher keine Vorteile gegenüber der klassischen Therapie nachgewiesen werden konnten [19]. Zu den beliebtesten komplementären Therapien weltweit gehören unter anderem Phytoöstrogene oder Mind-body-Therapien wie Yoga oder Entspannung [13].
In Studien wurde gezeigt, dass Phytoöstrogene wie Soja-Isoflavone oder Genistein vasomotorische Symptome durch östrogenähnliche Effekte lindern können. Die Wirkung beschränkt sich vor allem auf das zentrale Nervensystem, Knochen, Gefässe und Haut, womit vasomotorische Symptome reduziert werden können, unerwünschte östrogene Effekte auf Brust oder Uterus aber ausbleiben. Zu den weiteren Phytotherapien gezählt werden Präparate mit Traubensilberkerze und Johanneskraut, die miteinander kombiniert zu einer signifikanten Verbesserung von Hitzewallungen führen [10].
Yoga, Akupunktur und Hypnose können vasomotorische Symptome signifikant reduzieren, wenn sie mit inaktiven Kontrollen verglichen werden [10]. Die Evidenz für die nützlichen Effekte von Yoga ist aber gering und auch bei der Akupunktur konnten keine signifikanten Unterschiede zur Sham-Akupunktur (Scheinakupunktur) festgestellt werden, wodurch die regelmässige Anwendung nicht als Therapie für Hitzewallungen empfohlen wird [6, 18].
Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass psychologische Faktoren einschliesslich emotionaler Reaktionen wie Angst, Verlegenheit oder negativer Gedanken das Erleben von vasomotorischen Symptomen beeinflussen können [20]. Die Evidenz von Mind-body-Therapien wie Entspannung oder „paced breathing“ ist gemischt. Die Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass vasomotorische Symptome abgeschwächt werden können [10].

Kognitive Verhaltenstherapie (KVT)

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine verbreitete integrative Therapie, bei der Techniken der Verhaltenstherapie mit Techniken der kognitiven Therapie kombiniert werden [21]. Generell soll dem Patienten dazu verholfen werden, seine individuelle Verknüpfung verzerrten Denkens und nicht zielführenden Verhaltens zu erkennen. Systematische kognitive Bearbeitung und sorgfältig strukturierte Verhaltensaufgaben sollen ihn unterstützen, in beiden Bereichen Probleme zu erkennen und zu verändern. Je nach Störung werden spezifische kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungen entwickelt, wobei bei einigen Aspekten der behaviorale, bei anderen der kognitive Anteil dominiert [22].
Die Verhaltenstherapie geht davon aus, dass ein Symptom oder eine Störung eine gelernte Reaktion darstellt, die den gewandelten Umweltanforderungen nicht mehr genügt. In der Therapie wird das Verhalten in neuen Kontexten gelernt. Kognitive Therapien nehmen Einfluss auf die Wahrnehmung, Interpretation, Bewertung und Beurteilung von Prozessen. Kernstück ist die kognitive Umstrukturierung dysfunktionaler Denkmuster durch Erarbeiten adäquater Alternativen [21]. Weitere Beispiele für spezifische kognitive und verhaltenstherapeutische Strategien sind Exposition, Verhaltensaktivierung, Entspannungstechniken und Achtsamkeitsübungen [23].
Hunter und Liao haben eine kognitive Verhaltenstherapie für menopausale Hitzewallungen entwickelt, die aus vier jeweils einstündigen Sitzungen besteht. Inhalt dieser Sitzungen sind neben dem Lernen von Muskelrelaxation und rhythmischem Atmen auch die Information über Hitzewallungen, die Rolle von Stress und eine Diskussion über die Menopause generell [23]. Durch gezielte Informationen werden mittels rhythmischen Atmens und Stressmanagements Trigger vermieden und damit der Schwellenwert für Hitzewallungen erhöht. Ablenkung, KVT und Achtsamkeitstraining führen zu einer Fokusverschiebung weg von den störenden Symptomen sowie zu einer veränderten Bewertung. Verhaltensveränderungen bewirken weniger soziales Vermeidungsverhalten und ausserdem eine bessere Schlafqualität durch Schlafhygiene [24].
Eine Unterform der KVT stellt die achtsamkeitsbasierte kognitive Therapie dar, welche die Prinzipien der kognitiven Therapie mit Meditation und Achtsamkeitsübungen kombiniert [25]. Durch Achtsamkeitstraining kann gelernt werden, Gedanken, Gefühle und Empfindungen genauer zu erkennen und zu unterscheiden. Dies ermöglicht der Person, die Ereignisse zu beobachten, zu bewerten und eine angepasste Reaktion darauf zu zeigen [26]. Diese flexiblere Beziehung zu den eigenen Gedanken schafft Hinweise auf eine bessere psychische Gesundheit und ein gesteigertes subjektives Wohlbefinden [25]. Die angewandte Entspannung ist eine andere Unterform der KVT, die Bewältigungsmechanismen und Konditionierung verwendet. Sie fokussiert sich auf Muskelentspannung, wobei die Atmung für die Konditionierung der Entspannung genutzt wird. Ziel ist es, durch richtiges Atmen eine schnelle Entspannung zu erreichen, beispielsweise bei Hitzewallungen [27]. Bei der progressiven Muskelrelaxation (PMR) werden systematisch nacheinander einzelne Muskelgruppen angespannt bei gleichzeitigem tiefem Einatmen. Diese Spannung wird danach mittels Ausatmen gelöst, während der gedankliche Fokus auf der Entspannung liegt [28].

