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Erschienen in:

Open Access 07.09.2022 | Die Mädchensprechstunde

Klinische Herausforderungen bei der Diagnostik und Therapie von PCOS in der Adoleszenz

verfasst von: DDr. Iris Holzer

Erschienen in: Gynäkologie in der Praxis | Ausgabe 3/2022

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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Unregelmäßige Menstruationszyklen – meist einhergehend mit Anovulation –, eine multifollikuläre Ovarmorphologie und leicht erhöhte Androgenkonzentrationen im Serum sind nicht nur typische Merkmale des Syndroms polyzystischer Ovarien (PCOS), sondern auch normale Erscheinungen während der Pubertät. Aufgrund der klinischen Ähnlichkeit von Merkmalen der normalen Pubertätsentwicklung und PCOS-Eigenschaften sind bei jugendlichen Mädchen die Diagnosekriterien für PCOS nicht anwendbar und stellen eine klinische Herausforderung dar [1]. Erst ab zwei Jahren nach der Menarche zählen klinischer oder biochemischer Hyperandrogenismus und Zyklusstörungen im Sinne einer Oligomenorrhö als Diagnosekriterien für PCOS. Akne und polyzystische Ovarmorphologie allein (PCOM) werden zwar häufig beobachtet, sind aber allein keine Diagnosekriterien. Insulinresistenz und Hyperinsulinämie sind häufige Komorbiditäten, werden jedoch nicht zu den Diagnosekriterien gezählt. Diese können ebenso bei schlanken Patientinnen mit PCOS auftreten und müssen nicht immer mit Adipositas vergesellschaftet sein [2]. Um eine Stigmatisierung und Verunsicherung der heranwachsenden Mädchen zu verhindern, sollte die Diagnose nicht voreilig gestellt werden. Sind die Diagnosekriterien bei den Mädchen während der Pubertät nicht erfüllt, ist empfohlen, stattdessen von „Risiko für PCOS“ zu sprechen. Außerdem ist es wichtig, vor der Diagnose PCOS alle anderen Erkrankungen, die zu einer Hyperandrogenämie führen, als mögliche Differenzialdiagnosen auszuschließen [3, 4].
Für Mädchen mit PCOS oder „Risiko für PCOS“ muss eine Therapie geplant werden, welche den individuellen Ansprüchen der jungen Mädchen entspricht. Vor allem bei übergewichtigen Patientinnen steht eine Lifestyle-Modifikation mit Ernährungsumstellung und Bewegung an erster Stelle. Orale Kontrazeptiva, Gesdine oder Metformin werden als Therapiemöglichkeiten gern gewählt. Zusätzlich können kosmetische Behandlungen wie Waxing oder Bleaching bei Hirsutismus angewendet werden. Permanente kosmetische Methoden wie Lasertherapie sind am zielführendsten erst nach dem erreichten Absinken der Androgenkonzentrationen. Dann führen sie zu einer eindeutigen Verbesserung der Lebensqualität [5].
Bei gleichzeitig bestehendem Wunsch nach kontrazeptiven Maßnahmen sind als Therapieoption der ersten Wahl kombinierte orale Kontrazeptiva zu empfehlen. Sie senken die Androgenkonzentrationen im Serum, steigern das sexualhormonbindende Globulin (SHBG), normalisieren den Menstruationszyklus, schützen das Endometrium und verhindern dabei ungewollte Schwangerschaften. Bei erwachsenen Frauen erhöhen kombinierte orale Kontrazeptiva das Gesamtcholesterin und die Triglyzeride im Serum. Es sind aber keine Daten bekannt, dass es bei Frauen mit PCOS unter Pilleneinnahme zu einer signifikanten Veränderung der Glukosetoleranz und des Körpergewichts kommt [6]. Die synthetischen Gestagene, die in kombinierten Pillen zum Einsatz kommen, unterscheiden sich in ihrer androgenen Aktivität. Desogestrel, Gestoden und Norgestimat zählen zu den Gestagenen mit einer geringen androgenen Aktivität. Dienogest, Cyproteronacetat und Drospirenon weisen sogar eine antiandrogene Aktivität auf. Aufgrund des erhöhten Risikos für venös thrombotische Ereignisse unter kombinierten oralen Kontrazeptiva sollte vor Beginn eine negative Eigen- und Familienanamnese sichergestellt werden [7]. Bei jungen Patientinnen mit PCOS und bestehender Insulinresistenz und Hyperinsulinämie ist außerdem eine Therapie mit Metformin empfohlen, welches zwar die Androgenwerte senken kann, den Hirsutismus üblicherweise jedoch nicht verbessert [8]. Darüber hinaus reguliert auch das Nahrungsergänzungsmittel Myo-Inositol (Gesdine) die Hyperandrogenämie, einen gestörten Zuckerstoffwechsel und mögliche Zyklusstörungen.
Gegen den Hirsutismus kann auch Spironolacton wirksam sein, sollte jedoch nicht als Therapeutikum der 1. Wahl zum Einsatz kommen.
In Hinblick auf die Begleiterscheinungen und Komorbiditäten sollten alle jugendlichen Mädchen mit PCOS langfristig nachbetreut werden. Um Spätfolgen wie Diabetes mellitus oder unerfüllten Kinderwunsch zu vermeiden, sollte das PCO-Syndrom rechtzeitig von SpezialistInnen behandelt werden.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

I. Holzer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
Für diesen Beitrag wurden von der Autorin keine Studien an Menschen oder Tieren durchgeführt. Für die aufgeführten Studien gelten die jeweils dort angegebenen ethischen Richtlinien.
Open Access Dieser Artikel wird unter der Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz veröffentlicht, welche die Nutzung, Vervielfältigung, Bearbeitung, Verbreitung und Wiedergabe in jeglichem Medium und Format erlaubt, sofern Sie den/die ursprünglichen Autor(en) und die Quelle ordnungsgemäß nennen, einen Link zur Creative Commons Lizenz beifügen und angeben, ob Änderungen vorgenommen wurden.
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Literatur
1.
Zurück zum Zitat Witchel SF, Burghard AC, Tao RH, Oberfield SE (2019) The diagnosis and treatment of PCOS in adolescents: an update. Curr Opin Pediatr 31(4):562–569CrossRef Witchel SF, Burghard AC, Tao RH, Oberfield SE (2019) The diagnosis and treatment of PCOS in adolescents: an update. Curr Opin Pediatr 31(4):562–569CrossRef
2.
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3.
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Metadaten
Titel
Klinische Herausforderungen bei der Diagnostik und Therapie von PCOS in der Adoleszenz
verfasst von
DDr. Iris Holzer
Publikationsdatum
07.09.2022
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Gynäkologie in der Praxis / Ausgabe 3/2022
Print ISSN: 3005-0758
Elektronische ISSN: 3005-0766
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-022-00235-w

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