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19.10.2021 | Innere Medizin | Übersichtsartikel | Onlineartikel

Komplementärmedizin bei Brustkrebs

Autor:
Mag.a Alice Kment

© Comugnero Silvana / Fotolia

Brustkrebs-Patientinnen haben ein großes Bedürfnis nach komplementärmedizinischer Behandlung. Dr.in Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Direktorin im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwestern, Radio-Onkologin und Komplementärmedizinerin, rät aber, die Einnahme unbedingt mit dem be­handelnden Onkologen abzusprechen.

Bis zu 70 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen in Europa nutzen Komplementärmedizin, die strikt von der Alternativmedizin zu unterscheiden ist. Komplementärmedizin wird begleitend zur Chemo- und Strahlentherapie angewendet, während die Alterna­tivmedizin diese ablehnt. „Wir versuchen das Beste aus beiden Welten zu verbinden und den Menschen ganzheitlich zu behandeln“, sagt Dr.in Elisabeth Bräutigam, die nicht nur Radio-Onkologin, sondern auch Komplementärmedizinerin ist. Um die Wechselwirkungen zu erkennen, brauche man Expertise in beiden Bereichen. Pati­entinnen und Patienten können sich auch bei der Krebshilfe Oberösterreich telefo­nisch von Dr.in Bräutigam beraten lassen. Die Brustkrebstherapie entwickelt sich schnell. „Es gibt viele Substanzen, die mit den pflanzlichen Mitteln interagieren. Besonders für die neueren Immuntherapeutika gibt es aber noch kaum  aussagekräftige Studien über die Wechselwirkungen“, sagt Dr.in Bräutigam. „Sicher ist, dass bestimmte Pflanzen zum Beispiel die Wirkung der Chemotherapie verringern oder die Verstoffwechselung derartig bremsen, sodass die Substanz länger im Körper bleibt, was die Nebenwirkungen erhöht.“ Das können vermeintlich harmlose Inhaltsstoffe wie Johanniskraut, Baldrian oder Kurkuma sein. Vitamin C und antioxidative Substanzen können negativen Einfluss auf die Strahlen­therapie haben. „Man muss aber nicht völlig darauf verzichten, sondern kann die Pflanzenpräparate nach Beendigung der Chemo- und Strahlentherapie einnehmen – dann wirken sie sehr gut.“

Mehr Lebensqualität durch Bewegung, Yoga und Qi Gong


Beim hormonabhängigen Brustkrebs wird eine spezielle antihormonelle Therapie eingesetzt, die Wechselbeschwerden in kurzer Zeit auslöst. „Die Frauen leiden oft sehr darunter und bekommen Phytoöstrogene empfohlen, die normalerweise bei Wechselbeschwerden helfen. Diese Produkte mit Granatapfel oder Soja können aber die Wirkung der Antihormon-Therapie reduzieren – dürfen also nicht eingenommen werden“, erklärt Dr.in Elisabeth Bräutigam, Ärztliche Direktorin im Ordensklinikum Linz Barmherzige Schwester, Radio-Onkologin und Komplementärmedizinerin. Was dagegen uneingeschränkt empfohlen werden kann, ist Bewegungstherapie. „Yoga und Qi Gong haben nachweislich eine gute Wirkung auf die Lebensqualität. Aku­punktur hilft bei Müdigkeit und Schlafproblemen.“

Internetmythos Vitamin B 17 – lebensgefährlich!


Derzeit im Trend ist Methadon, ein synthetisch hergestelltes Opioid. „Davon raten wir aber dringend ab, weil es sehr viele Nebenwirkungen hat“, sagt Dr.in Bräutigam und warnt vor unseriösen Angeboten. „Das Vitamin B 17 gibt es gar nicht, das ist ein In-ternetmythos. Es wird aber als Krebstherapie angeboten und ist lebensgefährlich. Es handelt sich um Blausäure aus Marillen-Kernen, die giftig ist und Herz-Rhythmus-Störungen auslösen kann“, warnt die Medizinerin. Auch vor Benzin- und Petroleum-Trinkkuren und der Einnahme von ätherischen Ölen rät sie dringend ab.Ebenfalls im Trend sind die antioxidativ wirkenden Substanzen aus der Noni-Frucht und der Maqui-Beere. „Diese sind grundsätzlich in Ordnung, man muss aber die Wechselwirkung mit Chemo- und Immuntherapien überprüfen“, sagt Komplementär-medizinerin Dr.in Bräutigam. Cannabidiol zeige vor allem gegen Übelkeit und als Ap­petitanreger gute Wirkung, vorausgesetzt die Zusammensetzung des Präparats passt. „Es wird allgemein gut vertragen.“ Bereits ein Klassiker in der onkologischen Komplementärmedizin ist die Misteltherapie. Zahlreiche Studien belegen einen posi­tiven Einfluss auf die Lebensqualität und eine Verringerung der Müdigkeit nach der Chemotherapie.
Auf alle Fälle empfehlenswert sind Bewegungstherapien und die kontrollierte Ein­nahme von Vitamin D. „Das hat keine Wechselwirkung mit einer Chemotherapie und ist für Brustkrebs-Patientinnen sehr wichtig“, sagt Dr.in Bräutigam. Eine Ernährungs­therapie ist ebenfalls sinnvoll, muss aber individuell auf die Beschwerden wie Übel­keit, Durchfall oder Nährstoffmangel abgestimmt werden.

Quelle:
Presseaussendung des Ordensklinikum Linz vom 08. Oktober 2021


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