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Ist eine immunhistochemische Testung bei chronischer Endometritis sinnvoll?

  • Open Access
  • 01.12.2024
  • Reproduktionsmedizin
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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
Als chronische Endometritis (CE) bezeichnet man eine über 30 Tage anhaltende Infektion bzw. Inflammation der Gebärmutterschleimhaut, die häufig durch das Vorhandensein von Plasmazellen diagnostiziert wird. In den meisten Fällen verläuft die CE asymptomatisch bzw. mit unspezifischen Symptomen wie Blutungsanomalien, Beckenschmerzen und Infertilität. Die Erkrankung ist mit verschiedenen Reproduktionsproblemen vergesellschaftet, wie unter anderem dem Abortus habitualis oder dem wiederkehrenden Implantationsversagen (RIF). Der Goldstandard für die Bestätigung der Diagnose ist ein immunhistochemischer Test, für den eine Biopsie des Endometriums entnommen werden muss. Dies kann entweder mit einer Strichkürretage oder mit einer Pipelle durchgeführt werden.
Punkte, die für eine immunhistochemische Testung sprechen:
1.
Die verbesserte Erkennung von Plasmazellen: Immunhistochemische Färbungen für CD138 (ein immunphänotypisches Merkmal bei chronischer Endometritis) sind im Vergleich zur herkömmlichen Hämatoxylin- und Eosinfärbung signifikant besser und führen daher zu einer höheren richtig positiven Diagnoserate von CE [13].
 
2.
Erhöhte Prävalenz bei Reproduktionsstörungen: CE wird bei ca. 10 % aller Frauen festgestellt, bei Patientinnen mit wiederkehrendem Schwangerschaftsverlust (RPL) und wiederholtem Implantationsversagen (RIF) ist die Prävalenz ca. 30 % [10]. Immunhistochemische Tests sichern die Diagnose in einer signifikanten Anzahl von Fällen [4, 5].
 
3.
Hoher diagnostischer Wert der Immunhistochemie: Sensitivität und Spezifität bei immunhistochemischer Testung zeigen Werte von 86,36 % bzw. 87,30 % [6].
 
4.
Auswirkungen auf die Reproduktionsergebnisse: Unbehandelte CE ist mit schlechteren Reproduktionsergebnissen inklusive niedrigerer Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten vergesellschaftet. Eine immunhistochemische Diagnose inklusive einer angemessenen Therapie kann diese Ergebnisse verbessern [3].
 
5.
Therapieerfolg: Eine antibiotische Therapie (Doxycyclin 100 mg 2× tgl. für 14 Tage) zeigt hohe Heilungsraten und signifikante Reproduktionsverbesserungen. Frauen mit behandelter chronischer Endometritis weisen eine höhere Lebendgeburtenrate (21,1–84,6 %) im Vergleich zu Frauen mit unbehandelter CE (16,4–44,4 %) oder persistierender CE (6,7–30,8 %) auf. Zusätzlich ist die Rate an Fehlgeburten bei behandelten Frauen niedriger (6,7–23,8 %) im Vergleich zu unbehandelten Frauen (35,7–55,6 %) oder Frauen mit persistierender CE (27,3–66,7 %). Es zeigte sich eine kumulative Heilungsrate von 81,3 % bei den behandelten Patientinnen, im Vergleich dazu eine spontane Heilungsrate von 6 % in der unbehandelten Gruppe [79].
 

Schlussfolgerung

Eine immunhistochemische Testung, insbesondere unter Verwendung von CD138, ist bei Patientinnen mit chronischer Endometritis sinnvoll, da sie eine höhere Sensitivität und Spezifität bietet als alle anderen verfügbaren Testmethoden. Insbesondere könnten Frauen mit wiederholtem Implantationsversagen und wiederholten Aborten von einer Testung profitieren, da eine CE erwiesenermaßen als Ursache infrage kommen kann. In vielen Fällen lässt sich durch eine entsprechende antibiotische Therapie das reproduktive Ergebnis verbessern.

Einhaltung ethischer Richtlinien

Interessenkonflikt

M. Bögl gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.
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Der Verlag bleibt in Hinblick auf geografische Zuordnungen und Gebietsbezeichnungen in veröffentlichten Karten und Institutsadressen neutral.
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Titel
Ist eine immunhistochemische Testung bei chronischer Endometritis sinnvoll?
Verfasst von
Dr. Magdalena Bögl
Publikationsdatum
01.12.2024
Verlag
Springer Vienna
Erschienen in
Gynäkologie in der Praxis / Ausgabe 4/2024
Print ISSN: 3005-0758
Elektronische ISSN: 3005-0766
DOI
https://doi.org/10.1007/s41974-024-00345-7
1.
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