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11.11.2021 | Innere Medizin | Studiennews | Onlineartikel

5-ARI verbessern die Chancen unter aktiver Überwachung

Autor:
Robert Bublak

Inhibitoren der 5-alpha-Reduktase (5-ARI) hemmen die Progression von Androgen-abhängigen Prostatakarzinomen, so die Theorie. Eine aktuelle Studie zeigt nun mit längerer Nachbeobachtungszeit die Vorteile einer solchen Therapie bei Patienten unter aktiver Überwachung auf.

© Mathias Ernert, Nationales Centrum für Tumorerkrankungen, Heidelberg

Das Enzym 5-alpha-Reduktase wandelt Testosteron in das stärkere Androgen Dihydrotestosteron um. Weil Prostatakrebs ein Androgen-abhängiges Malignom ist, sollte man annehmen, dass 5-alpha-Reduktase-Inhibitoren (5-ARI) wie Finasterid oder Dutasterid die Progression von Prostatakarzinomen hemmen und daher eine brauchbare medikamentöse Option in der sekundären Chemoprävention darstellen. Bisherige Studien zu diesem Thema litten jedoch unter einem relativ kurzen Follow-up von zwei bis drei Jahren – womöglich zu wenig für eine Tumorentität mit einem prolongierten natürlichen Verlauf, zumal bei Männern mit wenig oder höchstens mäßig riskanten Karzinomen.
Der Urologe Akbar Ashrafi von der University of Southern California in Los Angeles hat den Verlauf von 361 konsekutiven Patienten mit Prostatakrebs unter aktiver Überwachung retrospektiv verfolgt, von denen 119 das Angebot einer Verordnung von 5-ARI angenommen hatten. Untersucht wurde, wie sich die Einnahme auf die Notwendigkeit auswirkte, den Krebs schließlich doch zu therapieren, und wie häufig es zu einer pathologischen Progression kam, z. B. im Sinne einer Höherstufung im Gleason-Score. Das mediane Follow-up dauerte 5,7 Jahre.

Weniger Therapien, seltener pathologische Progression

Von einer Therapie blieben in der Kaplan-Meier-Analyse auf fünf und zehn Jahre gerechnet 92% und 59% der Patienten unter 5-ARI verschont. In der Non-5-ARI-Gruppe waren es 80% und 51%. Der Anteil der Patienten ohne Progression nach fünf und zehn Jahren erreichte 77% und 41% für Patienten unter 5-ARI sowie 70% und 32% bei den Patienten ohne 5-ARI-Einnahme. Die Berechnung der pathologischen Progression beruhte auf Daten von 228 Patienten mit mindestens einer Kontrollbiopsie. Alle Differenzen waren statistisch signifikant.
Als unabhängige Faktoren für die positive Vorhersage definitiver Therapie und pathologischer Progression erwiesen sich in der multivariablen Analyse ein PSA-Wert von mehr als 2,5 ng/ml zu Beginn; die Wahrscheinlichkeit war für Betroffene rund viermal so hoch wie für Patienten mit niedrigerem PSA. Auch das Vorhandensein eines Gleason-Musters vom Grad 4 in der Biopsie war diesbezüglich ungünstig und steigerte das Risiko etwa um das Dreifache. Die Einnahme von 5-ARI hingegen war ein unabhängiger negativer Prädiktor, das Therapierisiko wurde dadurch um 50%, das Progressionsrisiko um 42% reduziert.
„Eine Behandlung mit 5-ARI war bei Männern mit Prostatakrebs von niedrigem oder intermediären Risiko unter aktiver Überwachung mit einem reduzierten Risiko für die pathologische Krebsprogression und für definitive Therapie assoziiert“, schreiben Ashrafi und Kollegen. Die 5-ARI-Gabe habe sich zudem als unabhängiger Prädiktor für ein reduziertes Progressions- und Therapierisiko gezeigt. Zu beachten ist dabei jedoch das retrospektive Design der Studie. Da es keine Randomisierung gab, sind Einflüsse von Störfaktoren und ein Selektionsbias nicht auszuschließen.

Referenz:
Ashrafi AN et al.: Five‑alpha reductase inhibitors in men undergoing active surveillance for prostate cancer: impact on treatment and reclassification after 6 years follow‑up. World J Urol 2021; 39: 3295–3307; https://doi.org/10.1007/s00345-021-03644-2

Quelle: springermedizin.de

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