KVT zur Behandlung von VMS

Fragestellung

Im folgenden Abschnitt wird der Effekt von kognitiver Verhaltenstherapie auf vasomotorische Symptome bei Frauen in der Menopause diskutiert. Zusätzlich wird untersucht, wie sich kognitiv-verhaltenstherapeutische Interventionen auf Schlafstörungen, depressive Symptome und die allgemeine Lebensqualität auswirken. Eine systematische Literaturrecherche wurde durchgeführt, um die aktuelle Datenlage zu erfassen und einzuordnen.

Methode

Es wurde eine Literatursuche zur kognitiven Verhaltenstherapie bei vasomotorischen Symptomen in der Menopause durchgeführt. Dazu wurden die elektronischen Datenbanken Medline und Google Scholar benutzt und die Schlagwörter „menopause“, „vasomotor symptoms“ und „cognitive behavioral therapy“ verwendet. Neben der elektronischen Datenbankrecherche wurden Referenzlisten aus relevanten Publikationen auf angemessene Studien untersucht. Eingeschlossen wurden nur randomisierte, kontrollierte Studien (RCT), welche die Auswirkungen kognitiv-verhaltenstherapeutischer Interventionen auf vasomotorische Symptome von Frauen in der Menopause untersuchen. Studien, die Frauen mit durch Brustkrebsbehandlungen ausgelösten vasomotorischen Beschwerden untersuchen, wurden nicht berücksichtigt.

