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13.10.2021 | Innere Medizin | Studiennews | Onlineartikel

Zusätzlich Sonografie zur Mammografie für junge Frauen empfohlen

Autor:
Dr. Christine Starostzik

© zilli / Getty Images / iStock

Beim Screening auf Brustkrebs wird Frauen mit hoher Brustdichte neben der Mammografie oft zu einer Ultraschalluntersuchung geraten. Einer japanischen Studie zufolge können jedoch alle jungen Frauen davon profitieren – unabhängig von der Brustdichte.

Bei jungen Frauen wird die Brustdichte als unabhängiger Risikofaktor des Mammakarzinoms angesehen. Mit zusätzlichen Ultraschalluntersuchungen zur Mammografie versucht man, die diagnostische Lücke zu füllen. Tatsächlich kann damit die Sensitivität der Früherkennungsmaßnahme deutlich erhöht werden. Allerdings haben sich die meisten Untersuchungen zu diesem Thema bislang ausschließlich auf Frauen mit hohem Risiko oder dichtem Brustgewebe konzentriert.
Narumi Harada-Shoji von der Tohoku University Graduate School of Medicine in Sendai in Japan und Kollegen haben den Nutzen eines zusätzlichen Brustultraschalls zum Mammografie-Screening nun in einer Sekundäranalyse des „Japan Strategic Anti-cancer Randomized Trial“ (J-START) bei Frauen mit verschiedenen Brustdichten untersucht (JAMA Netw Open. 2021; online 18. August).
Die Dichte der Brust wurde nach der fünften Auflage des Breast Imaging Reporting and Data System (BI-RADS) festgelegt. Für die aktuelle Analyse nutzten die Studienautoren Daten von 19.213 Frauen, die zwischen 2007 und 2020 im Screening-Zentrum Miyagi untersucht worden waren. Die Teilnehmerinnen wurden 1:1 in die Interventionsgruppe (Mammografie plus Ultraschall) oder die Kontrollgruppe (nur Mammografie) randomisiert.

Mehr Karzinome unabhängig von der Brustdichte entdeckt

59 Prozent der asymptomatischen Frauen im Alter zwischen 40 und 49 Jahren wiesen ein heterogenes oder extrem dichtes Brustgewebe auf. Insgesamt wurden durch das Screening 130 Mammakarzinome entdeckt (7/1000 Screenings in der Interventionsgruppe, 4/1000 Screenings in der Kontrollgruppe). Bei Frauen mit hoher Brustdichte lagen diese Werte bei 7,1 vs. 4,3/1000 Screenings, bei Frauen mit normaler Brustdichte bei 6,9 vs. 3,6/1000 Screenings.
Die Rate der Intervallkarzinome war in der Interventionsgruppe insgesamt signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe (0,5 vs. 2,0 Karzinome/1000 Screenings). Ähnlich signifikante Unterschiede ergaben sich auch bei den Einzeluntersuchungen von Frauen mit hoher und normaler Brustdichte (0,5 vs. 1,8 bzw. 0,5 vs. 2,3/1000 Screenings).
Harada-Shoji und Kollegen errechneten für die Interventionsgruppe eine signifikant höhere Sensitivität als für die Kontrollgruppe (93 Prozent vs. 67 Prozent). In der Einzelbetrachtung der Frauen mit hoher Brustdichte ergaben sich ähnliche Unterschiede (93 Prozent vs. 71 Prozent), ebenso bei Patientinnen mit normaler Brustdichte (93 Prozent vs. 61 Prozent).

Sensitivität der Kombination aus Mammografie und Ultraschall höher

Insgesamt zeigte sich, dass die Sensitivität der Mammografie allein wie auch des Ultraschalls allein jeweils niedriger war als eine Kombination aus beiden, und zwar unabhängig von der Brustdichte. Die Spezifität war in der Interventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe unabhängig von der Brustdichte signifikant niedriger (87 Prozent vs. 92 Prozent).
Die Rate der invasiven Mammakarzinome, die in der Interventionsgruppe bei allen Brustdichten allein mit Ultraschall entdeckt wurden, war signifikant höher, als die Rate derer, die allein mit der Mammografie (82 Prozent vs. 42 Prozent) detektiert wurden, bei normaler Brustdichte lagen die Quoten bei 86 Prozent vs. 25 Prozent.
14 Prozent der Patientinnen der Interventions- und 9 Prozent der Kontrollgruppe wurden wegen eines auffälligen Befundes erneut einbestellt. Auch die Biopsieraten waren in der Interventionsgruppe höher als bei den Kontrollen (5,5 Prozent vs. 2,1 Prozent).

Zusätzliche Sonografie für alle jungen Frauen vorgeschlagen

Die Sekundäranalyse zeige, so Harada-Shoji und Kollegen, dass die niedrige Sensitivität des alleinigen Mammografie-Screenings durch die Hinzunahme der Sonografie gesteigert werden könne. Demnach habe die zusätzliche Sonografie beim Mammografie-Screening das Potenzial, die Detektion früher und invasiver Brustkrebsstadien sowohl bei Frauen mit hoher als auch mit normaler Brustdichte zu verbessern.
Die Brustdichte sollte ihrer Meinung nach nicht mehr das einzige Kriterium sein, um eine weitere Bildgebung zu rechtfertigen. Harada-Shoji und Kollegen schlagen deshalb vor, das Brustkrebs-Screening bei asymptomatischen Frauen zwischen 40 und 49 Jahren unabhängig von der Brustdichte um eine Ultraschalluntersuchung zu erweitern.

Quelle:
springermedizin.de (Ärzte Zeitung)

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