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04.05.2022 | Innere Medizin | Übersichtsartikel | Online-Artikel

Checkpoint-Inhibitor-assoziierte Pneumonitis bei Krebspatienten

verfasst von: Dr. Marlinde Lehmann

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© Jens Schreiber

Bei etwas fünf Prozent der mit PD-1- und PD-L1-Inhibitoren Behandelten tritt eine Checkpoint-Inhibitor-assoziierte Pneumonitis auf. Wie wird diese potenziell gefährliche Komplikation erkannt und wie wird sie behandelt?

Die Checkpoint-Inhibitor-assoziierte Pneumonitis, kurz CIP, ist als mögliche Komplikation einer entsprechenden onkologischen Therapie bekannt. Mit einer solchen Pneumonitis muss bei etwa fünf Prozent der Krebskranken gerechnet werden, die mit PD-1- und PD-L1-Inhibitoren behandelt werden; bei Patienten mit Lungenkarzinom ist die Inzidenz mit bis zu zehn Prozent etwas höher.
Eine CIP werde meist in den ersten drei Monaten nach Start einer Checkpoint-Inhibitor-Therapie diagnostiziert, erinnert Privatdozent Dr. Helmut Prosch, AKH Wien. Sie könne aber auch später auftreten (Onko News Austria 2021; 9/10:4).
Bei Patienten unter Checkpoint-Inhibitor-Therapie, die mit unspezifischen Symptomen wie Husten oder Dyspnoe, vielleicht auch mit Fieber oder Schmerzen in der Brust auffällig werden, sei ein Thorax-Röntgen bezüglich Sensitivität und Spezifität für den Nachweis einer CIP limitiert, so Prosch. Handele es sich nicht eindeutig um eine bakterielle Pneumonie, sollte immer eine Computertomographie veranlasst werden.
Das Reaktionsmuster bei CIP – eine fokale oder diffuse Entzündung des Lungenparenchyms – sei dabei auch bei anderen medikamenteninduzierten Pneumonien zu finden. „Häufig treten bei einer CIP ähnliche Symptome wie bei einer organisierten Pneumonie auf“.

Pneumonitis oder Progression der Krebserkrankung?

Eine besondere Form der Pneumonie bei Immuntherapie ist die sarkoide Reaktion, die klinisch und pathologisch einer Sarkoidose entspricht. „Sowohl die organisierende Pneumonie als auch die Sarkoidose kann manchmal wie die Progression eines Lungenkarzinoms wirken und daher damit verwechselt werden“, macht Prosch aufmerksam.
Die mit einer CIP verbundene überschießende Entzündungsreaktion könne mit Lymphknotenschwellungen einhergehen und es könnten Veränderungen in der Lunge entstehen, die einem Metastasierungsgeschehen ähnelten.
Für die korrekte Diagnose seien Vorbefunde und CT-Bilder sowie die Krankheitsdynamik ausschlaggebend. Prosch rät: Fallen entsprechende Veränderungen im CT nach Start einer Immuntherapie relativ rasch auf, sollte als Ursache eine CIP in Betracht gezogen werden. Ein Progress des Karzinoms unmittelbar nach Beginn einer Immuntherapie ist hingegen eher untypisch. Im Zweifelsfall ist eine Biopsie indiziert.

Keine Hilfe durch Biomarker

Auf Biomarker im Blut kann man sich bei der Diagnostik einer CIP derzeit noch nicht stützen. Die Bedeutung der peripheren Blutparameter bei der CIP-Entwicklung sei noch unklar, betont Prosch. Es gebe zwar retrospektive Studien, nach deren Ergebnissen erhöhte Spiegel von IL-6, IL-10 und LDH, ein Anstieg der Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio sowie der Thrombozyten-Lymphozyten-Ratio oder auch eine reduzierte absolute Lymphozytenzahl und niedriges Albumin mit dem Auftreten von CIP bei Lungenkrebspatienten verbunden waren.
Außerdem stünden hohe IL-6- und niedrige Albumin-Spiegel zu Beginn der CIP im Zusammenhang mit einem schweren Grad und einer schlechten Prognose der Pneumonitis. Diese Ergebnisse müssten jetzt aber zunächst in prospektiven, randomisierten Studien genauer untersucht werden.

Beeinflusst eine CIP die Prognose?

Welche therapeutischen Möglichkeiten gibt es bei CIP? „Die Therapie hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab“, sagt Prosch, das Spektrum der therapeutischen Optionen reiche von Beobachten über Pausieren der Immuntherapie bis zu ihren Stopp, dazu komme die Option der Therapie mit Kortikosteroiden und anderen Immunsuppressiva. Bei den meisten Patienten mit CIP könne die Checkpoint-Inhibitor-Therapie fortgeführt oder wieder aufgenommen werden.
Mittlerweile gibt es auch Daten zum Einfluss des Auftretens einer CIP auf die Prognose Betroffener. Da die Entwicklung immunvermittelter unerwünschter Ereignisse in anderen Organsystemen entweder mit keiner Veränderung oder sogar einer Verbesserung des Tumoransprechens und des Outcomes von Lungenkrebspatienten verbunden war, war es interessant, die Auswirkungen der CIP auf das Gesamtüberleben bei mit ICI behandelten NSCLC-Patienten besser zu verstehen.
Danach sprechen Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom, die eine CIP im Sinne einer sarkoiden Reaktion entwickeln, besser auf den Checkpoint-Inhibitor an, wie Prosch berichtet. In einer 2019 veröffentlichten Studie sei ein mit CIP verbundener Anstieg der Mortalität nur bei Patienten mit Adenokarzinom-Tumorhistologie beobachtet worden.

Quelle:
Deutsche Ärztezeitung; www. springermedizin.de

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