Resultate

Sechs randomisierte, kontrollierte Studien wurden eingeschlossen. Drei der Studien untersuchten den Effekt von kognitiver Verhaltenstherapie auf vasomotorische Symptome bei postmenopausalen Frauen [20, 29, 30]. Die drei anderen Studien untersuchten die Auswirkungen von einzelnen Bestandteilen der KVT auf die Beschwerden, und zwar der achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie [26], der angewandten Entspannung [27] und der Gesundheitsedukation mit progressiver Muskelentspannung [28]. Alle sechs Studien verglichen die Intervention mit einer Wartekontrollgruppe. Einschlusskriterien waren bei allen Studien die Peri- oder Postmenopause mit problematischen Hitzewallungen und Nachtschweiss. Ausgeschlossen wurden Frauen, die an Brustkrebs erkrankt sind [20, 2630].
In der Studie von Ayers et al. wurden 140 Frauen in drei Gruppen randomisiert. Die Gruppen-KVT bestand aus wöchentlichen zweistündigen Sitzungen über vier Wochen, die Selbsthilfe(SH)-KVT-Gruppe führte in dieser Zeit Anweisungen aus einem Selbsthilfebuch durch. Die Kontrollgruppe (KG) erhielt keine KVT. Die Resultate wurden mittels der Hot Flush Rating Scale (HFRS) und des Women’s Health Questionnaire (WHQ) gemessen (Tab. 1; [20]).
Tab. 1
Ergebnisse zu KVT bei VMS
Studie
Studiendesign
Studienkohorte
Messgeräte
Intervention
Scores Baseline (VI oder SD)
Scores nach Intervention (VI oder SD; p-Wert)
Scores Follow-up (VI oder SD; p-Wert)
Menos2, Ayers et al. [20]
Randomisierte, kontrollierte Studie
140 postmenopausale Frauen
„HF problem rating“
Gruppen-KVT
6,00 (2,15)
3,01 (2,11; p < 0,001)
2,86 (2,11; p < 0,001)
Selbsthilfe-KVT
5,84 (1,93)
2,96 (1,76; p < 0,001)
3,07 (1,93, p < 0,01)
KG
5,79 (2,76)
4,97 (2,44)
4,18 (2,45)
Gruppen-KVT vs. KG
−2,124 (−2,883 bis −1,364; p < 0,001)
−1,331 (−2,127 bis −0,536; p = 0,001)
Selbsthilfe-KVT vs. KG
−2,078 (−2,864 bis −1,292; p < 0,001)
−1,192 (−2,024 bis −0,362; p = 0,005)
WHQ, depressive Stimmung
Gruppen-KVT
0,27 (0,22)
0,16 (0,20, p < 0,001)
0,19 (0,20)
Selbsthilfe-KVT
0,33 (0,23)
0,21 (0,19, p < 0,05)
0,15 (0,18)
KG
0,30 (0,28)
0,28 (0,24)
0,23 (0,20)
CBT-Meno, Green et al. [29]
Randomisierte, kontrollierte Studie
71 peri- oder postmenopausale Frauen
HFRDIS
Gruppen-KVT
56,24 (21,01)
30,54 (26,49)
KG
59,61 (18,90)
53,56 (23,80)
GCS-vm
Gruppen-KVT
4,30 (1,41)
3,05 (1,78)
KG
4,62 (1,37)
4,11 (1,53)
BDI-II
Gruppen-KVT
25,62 (7,89)
17,03 (10,99)
KG
25,79 (8,10)
23,94 (9,78)
PSQI
Gruppen-KVT
11,32 (3,27)
9,06 (3,85)
KG
12,39 (5,52)
12,85 (5,61)
Menos @ work, Hardy et al. [30]
Randomisierte, kontrollierte Studie
124 postmenopausale Frauen
„HF/NS problem rating“
Selbsthilfe-KVT
6,25 (1,97)
4,38 (2,21)
4,36 (2,29)
KG
6,80 (1,90)
6,16 (2,31)
5,80 (2,30)
„HF/NS frequency“
Selbsthilfe-KVT
53,13 (34,34)
40,59 (26,05)
34,28 (27,62)
KG
54,28 (38,11)
54,02 (43,00)
46,03 (37,92)
„WHQ, well-being“
Selbsthilfe-KVT
71,11 (15,65)
71,40 (19,72)
75,79 (16,44)
KG
66,94 (19,47)
67,92 (19,58)
67,54 (17,30)
PSQI
Selbsthilfe-KVT
1,82 (0,81)
1,30 (0,67)
1,40 (0,77)
KG
1,85 (0,82)
1,69 (0,78)
1,66 (0,78)
HF Hitzewallung, NS Nachtschweiss, WHQ Women’s Health Questionnaire, HFRDIS Hot Flash Related Daily Interference Scale, GCS Greene Climacteric Scale, BDI-II Beck Depression Inventory, PSQI Pittsburgh Sleep Quality Index, KVT kognitive Verhaltenstherapie, KG Kontrollgruppe, VI Vertrauensintervall, SD Standardabweichung
Nach sechs Wochen konnte durch die Gruppen-KVT eine Reduktion des HFRS-Scores um 2,12 Punkte (p < 0,001) im Vergleich zur KG beobachtet werden, durch die Selbsthilfe-KVT fiel die Punktzahl um 2,08 (p < 0,001). Somit erfuhren 65 % respektive 73 % der Gruppen- bzw. SH-KVT eine klinisch signifikante Verbesserung in der HFRS. Nach 26 Wochen betrug die Reduktion 63 % (Gruppen-KVT), 72 % (SH-KVT) und 33 % (KG). Hinsichtlich der HF-Frequenz konnte kein signifikanter Unterschied zwischen der KG und den beiden Interventionsgruppen festgestellt werden. Die NS-Frequenz reduzierte sich hingegen nach sechs Wochen signifikant bei der Gruppen-KVT (p < 0,05) und in beiden Interventionsgruppen beim Follow-up (Gruppe p < 0,005, SH p < 0,05). Bezüglich depressiver Stimmung vermeldeten beide KVT-Gruppen nach sechs Wochen eine Reduktion im Vergleich mit der KG (Gruppen-KVT SD 0,13, SH-KVT SD 0,08). In der Unterkategorie Schlaf des WHQ zeigte sich einzig in der Selbsthilfegruppe nach sechs Wochen eine signifikante Verbesserung (p < 0,05). Demzufolge konnten die Interventionen VMS wie auch depressive Stimmung und Schlafstörungen reduzieren [20].
In der CBT-Meno-Studie wurden 71 Frauen in eine KVT-Interventionsgruppe oder eine Wartelistenkontrollgruppe eingeteilt. Die kognitive Verhaltenstherapie fand zwölfmal mit jeweils zwei Stunden pro Woche in kleinen Gruppen statt. Messgeräte waren die Hot Flash Related Daily Interference Scale (HFRDIS), Beck Depression Inventory (BDI-II), Greene Climacteric Scale (GCS-vm) und der Pittsburgh Sleep Quality Index (PSQI; Tab. 1; [29]).
Im Vergleich zur Kontrollgruppe konnte die KVT die Beeinträchtigung durch VMS auf der HFRDIS um 19,65 Punkte reduzieren (KVT −25,7, KG −6,05). Auch die Reduktion auf der GCS-vm war bei der Interventionsgruppe signifikant höher (KVT −1,25, KG −0,51). Beim initialen Assessment erfüllten über 70 % der Frauen die Kriterien für eine depressive Erkrankung. Nach zwölf Wochen betrug dieser Anteil in der Interventionsgruppe 32,4 % und in der Kontrollgruppe 61,8 % (BDI-II KVT −8,58, KG −1,85). Der PSQI zeigte eine signifikante Verbesserung der Schlafprobleme (KVT −2,26, KG +0,46). Die Daten dieser Studie zeigen somit neben einer Reduktion der VMS auch weniger depressive Symptome und Schlafstörungen [29].
Hardy et al. verglichen in ihrer Studie eine Selbsthilfe-KVT mit einer Wartelistenkontrollgruppe. Die Probandinnen aus der Interventionsgruppe erhielten eine Selbsthilfe-KVT-Broschüre, die sie in vier Wochen durcharbeiten sollten. An der Studie haben insgesamt 124 Frauen teilgenommen. Gemessen wurden die Resultate mittels der HFRS, dem WHQ und dem PSQI (Tab. 1; [30]).
Der korrigierte Mittelwert in der HFRS reduzierte sich nach sechs Wochen um 1,49 Punkte (p < 0,001) zugunsten der Selbsthilfe-KVT und nach 20 Wochen um 1,09 Punkte (p < 0,01). Obwohl das Auftreten von Hitzewallungen und Nachtschweiss sehr variabel war, reduzierte sich die Frequenz bei der Selbsthilfe-KVT nach sechs Wochen durchschnittlich um 24 % (KG 0,5 %) respektive nach 26 Wochen um 35,5 % (KG 15 %). Das Unterkapitel Wohlbefinden des WHQ zeigte nach 20 Wochen signifikante Unterschiede im Vergleich zur KG. Die Differenz des korrigierten Mittelwerts beträgt 1,70 und 6,62 Punkte (p < 0,01) nach sechs respektive 20 Wochen. Bei der am PSQI gemessenen Schlafqualität konnten sowohl nach sechs (−0,41, p < 0,001) wie auch nach 20 Wochen (−0,24, P < 0,05) signifikante Verbesserungen festgestellt werden. Damit konnten die Probandinnen in der Studie besser mit ihren VMS umgehen und auch die subjektive Schlafqualität wurde durch die Selbsthilfe-KVT langfristig positiv beeinflusst [30].
In der Studie von Carmody et al. wurden 110 Frauen in eine Interventionsgruppe mit Achtsamkeitstraining („mindfulness-based stress reduction“ [MBSR]) und in eine Wartelistenkontrollgruppe eingeteilt. Die Interventionsgruppe besuchte während neun Wochen jeweils einmal in der Woche ein 2,5-stündiges Achtsamkeitstraining, wobei das Training in der sechsten Woche einen ganzen Tag dauerte. Das Ausmass der Beeinträchtigung durch VMS wurde mittels Tagebüchern erfasst, deren Inhalt auf einer Vier-Punkte-Skala von überhaupt nicht (1) bis extrem stark (4) durch VMS beeinträchtigt eingestuft wurde. Weitere Messinstrumente waren die Fragebögen Menopause-related Quality of Life, Women’s Health Initiative Insomnia Rating Scale (WHIIRS), Hospital Anxiety and Depression Scale – Anxiety (HADS-A) und Perceived Stress Scale (PSS; Tab. 2; [26]).
Tab. 2
Ergebnisse zu MBSR, AR und HE+PMR bei VMS
Studie
Studiendesign
Studienkohorte
Messgeräte
Intervention
Scores Baseline (SD)
Baseline bis 9 Wochen (VI oder SD)
9 bis 20 Wochen (VI oder SD)
Carmody et al. [26]
Randomisierte, kontrollierte Studie
110 peri- und postmenopausale Frauen
„Bother from HF“
MBSR
3,29 (0,55)
2,71 (2,49–2,93)
2,50 (2,25–2,75)
KG
3,07 (0,54)
2,82 (2,60–3,04)
2,72 (2,47–2,97)
„Quality of life“
MBSR
4,33 (1,1)
−0,71 (0,14)
−0.27 (0,12)
KG
4,22 (1,0)
−0,26 (0,13)
0,00 (0,12)
WHIIRS („insomnia“)
MBSR
12,3 (4,4)
−2,68 (0,55)
−0,36 (0,57)
KG
11,4 (4,0)
−0,60 (0,54)
−0,13 (0,55)
HADS‑A
MBSR
9,6 (4,3)
−3,05 (0,53)
0,65 (0,51)
KG
7,4 (3,3)
−0,80 (0,54)
0,26 (0,50)
PSS
MBSR
24,5 (7,7)
−4,04 (0,80)
−0,73 (0,70)
KG
23,2 (8,6)
−0,22 (0,78)
0,38 (0,55)
Baseline bis 12 Wochen (SD oder VI; p‑Wert)
Baseline bis Follow-up (SD oder VI; p‑Wert)
Lindh-Astrand et Nedstrand [27]
Randomisierte, kontrollierte Studie
60 postmenopausale Frauen
HF-Frequenz
AR
9,1 (2,8)
4,1 (3,3)
4,4 (3,5)
KG
9,7 (2,6)
7,8 (4,1)
8,0 (3,8)
WHQ
AR
1,00 (1,00–1,00)
0,00 (−0,50–0,00)
−0,50 (−1,00–0,00)
VMS
KG
1,00 (1,00–1,00), p = NS
0,00 (0,00–0,00), p < 0,05
0,00 (0,00–0,00), p = NS
„WHQ sleep problems“
AR
0,67 (0,33–0,67)
−0,33 (−0,67–0,00)
−0,33 (−0,67–0,00)
KG
0,33 (0,00–0,67), p = NS
0,00 (0,33–0,00), p < 0,05
0,00 (0,00–0,33), p < 0,01
2. Assessment (SD)
3. Assessment (SD)
S. Pelit Aksu et A. Sentürk Erenel [28]
Randomisierte, kontrollierte Studie
108 menopausale Frauen
„HF frequency“
HE + PMR
6,75 (4,43)
5,15 (3,40)
4,24 (2,80)
PMR
6,77 (4,11)
5,78 (3,60)
5,13 (3,03)
KG
6,66 (3,91)
7,26 (3,98)
7,63 (4,23)
Effektgrösse f
0,009
0,235
0,406
„NS frequency“
HE + PMR
2,80 (1,80)
1,62 (1,70)
1,48 (1,37)
PMR
3,22 (2,71)
2,79 (2,35)
2,50 (1,90)
KG
3,35 (2,16)
3,75 (2,14)
3,79 (1,97)
Effektgrösse f
0,066
0,336
0,453
Schweregrad HF
HE + PMR
15,03 (1,23)
12,06 (1,08)
8,03 (8,70)
PMR
13,33 (1,16)
12,12 (1,07)
9,41 (8,78)
KG
14,19 (8,90)
16,22 (1,07)
16,59 (1,06)
Effektgrösse f
0,053
0,182
0,488
Schweregrad NS
HE + PMR
5,58 (4,11)
3,72 (3,88)
3,03 (3,11)
PMR
7,05 (6,91)
5,50 (6,02)
5,02 (5,07)
KG
8,36 (4,46)
8,73 (4,94)
8,73 (4,73)
Effektgrösse f
0,214
0,357
0,530
WHIIRS
HE + PMR
14,77 (3,37)
9,94 (3,80)
7,79 (2,99)
PMR
14,25 (4,90)
10,97 (4,29)
9,09 (4,15)
KG
14,05 (2,86)
14,27 (3,17)
13,87 (2,91)
Effektgrösse f
0,072
0,467
0,731
HF Hitzewallung, NS Nachtschweiss, WHIIRS Women’s Health Initiative Insomnia Rating Scale, HADS‑A Hospital Anxiety and Depression Scale – Anxiety, PSS Perceived Stress Scale, WHQ Women’s Health Questionnaire, VMS vasomotorische Symptome, KVT kognitive Verhaltenstherapie, MBSR „mindfulness-based stress reduction“, AR „applied relaxation“, HE „health education“, PMR progressive Muskelrelaxation, KG Kontrollgruppe, VI Vertrauensintervall, SD Standardabweichung
Nach der neunwöchigen Interventionsphase fühlten sich die Probandinnen der MBSR-Gruppe zu 14,77 % und in der Kontrollgruppe zu 6,79 % weniger beeinträchtigt durch VMS. Diese Differenz konnte nach der Intervention aufrechterhalten werden und betrug nach 20 Wochen 21,62 % (p < 0,0001) in der MBSR-Gruppe vs. 10,50 % (p < 0,016) in der WLC-Gruppe. Der Vergleich zwischen den beiden Gruppen war nicht signifikant (p < 0,070). Die Lebensqualität hat sich in der MBSR-Gruppe nach dem MBSR-Training signifikant verbessert (p = 0,022). Die WHIIRS-Punktzahl verringerte sich in der Interventionsgruppe mit 2,68 Punkten signifikant stärker als in der KG mit 0,60 Punkten (p = 0,009). Gleiche Resultate zeigen sich auch in HADS‑A, wo sich die Angstsymptome mit MBSR um 3,05 Punkte reduzierten im Vergleich mit 0,80 Punkten in der KG (p = 0,005). Der wahrgenommene Stress reduzierte sich mit MBSR in neun Wochen um 4,04 Punkte und in der KG um 0,22 Punkte (p = 0,001). Somit verringerte sich bei den Probandinnen in der Interventionsgruppe die subjektive Beeinträchtigung durch VMS wie auch Angstsymptome, Insomnie und Stress [26].
In der Studie von Lindh-Astrand und Nedstrand wurden 60 Frauen in eine Gruppe mit angewandter Entspannung („applied relaxation“ [AR]) oder eine Kontrollgruppe randomisiert. Die AR-Gruppe besuchte während zwölf Wochen zehn Therapiesessions und übte die gelernten Inhalte täglich zu Hause. Die Resultate wurden mit Tagebüchern und dem WHQ erfasst (Tab. 2; [27]).
Nach zwölf Wochen verringerte sich die HF-Frequenz in der AR-Gruppe im Vergleich zur KG signifikant auf 4,1 pro Tag (AR −5,0, KG −1,9, p < 0,001). Dieser Effekt konnte auch bei einem Follow-up nach drei Monaten noch gezeigt werden (p < 0,001). Die mit dem WHQ gemessene Lebensqualität verbesserte sich nach der AR-Intervention signifikant bei den VMS (p < 0,05), bei der depressiven Stimmung konnte hingegen keine Veränderung festgestellt werden. Der Schlaf wurde dagegen sowohl direkt nach der Therapie (p < 0,05) wie auch drei Monate nach Ende der Intervention (p < 0,01) signifikant besser bewertet als in der KG. Die subjektive Schlafqualität verbesserte sich durch AR langfristig und die Belastung durch VMS konnte reduziert werden [27].
Pelit Aksu und Sentürk Erenel randomisierten in ihrer Studie 108 Frauen in eine Gruppe mit progressiver Muskelrelaxation (PMR), eine Gruppe mit Gesundheitsedukation („health education“ [HE]) + PMR und eine Kontrollgruppe. Zur HE erhielten die Probandinnen eine Broschüre mit den nötigen Informationen und für die PMR wurden CDs erstellt, die täglich verwendet werden sollten. Die VMS-Symptome wurden mittels einer visuellen Analogskala und einem Tagebuch erfasst. Zusätzlich wurde die WHIIRS als Messinstrument verwendet (Tab. 2; [28]).
Die HF-Frequenz hat nach acht Wochen signifikant abgenommen in der HE + PMR-Gruppe im Vergleich mit der Kontrollgruppe. Bei der NS-Frequenz reduzierte sich die Anzahl sowohl bei der HE-PMR-Gruppe wie auch bei der PMR-Gruppe signifikant, wobei die Effektgrösse in der HE + PMR-Gruppe grösser war (f: 0,453). Der Schweregrad der VMS nahm in beiden Interventionsgruppen signifikant ab, wobei die jeweils grössere Effektgrösse in der kombinierten HE + PMR-Intervention zu finden war (HF f: 0,488; NS f: 0,530). Verglichen mit der Kontrollgruppe sank auch die Punktzahl bei der WHIIRS nach der Interventionsdauer signifikant in der PMR- und der HE + PMR-Gruppe (HE + PMR f: 0,731). Dies bedeutet, dass die Kombination von HE und PMR vasomotorische Symptome und Insomnie reduzieren kann [28].

Diskussion

Ziel dieses Artikels war es, die Effekte von kognitiver Verhaltenstherapie bei Frauen mit vasomotorischen Symptomen zu untersuchen. Es hat sich herausgestellt, dass sowohl kognitive Verhaltenstherapie wie auch einzelne Komponenten davon als wirksame Therapien bei vasomotorischen Symptomen eingesetzt werden können.
Die Studienlage zeigt, dass Hitzewallungen durch KVT im Vergleich zu einer inaktiven Kontrollgruppe verbessert werden können. Dabei sind die Ergebnisse zwischen der Gruppen- und Selbsthilfe-KVT vergleichbar gut. In allen untersuchten Studien mit Follow-up zeigte sich eine nachhaltige Reduktion der Beschwerden, die auch in Messungen in zeitlichem Abstand zum Ende der Intervention noch nachzuweisen war [20, 29, 30]. Weiter konnte gezeigt werden, dass auch einzelne Bestandteile einer KVT wie MBSR, PMR und AR zu einer Verbesserung führen können. Auch hier bestand der Effekt in einer Follow-up-Untersuchung immer noch [2628]. In der Studie von Carmody et al. reduzierte sich die HF-Frequenz längerfristig repräsentativ, jedoch war dieser Effekt im Vergleich mit der inaktiven Kontrollgruppe knapp nicht signifikant. Obwohl sich die Intensität der HF nicht signifikant verringerte, trug die MBSR dazu bei, dass die Patientinnen ihre bestehenden VMS besser bewältigen konnten [26].
Eine Limitation im Vergleich der Studien ist, dass zur Messung von Hitzewallungen verschiedene Messinstrumente verwendet wurden, darunter Fragebögen (HFRS, HFRDIS, WHQ) sowie Tagebücher. Dabei zeigen die Studien auch grosse individuelle Unterschiede der Probandinnen in der Häufigkeit der Hitzewallungen sowie auch in deren wahrgenommener individueller Belastung. Somit gibt es keine objektiven Messungen der Wirksamkeit einer Intervention, sondern alle gesammelten Daten basieren auf den subjektiven Angaben der Probandinnen. Einzig die MENOS2-Studie arbeitete zusätzlich mit einer objektiven Messung der Hitzewallungen mittels sternaler Hautleitfähigkeit. Diese erwies sich jedoch als schwierig umsetzbar und zeigte zudem eine Diskordanz mit den subjektiv wahrgenommenen Symptomen. Daraus lässt sich schliessen, dass für eine optimale objektive Messmethode weitere Untersuchungen und neue Ansätze benötigt werden.
Zudem verglichen alle genannten Studien eine oder mehrere Interventionsgruppen mit einer inaktiven Kontrollgruppe. Bei dieser Art von Studiendesign kann nicht eingeschätzt werden, inwiefern Faktoren wie die zusätzliche Aufmerksamkeit durch den Austausch mit Therapeuten oder anderen Betroffenen die Verbesserung der Symptome beeinflussen. In zukünftigen Studien zu dieser Thematik wäre es daher wünschenswert, wenn im Studienprotokoll eine aktive Kontrollgruppe mit einem Vergleichsprogramm eingeschlossen werden würde.
Es hat sich herausgestellt, dass KVT-Interventionen zu einer erheblichen Verbesserung von Insomnie und subjektiven Schlafstörungen führen können. Diese Ergebnisse konnten erzielt werden, obwohl die KVT für vasomotorische Symptome und nicht für die Schlafstörungen angepasst wurde. In allen Studien, in welchen die Effekte der Intervention auf Schlafstörung erfasst wurden, war die Verbesserung in der Therapiegruppe auch beim Follow-up noch signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe [20, 2628, 30].
Bezüglich depressiver Symptome zeigen die Daten, dass die KVT die Stimmung gegenüber inaktiven Kontrollgruppen verbessern kann. Dabei scheint es gleichwertig zu sein, ob die KVT allein oder in Gruppen absolviert wird [20, 29]. Neben Angst reduziert die KVT auch Stresssymptome von Probandinnen und es konnte eine allgemein bessere subjektive Lebensqualität nachgewiesen werden [26, 27].
Abschliessend lässt sich festhalten, dass die KVT und ihre Unterformen eine wirksame Behandlung des klimakterischen Syndroms darstellen. Insbesondere geeignet erscheint die KVT für Frauen, die neben VMS auch unter depressiver Verstimmung oder Schlafstörungen leiden. Gleiches gilt auch für Frauen, die aus medizinischen Gründen wie beispielsweise Brustkrebs keine Hormone erhalten dürfen, sowie Patientinnen, die aus persönlichen Gründen darauf verzichten möchten. Einzeltherapien sind gleich wirksam wie Gruppentherapien und bieten die Möglichkeit, dass Betroffene Zeit und Ort der Therapie selbst bestimmen. Dadurch können Frauen in unterschiedlichsten Lebenssituationen von der KVT profitieren.
Trotz durchgeführter Literaturrecherche liess sich keine randomisierte, kontrollierte Studie zum direkten Vergleich zwischen HRT und KVT zur Therapie von VMS finden, wodurch eine Forschungslücke aufgezeigt wird. Zudem ist auch die Datenlage zur KVT bei Wechseljahresbeschwerden begrenzt, sodass auch hier zusätzliche Studien erforderlich sind. Weitere Forschung in diesem Bereich kann dazu beitragen, komplexe Interaktionen zwischen physischen und psychischen Faktoren besser zu verstehen. Ziel ist es, den Patientinnen individuelle und evidenzbasierte Therapieoptionen anzubieten und dadurch ihre Lebensqualität zu verbessern.

Fazit für die Praxis

  • Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) erwies sich in allen untersuchten Studien als wirksame Therapie für vasomotorische Beschwerden (VMS).
  • Die KVT kann als Alternative der Hormonersatztherapie (HRT) empfohlen werden, insbesondere bei Patientinnen, die neben den VMS auch unter Depressionen und Schlafstörungen leiden.
  • Zur Thematik HRT vs. KVT braucht es weiterführende Forschung, damit den betroffenen Frauen individuelle und evidenzbasierte Therapieformen angeboten werden können.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

J. von Arx gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von den Autor/-innen keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
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Hinweis des Verlags

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DRUCKEN
Titel
Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) zur Behandlung von vasomotorischen Beschwerden (VMS) in den Wechseljahren
Verfasst von
Janine von Arx
Publikationsdatum
11.08.2025
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Journal für Gynäkologische Endokrinologie/Schweiz / Ausgabe 3/2025
Print ISSN: 1995-6924
Elektronische ISSN: 2520-8500
DOI
https://doi.org/10.1007/s41975-025-00402-0
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